Entspannt zur Arbeit Auf Schleichwegen nach München radeln

Der Gröbenzeller Martin Oetjen legt mehrere Broschüren vor, in denen Routen abseits der Einfallstraßen verzeichnet sind.

Von Michael Tibudd

Aubing/Moosach - Für Martin Oetjen, einen Mann, der gerne Rad fährt, war das Radeln auf seinen alltäglichen Wegen lange ein Ärgernis - so sehr, dass er die Strecke von seinem Wohnort Gröbenzell bis in den Osten Münchens, wo er arbeitet, stets mit der S-Bahn zurücklegte. Den Weg per Fahrrad in die Stadt zu finden war das eine, aber dann: "Es gibt zwar das beschilderte Radwegsystem in München", sagt Oetjen. "Aber oft sind die Routen einfach nicht gut." Als er sich schließlich einmal auf zwei Rädern nach München traute, radelte er zunächst auf Strecken mit viel Autoverkehr und engen Radwegen.

Abseits vom Verkehr: Martin Oetjen hat Touren für Pendler erradelt.

(Foto: Günther Reger)

"Aber davor scheuen natürlich viele Menschen aus dem Landkreis zurück, die eigentlich auch gern mit dem Rad nach München pendeln würden", meint Oetjen.

Er selbst muss sich nun schon länger nicht mehr ärgern, hat er sich doch längst auf eigene Faust Wege gesucht, die nicht an einer Einfallstraße entlangführen, sondern durch Parks und Wohngebiete. Auch außerhalb der Stadt hat er genügend Abschnitte jenseits von vielbefahrenen Straßen entdeckt.

Von dieser Erfahrung sollen von sofort an alle Radfahrer profitieren können, die aus dem westlichen Umland nach München fahren wollen: Für den Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club ADFC in Fürstenfeldbruck hat Oetjen gemeinsam mit anderen Ehrenamtlichen Broschüren erstellt, die diese flotten Schleichwege genau beschreiben. "Auf Grünen Routen nach München", heißen sie - insgesamt sechs verschiedene solcher Routen sind darin verzeichnet, von unterschiedlichen Startpunkten im Landkreis Fürstenfeldbruck aus und zu unterschiedlichen Zielen in der Stadt: nach Sendling etwa, zur Hackerbrücke oder zum Olympia-Einkaufszentrum. Von den Endpunkten aus muss der Radler schließlich selbst zu seinem Ziel finden. In den sechs einzelnen Broschüren ist dabei jeweils nur eine Route beschrieben und eingezeichnet - die Karten bleiben damit übersichtlich.

Mit dem Grüne-Routen-Projekt sind die Fürstenfeldbrucker auch innerhalb des ADFC Vorreiter. Andere Landkreisgruppen des Radlerclubs wollen allerdings nachziehen, aus Ebersberg etwa hat Martin Oetjen verstärktes Interesse registriert. Ziel könnte eines Tages ein Führer für den Alltagsradler aus allen Gegenden rund um München sein - wobei sich freilich überall erst einmal genügend Engagierte finden müssen, die in mühevoller Arbeit angemessene Routen auskundschaften und diese dann auch noch brauchbar aufbereiten.

Denn ganz unaufwendig ist das nicht, und auch für den Radler, der sich mit dem Kartenmaterial des Brucker ADFC auf sein Gefährt schwingt, dürfte der Weg nach München trotz der Vorarbeit zunächst nicht ganz einfach sein. Die unbekannte Seitenstraße, in die man nun laut Karte einbiegen soll, muss man in der Realität erst einmal zweifelsfrei identifizieren.

Eine Hilfe sind die ausführlichen Wegbeschreibungen, aber auch die helfen nur, wenn der Radler immer wieder kurz absteigt, nachliest, sich orientiert und weiterfährt. "Beim ersten Mal Fahren braucht man dafür sicher etwas mehr Zeit", sagt Martin Oetjen. Um es den Interessenten leichter zu machen, bietet der ADFC im Landkreis Fürstenfeldbruck geführte Kennenlern-Touren auf einigen der Routen mit Startpunkten in Bruck und Germering an - die nächsten Aktionstage sind der 22. Mai und der 3.Juni.

Am einfachsten kann es sich derjenige machen, der ein Navigationsgerät fürs Fahrrad besitzt: Aus dem Internet lassen sich die von Martin Oetjen ausgetüftelten Routen herunterladen, das Gerät lotst den Fahrer dann zielsicher durch die Nebenstraßen (www.adfc-ffb.de/radtouren).

Die Broschüren liegen in Rathäusern entlang der Routen aus, außerdem im ADFC-Laden im Fürstenfeldbrucker Brunnenhof