Neuer Job für den Bürgermeister Herr der herrenlosen Hunde

Wenn in Marzling ein Tier gefunden wird, ist laut Polizei am Ende das Gemeindeoberhaupt zuständig

Von Birgit Goormann-Prugger

Wie dringend der Bau eines Tierheims im Landkreis Freising ist, hat sich am Montagabend an einem Fall in der Gemeinde Marzling gezeigt. Dort hat ein Bürger mitten auf der Hauptstraße einen herumstreunenden Hund gefunden und sah sich mit der Sache ziemlich allein gelassen. Der Tierschutzverein hat bekanntlich mangels Pflegestellen einen Aufnahmestopp für herrenlose Hunde erlassen, die Tierauffangstation in Freising ist für Marzling laut Christl Steinhart, Sprecherin der Stadt, nicht zuständig - und die Polizei empfahl dem Marzlinger Tierfreund, sich doch selbst ein, zwei Stunden um das Tier zu kümmern. Vielleicht finde sich der Halter ja. Wenn nicht, solle er sich wieder melden.

Diese Sache ging glücklicherweise gut aus. Der Mann machte sich selbst im Ort auf die Suche nach dem Halter und fand ihn auch. Der Hundebesitzer war in Marzling erst kürzlich zugezogen und der Hund war ihm durch die offene Haustür entkommen. Der Marzlinger Tierfreund informierte daraufhin pflichtbewusst die Polizei, dass sich die Sache nun erledigt habe, wollte dann aber doch wissen, was man denn unternommen hätte, wenn sich dieser Fall nicht so schnell in Wohlgefallen aufgelöst hätte. Dann, so teilte man ihm mit, hätte man den herrenlosen Hund dem Marzlinger Bürgermeister Dieter Werner übergeben, der für Fundsachen dieser Art zuständig sei.

Das bestätigte auch Joseph Popp, Vorsitzender des Freisinger Tierschutzvereins. "Jede Gemeinde ist für ihre Fundsachen zuständig, seien es nun Regenschirme oder Tiere." Dieter Werner selbst hätte sich in diesem Fall nun nicht um den Hund kümmern müssen - er befindet sich zur Zeit im Urlaub, sondern sein Stellvertreter Martin Ernst. In Marzling weiß man auch, dass man als Gemeinde in diesem Fall zuständig gewesen wäre, sieht das Problem jedoch nicht als dringend an. "Im Durchschnitte tritt bei uns zwei Mal im Jahr der Fall ein, dass ein herrenloses Tier, meist sind es Katzen, untergebracht werden muss", so Marzlings stellvertretender Bürgermeister. Zunächst werde das Tier zur Tierärztin gebracht. Sei es verletzt, werde es auf Kosten der Gemeinde dort versorgt. "Gesunde Tiere versuchen wir in einem Tierheim unterzubringen, wenn sich der Halter nicht findet, oder bei Tierfreunden im Ort, dazu gehören auch Landwirte." Wenn all das nicht möglich sei, bringe die Gemeinde Marzling den Hund oder die Katze in einer Tierpension unter. "Das müssen wir natürlich bezahlen", so Ernst.

Natürlich wäre es in diesem Fall einfacher für die Gemeinde, gäbe es im Landkreis Freising bereits ein Tierheim, räumt Ernst ein. Der Tierschutzverein plant den Bau einer solchen Einrichtung bereits seit Jahren und hat in Neufahrn jetzt auch ein passendes Grundstück gefunden. Doch vor Ende 2013 sei damit nicht zu rechnen, so Popp. Die laufenden Kosten sollen von den einzelnen Landkreis-Gemeinden und den Städten über eine Pauschale gedeckt werden, die im Moment bei 90 Cent pro Bürger im Jahr liegt. 14 Landkreis-Gemeinden hatten Popp, so der Stand Anfang August, auch bereits zugesagt, sich an den Betriebskosten zu beteiligen, allen voran die Stadt Freising. Marzling jedoch war nicht darunter. Der entsprechende Gemeinderatsbeschluss war 17 zu null ausgegangen "Wir haben damals entschieden, uns da vorerst nicht zu beteiligen. Grundsätzlich kann man das Thema natürlich immer wieder auf die Tagesordnung stellen", so Ernst.

Das Problem mit den herrenlosen Hunden könnte im Landkreis zum Jahresende noch drängender werden. Aus Mangel an Pflegestellen sah sich der Tierschutzverein nämlich gezwungen, auch die bestehenden Fundtierverträge mit den Gemeinden Allershausen, Kirchdorf, Zolling, Hohenkammer, Hallbergmoos und Attenkirchen zu kündigen. Die freiwilligen Betreuer des Tierschutzvereins seien am Ende ihrer Kräfte, hatte Joseph Popp das begründet. "Die haben alle überhaupt nicht begriffen, dass wir das seit Jahren alles ehrenamtlich machen".