Sport und Spaß im Freien, Folge 8 Friedhof der Schaumstoff-Tiere

Felicitas übt sich im Zielen. 30 lebensgroße Attrappen können Schützen in Hohenkammer ins Visier nehmen.

(Foto: Marco Einfeldt)

Im Bogenpark Hohenkammer kann man ohne Blutvergießen mit Pfeil und Bogen auf die Jagd gehen. Gleichzeitig bieten die Betreiber ein tolles Naturerlebnis.

Von Tobias Weiskopf, Hohenkammer

Auf den Hinterbeinen stehend, die Tatzen nach oben gerichtet, bäumt sich der Grizzlybär mit aufgerissenem Maul und gut sichtbaren, spitzen Eckzähnen vor einem auf. Dann ein leises Pfeifen. Es ist ein Pfeil, der in rasender Geschwindigkeit durch die Lüfte gleitet und im Bauch des Bären stecken bleibt. Doch keine Sorge, von dem Tier ist keine Gefahr ausgegangen und es wurde auch nicht verletzt: Es ist nur eine täuschend echte Attrappe, die aus speziellem Schaumstoff gefertigt wurde und extra als Ziel für Bogenschützen dient. Im von Claudia und Andy Müller geführten Bogenpark Hohenkammer können Hobbyschützen ohne Blutvergießen auf die Jagd gehen.

"Wir haben inzwischen 30 Ziele", erklärt Betreiber Andy Müller, "alles lebensgroße Attrappen!" Neben dem Grizzlybären, dem größten Ziel, das aus etwa 60 Metern getroffen werden muss, finden sich in dem Waldstück bei Hohenkammer auch Alligatoren und Flamingos. Der Großteil sind aber zahlreiche heimische Waldtiere wie eine Eule und ein Rothirsch, aber auch eher selten anzutreffende Arten wie der Luchs. Das Großartige beim Besuch im Bogenpark sind daher neben dem Spaß mit Pfeil und Bogen sicherlich die vielen Tiere, über die es jede Menge zu erfahren gibt.

Markierte Pfade führen den Besucher zu den Stationen

An jeder Station können Kinder und auch erwachsene Begleiter so einiges lernen, denn für die Besucher wurden Informationstafeln aufgestellt, die etwas über den natürlichen Lebensraum, Fressfeinde, Beute und Bedrohung verraten. Und wer neben der Jagd mit Pfeil und Bogen mehr über die Natur wissen möchte, kann eine geführte Tour mit dem Förster buchen. Insgesamt erstreckt sich der Bogenpark über eine Fläche von zwölf Hektar Größe. Markierte Pfade führen die Besucher zu den Stationen und wer auf dem Weg bleibt, kann sich sicher fühlen, denn die Anlage wurde vom Dachverband der Bogenschützen abgenommen. Zusätzlich informieren Hinweisschilder die Waldspaziergänger.

Gut zu wissen

Der Bogenpark Hohenkammer hat täglich von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Kinder ab sechs Jahren zahlen fünf Euro für die kleine, neun für die große Runde, Erwachsene acht beziehungsweise 15 Euro. Die Familienkarte für die große Runde kostet 30 Euro. Erfahrene Besucher mit eigener Ausrüstung können nach der Anmeldung an der Waldhütte und dem Einwerfen des Startgeldes loslegen. Neulinge können samstags Schnupperkurse besuchen (19 Euro für Kinder; 25 für Erwachsene), die Ausrüstung wird gestellt. Mehr Infos im Internet: www.bogenpark-hohenkammer.de oder auf der Facebook-Seite "Bogenpark Hohenkammer". Hier haben alle 55 Bewertungen fünf Sterne und die Besucher schwärmen von ihren tollen Erlebnissen. towe

Besonders wichtig ist den Betreibern der Einklang mit der Natur. Dass dies funktioniert, zeigt sich an echten tierischen Besuchern, denn regelmäßig schleichen zwischen die Attrappen lebendige Waldbewohner umher. Die darf man auf keinen Fall abschießen. "Die Bogenjagd ist in Deutschland verboten", stellt Müller klar. Darum gehe es auch nicht, denn der Bogen sei keine Waffe, sondern ein Sportgerät, erzählt er, und: "Bogenschießen ist eine Trendsportart, die gerade stark im Kommen ist."

Der Themenparcours "Everglades" dreht sich um den Nationalpark in Florida

Neu ist seit einigen Wochen der Themenparcours "Everglades". Dort können die Besucher in künstlichen Flussläufen zwischen den Bäumen auf die Jagd gehen. "Es gibt ganz viel Wasser, sogar Seerosen, und es schaut wirklich aus wie in Florida", schwärmt Müller. Der Parcours ist jedoch nur etwas für Fortgeschrittene, denn er ist höchst anspruchsvoll und bis auf die künstlichen Flussläufe naturbelassen, wie er sagt. "Es ist schwierig, da etwas zu treffen", erklärt der Betreiber, "das ist eher ein Zuckerl für die ganz Guten". Dennoch lohnt es sich für alle Besucher, durch die sumpfigen Everglades zu stampfen und dort wie im Original auf einen Puma, ein Krokodil, Stechmücken und Hornissen zu stoßen.

Aber auch für Anfänger ist jede Menge geboten. Es gibt einen Einschussplatz zum Üben, an den Wochenenden kann man einen Schnupperkurs besuchen. Dort lernen Neulinge alles über die verschiedenen Bögen, den richtigen Stand, die Ziel-Auge-Koordination und die Ausrichtung des Bogens. Nach ein paar Schüssen auf die Zielscheibe kann man dann auch schon die ersten Erfolge auf der Anlage feiern. Und wer besonders viel Freude an dem Sport gefunden hat, ist ab etwa 300 Euro mit einem eigenen Einsteigerbogen und einem Pfeilset dabei. Wem das zu teuer ist, für den gibt es exklusives Leihmaterial direkt im Bogenpark.

Mitten in der Anlage steht eine kleine Waldhütte mit Feuerstelle und Holzsitzbänken. Jedes Wochenende kommen zwischen 80 und 100 Besucher, die das gelungene Ambiente nach dem Bogenschießen gerne nutzen und den Tag gemeinsam ausklingen lassen. "Das ist ein sozialer Meetingpoint geworden", berichtet Müller, "die Leute kommen zum Austausch, treffen sich und ratschen." Auch Jugendliche fänden hier einen hervorragenden Ausgleich, sagt er - und sie müssen für ein paar Stunden weg vom Smartphone. "Bei uns ist Handy-freie Zone", erklärt Andy Müller. Der Bogenpark Hohenkammer ist der ideale Ort für alle, die ein paar Stunden lang den Alltag vergessen wollen. Hobbyschützen können abtauchen in die meditative Welt des Bogenschießens, denn für den optimalen Schuss braucht es nicht nur die richtige Technik, sondern auch innere Ruhe und volle Konzentration.