Demonstration auf dem Marktplatz von Fürstenfeldbruck Empörte Bürger

Mit Plakaten mit Aufschriften wie "Lebewesen, keine Lebensmittel" demonstrieren Tierschützer am Marktplatz gegen die Zustände im Schlachthof.

(Foto: Günther Reger)

Die Soko Tierschutz spricht sich bei Kundgebung gegen eine Wiedereröffnung des Schlachthofs aus. Die Quälerei habe System, sagen die Aktivisten. Viele Passanten geben ihnen recht

Von Peter Bierl, Fürstenfeldbruck

Die Soko Tierschutz hat am Samstag in Bruck gegen den Schlachthof demonstriert. Die Gruppe wirft dem Betrieb zahlreiche Verstöße gegen den Tierschutz vor und stützt sich auf umfangreiches Videomaterial. Auf ihrer Kundgebung forderten die Tierrechtler, die Verantwortlichen streng zu bestrafen. Besonders wendet sich die Gruppe gegen eine Wiedereröffnung des Schlachthofes, die der Obermeister der Fürstenfeldbrucker Metzger-Innung betreibt. "Es reicht nicht, wenn ein paar Leute ausgetauscht werden, die Quälerei hat System", sagte ein Sprecherin der Soko Tierschutz.

Die Kundgebung auf dem Platz vor dem Alten Rathaus dürfte aus Sicht der Tierrechtler ein großer Erfolg gewesen sein. Viele Passanten blieben stehen und diskutierten mit jungen Passanten. Einige Aktivisten standen mit Transparenten und Plakaten am Straßenrand, auf denen die "Elektroschockfolter" angeprangert wurde. Autofahrer, die wegen der roten Ampel halten mussten, streckten Daumen nach oben, ließen die Seitenfenster herunter und baten um einen Flyer. Andere gingen schnell an der Kundgebung vorbei, einige Beleidigungen gab es auch, aber die meisten lobten die Tierrechtler und zeigten sich entsetzt über die Vorgänge im Schlachthof, der seit etwa einer Woche geschlossen ist.

"Mir tun die Tiere leid, das ist wirklich grausam, aber wahrscheinlich ist es in allen Schlachthöfen so", sagte eine Frau aus Mammendorf. "Schon die Haltung in den Ställen ist unmöglich", ergänzt ihr Mann. Die beiden essen seit Längerem kein Fleisch. "Ich bin schockiert, da fehlt jeder Respekt vor den Tieren, und dann werben die auch noch damit, dass sie aus der Region sind", sagt eine Besucherin aus Gilching, die sich den Videofilm auf dem Flatscreen am Infostand der Soko Tierschutz angeschaut hat. Sie stamme selber aus der Landwirtschaft und erinnere sich noch an Hausschlachtungen, die sie furchtbar fand. "Damals gab es aber nur einmal in der Woche Fleisch auf dem Tisch. Unser Fleischkonsum heute ist viel zu hoch", sagte die Frau. Sie verweist auch auf den Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung. "Das ist untragbar, jeder sollte darüber nachdenken", appelliert die Frau. Eine andere mag sich das Video nicht anschauen. "Ich halte das nicht aus, finde aber toll, was ihr da macht", sagt sie. "Bio ist eben auch nur eine Mode, am Ende wird abgerechnet, und es zählt der Profit", kommentiert ein Mann die Vorfälle. Auch er fürchtet, dass die Zustände überall so sind.

Eine Bürgerin fordert deshalb eine Videoüberwachung aller Schlachthöfe. "Das ändert nichts am System", antwortet eine Aktivistin. Die Tiere würden spüren, was passiert, würden das Blut riechen, seien in einer ungewohnten Umgebung und würden sich sogar gegenseitig in den Boxen angreifen. "Schon der Stress macht eine ordnungsgemäße Betäubung fast unmöglich", erklärt sie. Vorgeschrieben sei, dass zwischen Betäubung und dem tödlichen Stich maximal 20 Sekunden vergehen dürfen, das sei kaum zu schaffen. Obendrein gehe das permanente Töten nicht spurlos an den Schlächtern vorbei. "Die Gewalt führt zur Verrohung", warnte sie.

Die Sprecherin der Soko Tierschutz verwies auf 400 Fälle in Bayerns Schlachthöfen. Nur elf Mal seien die Verantwortlichen verurteilt worden, sagt sie, und zwar zu Geldstrafen von weniger als 1000 Euro. "Wir warnen die Verbraucher davor, zu glauben, an diesem System würde sich etwas ändern, nur weil ein paar neue Gesichter auftauchen."