Familienhilfe Coaching für junge Eltern

Selbst gekochter Brei oder lieber Gläschen mit fertigem Babybrei kaufen? Stillen oder Fläschchen? Für unerfahrene Eltern tauchen in der neuen Welt mit Kindern unzählige Fragen auf. Die Familienbesucherinnen von "Willkommen im Leben" helfen, diese zu beantworten.

(Foto: Florian Peljak)

Das Projekt "Willkommen im Leben" wird seit fünf Jahren vom Landkreis und der Bürgerstiftung finanziert. Es unterstützt Mütter, Väter und Kinder dabei, den für sie besten Weg zu finden

Von Ariane Lindenbach, Fürstenfeldbruck

Soll ein Baby mit im Elternbett schlafen? Und wenn ja, wie lange? Oft sind es Fragen wie diese, für die Susanne Frauwallner in ihrer Eigenschaft als Familienbesucherin gemeinsam mit den jungen Eltern eine Lösung sucht. Die Psychologin und Verhaltenstherapeutin aus Olching ist eine von insgesamt zehn fachlich geschulten hauptamtlichen Familienbesucherinnen bei "Willkommen im Leben". Das für Familien kostenlose Besuchsprogramm wird seit fünf Jahren vom Landkreis und der Bürgerstiftung für den Landkreis Fürstenfeldbruck gefördert, um Eltern mit Kindern bis zu einem Jahr zu unterstützen. An diesem Dienstag feiert die Bürgerstiftung den runden Geburtstag mit den zahlreichen Helfern wie Hebammen, Ärzten und Fachkräften von öffentlichen, kirchlichen und privaten Trägern.

Eigentlich gibt es "Willkommen im Leben" schon seit acht Jahren. Damals, 2010, initiierte der Olchinger Verein Schub (Schulabschluss für alle) das Besuchsprogramm für Neugeboren in der Kleinstadt an der Amper. Insofern ist die Örtlichkeit für die Feier, das Kom in Olching, gut gewählt. Susanne Frauwallner, Gründungsmitglied von Schub, war am Aufbau des Projekts maßgeblich beteiligt. Der Hintergedanke sei gewesen, allen Familien mit Kindern bis zu einem Jahr fachlichen Rat und Unterstützung anzubieten.

Die Finanzierung lief bis Ende 2012 über die Stiftung Mensch. Weil die aber Projekte nur für drei Jahre fördert, drohte das Aus. Das wollte die Bürgerstiftung für den Landkreis verhindern. Wie sich die Vorsitzende Dorothee von Bary erinnert, "war das ein Jahr harte Arbeit von uns beiden". Damit meint sie Geschäftsführerin Katrin Rizzi, die Projektleiterin von "Willkommen im Leben" und sich selbst, sowie die vielen organisatorischen und verwaltungstechnischen Fragen, die es zu klären galt.

Und natürlich die Überzeugungsarbeit, die zu leisten war, um den Kreistag zu einer finanziellen Unterstützung des Projekts zu bewegen. Eine Gesetzesänderung begünstigte ihr Vorhaben, und, so von Bary: "Wir haben damals Glück gehabt: Herr Schmelzer, der damalige Leiter des Jugendamtes, wollte das Projekt unbedingt." Begünstigend wirkte sich laut Rizzi auch aus, dass immer mehr Studien belegen, wie wichtig frühkindliche Förderung ist.

Seit März 2013 also wird "Willkommen im Leben" Landkreisweit angeboten. 90 Prozent der Kosten, insgesamt rund 70 000 Euro pro Jahr, übernimmt der Landkreis, den Rest bezahlt die Bürgerstiftung. Neben den Besuchen in Familien werden damit auch die offenen Babycafes finanziert; die Familienbesucherinnen leiten sie derzeit in zwölf Kommunen. Überdies bietet Frauwallner regelmäßig Beratungen in der Erstaufnahme am Fliegerhorst.

"Uns war eben wichtig, wir sind für alle da", betont von Bary. Das Angebot richte sich keinesfalls nur an sozial schwache Familien."Auch in einer Familie, wo alles gut läuft, kann es mal Fragen geben", weiß auch Frauwallner. Der Großteil ihrer Besuche, etwa drei Viertel, drehe sich um ganz alltägliche Fragen, etwa von welchem Alter an ein Kind die Krippe besuchen kann oder wie man ältere Geschwister einbindet, wenn sie plötzlich nicht mehr das jüngste Familienmitglied sind. "Es gibt ganz viele Probleme, die Mamas beschäftigen", weiß die Psychologin, die selbst drei Kinder hat. Wie sie hervorhebt, ist der Ansatz von ihr und ihren neun Kolleginnen ein äußerst liberaler. Ohne, dass sie sich darüber abgesprochen hätten, ist so im Lauf der Zeit eine Art Grundkonzept entstanden, demzufolge stets das Wohl des Babys und der Familie im Mittelpunkt steht. In den meisten Fällen gehe es lediglich darum, die Familie in ihrem Gefühl, was ist gut für das Baby, was nicht, zu bestärken. Frauwallner fasst das so zusammen: "Einmal wertfrei jemanden dahaben, der guckt, wie geht es euch miteinander." Die Intention der Familienbesucherinnen sei schlicht: "Wir wollen den Familien etwas Gutes tun."

In den meisten Fällen genügten den Familien ein bis zwei Besuche, bestätigt Geschäftsführerin Rizzi. Oft gehe es dabei neben konkreten Fragen zum Baby auch um Kontakte zu Gleichgesinnten oder Fragen zum Krippenbesuch. Insbesondere bei Letzterem hat sie festgestellt, wie sich die Rahmenbedingungen verändern. "Die Kosten nötigen es Familien auf, dass beide arbeiten", als Folge würden die Kinder immer früher in eine Krippe gebracht. Auch hier können die Familienbesucherinnen helfen, indem sie Tipps zur Eingewöhnung geben. Aber auch, indem sie Alternativen wie etwa eine Tagesmutter aufzeigen. Frauwallner, die ja schon seit acht Jahren Familien besucht, stellt noch eine andere Veränderung fest: "Ich erlebe auch ganz viele interessierte Väter", der Anteil jener, die bei ihrem Besuch dabeisein wollen, nehme zu.