Modellbautage Fürstenfelder Mikrokosmos

An zwei Tagen strömen etwa 3000 Besucher zu den ersten Modellbautagen im Veranstaltungsforum. Dabei zeigt sich, dass ferngesteuerte Flugzeuge oder Ritterburgen aus Lego mitnichten Kinderkram sind. Für das Hobby braucht man vor allem Fingerspitzengefühl und Zeit

Von Stefan Salger, Fütstenfeldbruck

Modellbau ist kein Kinderspiel. Nicht nur jedenfalls. Abzulesen war das an der Altersstruktur der Besucher bei den Modellbautagen im Veranstaltungsforum. Am Samstag und Sonntag strömten jeweils etwa 1500 Menschen in die Tenne. Und vom Kleinkind bis zum rüstigen Rentner war alles vertreten.

Auf zwei Etagen sind Hunderte Düsenjäger, Hubschrauber, Rennwagen sowie Schiffe im Taschenformat ausgestellt. Im Schatten von Star-Wars-Porträts, die aus winzigen Legosteinen zusammengesetzt worden sind, wachen die Ritter einer mächtigen, grauen Lego-Ritterburg über diese Miniaturwelt. Die wurde von Jürgen Bartosch und seinen Freunden vom Verein Bricking Bavaria zusammengebaut. Ein Riese beugt sich herunter zu den Zinnen und blickt gelassen in die doch ziemlich winzigen Kanonenmündungen : Es ist nicht Gulliver, sondern Georg Röckl. Den handwerklich durchaus beschlagenen Olchinger faszinieren die Möglichkeiten des Modellbaus. Zuhause gibt es schubladenweise Lego und damit Stoff, aus dem die Träume sind: es ist der materielle Grundstock für ein unendliches Spektrum - von Burgen und Häusern über Fahrzeuge bis Raumschiffe. Eigentlich wurde Georg Röckl ja von zwei kleineren Riesen hierherverschleppt: Seine beiden Söhne Vinzent, 11 und Luis, 13. Und richtig: Die Schubladen sind mittlerweile in ihren Besitz übergegangen. Die Herren der Bausteine sind schon ein paar Meter weitergegangen und nehmen gerade ziemlich beeindruckende Häuser unter die Lupe.

Georg Röckl hatte früher eine Legoeisenbahn und eben einen Haufen unterschiedlich großer Bausteine. Da war Fantasie gefragt. Heute hat sich das etwas geändert. Es gibt Bausätze für alles, ziemlich gefragt sind nach wie vor die vielen Raumschiffe von Star Wars, die in großen Kartons nebst Aufbauanleitung geliefert werden. Die hat Vinzent zu Hause auch stehen. nach spätestens zwei Jahren zerlege der seine Modelle aber wieder, verrät der Vater. Und dann werden die Raumschiffe ganz zwanglos recycelt. Spätestens dann sind Fantasie und Kreativität gefragt. Die Eltern freuen sich jedenfalls, dass sich die Söhne für so etwas interessieren, sich also nicht nur von den modernen Medien "berieseln lassen", wie dies der Jugend heute oftmals pauschal vorgeworfen wird.

Große Inspektion: Ein Auto wird montiert.

(Foto: Johannes Simon)

Im weiteren Sinne gehört auch Michael Eberl aus Überacker noch zu dieser Jugend. Der 23-Jährige sitzt im Dachgeschoss der Tenne und lässt sich von den Besucherscharen, die sich durch den Gang schieben, nicht beirren. Mit ruhiger Hand und einer Pinzette setzt er ein winziges Teil eines Flugzeugcockpits ein, klebt es fest und lackiert es anschließend mit einem dünnen Pinsel. Es wird noch einige Zeit dauern, bis aus den Einzelteilen ein Sopwitch Triplane, also ein Dreidecker geworden ist, den die Engländer im Ersten Weltkrieg einsetzten. Eberl ist Feinmechaniker. Eigentlich wollte er ja mal Pilot werden. Weil die Sehstärke dies aber nicht erlaubte, wurde er eben zum Flugzeugkonstrukteur. Zu Hause stehen bereits um die 30 maßstabsgetreuen Modelle. Besonders diffizil sind die Verspannungen bei alten Doppeldeckern oder die realistische Darstellung von Holz mittels der Emaille- oder Ayrilfarben. Seine Bausätze kosten zwischen zehn und 200 Euro. Vor allem aber kosten sie viel Zeit. es dauert schon mal einen Monat, bis so ein Ding in der Vitrine landen kann. Michael Eberl muss sich also beeilen. denn in Kürze wird ein wahres Traumflugzeug in seinem Stammladen stehen: die Focke Wulff 190. Und die muss Eberl unbedingt haben. Hermann Unverdorben, der Betreiber des Stammladens, hatte den jungen Mann aus der Gemeinde Maisach auch dafür gewonnen, seine Handwerkskunst in Bruck vorzuführen.

Darf auf einer Modellbau-Ausstellung natürlich nicht fehlen: Lego ohne Ende.

(Foto: Johannes Simon)

Nicht alle haben ein Faible fürs Zusammenbauen aus Einzelteilen, sehr wohl aber eines für Flugzeugmodelle. Für sie hat Julius Oschmann das Richtige. Der 23-Jährige aus Grafrath vertritt das in der Brucker Hasenheide ansässige Geschäft Multek. Vor ihm stapelt sich Kartons mit ferngesteuerten Modellen in allen Größen. Oschmann bezeichnet sich selbst als "Wildfliger". Ein paar Stunden verbringt er jede Woche irgendwo auf einem Feld. Über ihm dreht dann der T-Rex 450L, ein kunstflugtauglicher Helikopter, seine Loopings und Pirouetten. Über dem Stand in der Tenne hängt ein riesiger Alpina-Motorsegler mit sechs Klappen. Je mehr Steeuerklappen so ein Flugzeugmodell hat, desto teurer ist es, desto genauer lässt es sich aber auch navigieren. Ein ordentliches Flugzeug kann schon mal 1500 Euro kosten, ein Heli 1300 und eine Drohne 850 Euro. Geschäften wie Multek macht die Billigkonkurrenz aus dem Internet zu schaffen. Julius Oschmann versteht zwar, dass Kunden sparen wollen. Wer ferngesteuerte Modelle aber online ordere, der riskiere eben auch, minderwertige Modelle zu bekommen, die möglicherweise gar nicht geeignet sind. Eine gute Beratung zahle sich erfahrungsgemäß schon aus, so der Grafrather.

Gelegenheiten für entsprechende Beratungen gibt es das ganze Wochenende über in Fürstenfeld ausreichend. Etwa 350 private und gewerbliche Aussteller sowie Vereine beantworten gerne alle Fragen rund um dieses große Hobby Modellbau. Während viele Erwachsene sich zwischen kleinen Jagdflugzeugen oder Panzern "festreden", lassen sich die Kinder von der ausnahmsweise wirklich lebensgroßen Starwarstruppe der "German Garrison" vom Kostümclub der 501. Legion in den Bann schlagen oder drehen draußen eine Runde mit der Feldbahn.

Dass die 16. Auflage der Modellbau-Fachmesse erstmals von Oberschleißheim nach Fürstenfeldbruck verlegt wurde, liegt nach SZ-Informationen an Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Organisator und den Verantwortlichen der dortigen Ausstellungsräume.