Führungskräfte Kontakte fürs Leben

Viele Manager und Vorstände von BMW haben an der Technischen Universität in München studiert - und dort ein starkes Netzwerk aufgebaut

Von Caspar Busse

Harald Krüger fällt etwas aus der Rolle. Der aktuelle BMW-Chef, seit dem vergangenen Jahr im Amt, ist in Freiburg geboren und dann in Braunschweig aufgewachsen. Dort besuchte er nach dem Abitur auch die Technische Universität und studierte Maschinenbau, bevor er dann 1992 zum Münchner Autobauer an die Isar wechselte. Es ist ein ungeschriebenes Gesetz: Wer bei BMW etwas werden will, muss ein Ingenieur sein. Doch bislang kamen die BMW-Manager vor allem von der Technischen Universität in München.

Krügers Vorgänger Norbert Reithofer zum Beispiel, der inzwischen Vorsitzender des Aufsichtsrats ist, hat der TU München einiges zu verdanken. Er bekam hier nicht nur seine Ausbildung, er knüpfte vor allem auch wichtige Kontakte. 1978 begann der Oberbayer aus Penzberg das Studium der Fertigungstechnik und der Betriebswirtschaft. Danach heuerte er als Universitäts-Assistent an und promovierte. Sein damaliger Doktorvater: Joachim Milberg. Der Professor war selbst von 1999 bis 2002 BMW-Chef. Reithofer löste ihn im vergangenen Jahr dann als Chefaufseher ab. Es ist ein gutes BMW-Netzwerk, das an der TU München entstanden ist.

Wohl kaum eine andere deutsche Hochschule hat so viele erfolgreiche BMW-Manager hervorgebracht. Bernd Pischetsrieder beispielsweise studierte ebenfalls Maschinenbau an der TU München, von 1968 bis 1972, bevor er dann 1973 bei BMW anfing. Von 1993 bis 1999 war der gebürtige Münchner mit dem markanten Bart Konzernchef. Doch dann musste er gehen, die Übernahme des britischen Autobauers Rover hatte sich als teures Debakel erwiesen. Doch für Pischetsrieder, ein leidenschaftlicher Fahrer schneller Autos, war die Karriere damit nicht vorbei. Von 2002 bis 2006 führte er den Vorstand des deutlich größeren Autobauers Volkswagen, schied dann aber auch dort im Streit mit VW-Patriarch Ferdinand Piëch.

Oder Wolfgang Reitzle. Er schloss 1971 als bis dahin jüngster Absolvent an der TU München sein Studium, das er sich auch als Skilehrer finanziert hatte, als Diplom-Ingenieur ab. Danach war er wissenschaftlicher Assistent, bevor auch er zu BMW ging und bis in den Vorstand und zum Entwicklungschef aufstieg, zeitweise galt er gar als Favorit für den Vorstandsvorsitz. Zusammen mit Pischetsrieder musste aber auch er wegen des Rover-Debakels gehen. Reitzle wechselte zum Ford-Konzern und wurde schließlich Vorstandsvorsitzender des Münchner Gase-Konzerns Linde. Dort schied er 2014 aus, jetzt aber übernimmt er wieder den Vorsitz des Aufsichtsrats.

So wird gefeiert Die Münchner müssen sich noch etwas gedulden, denn das große Geburtstagsfest für die Öffentlichkeit findet erst im Herbst statt. Von 9. bis 11. September plant BMW ein großes Festival, für das neben den eigenen Gebäuden auch der Olympiapark angemietet werden soll. Start der offiziellen Feierlichkeiten zum Jubiläum ist aber schon am kommenden Montag, 7. März, genau 100 Jahre nach dem Eintrag der Firma ins Handelsregister. Am Nachmittag wird mit mehr als 2000 geladenen Gästen in der Olympiahalle gefeiert, auch die Bundeskanzlerin wird dazu erwartet. Die Mitarbeiter an den weltweiten BMW-Standorten können die Show per Live-Stream auf dem Bildschirm mitverfolgen. Nach diesem Auftakt plant BMW eine Jubiläums-Tour zu wichtigen Märkten wie China oder USA. In München eröffnet am kommenden Mittwoch im BMW-Museum die Ausstellung "100 Meisterstücke", die Besuchern die hundertjährige Geschichte vermitteln will. Ein Geschenk zum Geburtstag hat sich auch das Mercedes-Benz Museum in Stuttgart ausgedacht: BMW-Mitarbeiter haben dort von 8. bis 13. März freien Eintritt. mah

Viele TU-Absolventen heuern bei BMW an und machen Karriere, der Konzern kann es sich aber offenbar leisten, einige der Besten auch wieder ziehen zu lassen. So ist BMW Lieferant für Top-Manager in anderen großen Konzernen, wie die Beispiele Pischetsrieder oder Reitzle zeigen. Oder Ex-Vorstand Wolfgang Ziebart: Er ging von BMW erst zum Autozulieferer Conti und wurde dann für einige Jahre Chef des Münchner Chipkonzerns Infineon. Oder Carl-Peter Forster, der studierte Luft- und Raumfahrttechnik an der TU und machte zunächst Karriere in Bayern, wechselte dann aber zu GM und war am Ende Chef der deutschen Tochterfirma Opel, wo er sich als Sanierer versuchte.

Auch Susanne Klatten, die mit ihrem Bruder Stefan Quandt Großaktionärin bei BMW ist, hält große Stücke auf die TU München. Sie ist Gesellschafterin und Vorsitzende des Aufsichtsrats der Unternehmer-TUM GmbH, die junge Unternehmer und Firmengründer, die aus der Universität kommen und sich mit einer Geschäftsidee selbständig machen wollen, aktiv unterstützen will. Viele Manager halten der TU übrigens heute noch die Treue, kommen zu Veranstaltungen, engagieren sich ehrenamtlich oder unterstützen den Bund der Freunde der Technischen Universität. Dessen Chef ist übrigens Klaus Draeger, amtierender BMW-Vorstand. Als Adresse des Bundes fungiert sowieso der BMW-Konzern. Das Motto: "TUM. Ihr Netzwerk. Ein Leben lang."