Nachwuchsmangel bei den Brummifahrern Zu viel Druck, zu wenig Geld

Trotz einer neuen Ausbildung hat der Job ein schlechtes Image. Die Speditionen bekommen das zu spüren.

Von Johanna Danhauser ; und Vanessa Fonth

Von Beruf Lastkraftwagenfahrer: Das können sich anscheinend nur wenige Jugendliche vorstellen, denn in der Branche herrscht akuter Mangel an Nachwuchskräften. Noch immer hafteten negative Klischees an dem Berufsstand, berichtet Michael Fabricius, Fuhrparkleiter der Spedition O.Z. Trans in Neufahrn. Die gängigsten Vorurteile sind bekannt: Schlechte Bezahlung, ständiger Zeitdruck und die Aussicht, selten zu Hause zu sein. Das lockt kaum junge Leute in den Job, obwohl dieser durch die Einführung einer dreijährigen Berufsausbildung aufgewertet wurde.

Der Mangel macht sich mittlerweile in den Speditionen bemerkbar. "Die alten Fahrer gehen nach und nach in Rente, aber es kommt nichts nach", schildert Fabricius die aktuelle Situation. Grundsätzlich sei es schwieriger geworden, qualifiziertes Personal zu finden und dass es den Grundwehrdienst nicht mehr gebe, bei dem viele ihren großen Lastwagen-Führerschein gemacht hätten, mache es nicht leichter, so Fabricius.

Vor allem der hohe Kostenfaktor der Ausbildung zum Kraftfahrer spiele dabei eine entscheidende Rolle, denn Voraussetzung ist der Führerschein Klasse E, der in Fahrschulen bis zu 6000 Euro kosten könne, erklärt Nikolaus Bischof von der Verkehrsinspektion Freising. Auch Christian Stang, der Leiter des Unternehmens Stang Transporte in Allershausen, bestätigt: "Es gibt definitiv einen Mangel an fähigen Lastwagenfahrern." Die Ursache dafür sieht auch er in dem negativen Image des Berufsstandes, das sich hartnäckig halte.

Zudem ist Fahrern mit unzureichender Qualifizierung oft nicht klar, welche Gefahren durch Regelverletzungen im Straßenverkehr entstehen. Besonders durch Nichteinhaltung der Ruhezeiten oder bei Überladung sowie falscher Beladung komme es häufig zu Unfällen, führt Bischof von der Verkehrsinspektion Freising aus. Mit der neuen Ausbildung soll derartiges verhindert werden. Dort werden unter anderem die Lastwagenführer besser über die Vorschriften bezüglich der Ruhezeiten, der Ladungssicherung und der angemessenen Geschwindigkeit informiert.

Hinter dem sperrigen Ausdruck "Gesetz über die Grundqualifikation und Weiterbildung der Fahrer bestimmter Kraftfahrzeuge für den Güterkraft- oder Personenverkehr" - kurz Berufskraftfahrer-Qualifikations-Gesetz - steckt eine Neuerung, die von September 2014 an sicher stellen soll, dass nur noch gut ausgebildete Fahrer auf den Straßen im Einsatz sind. Die notwendige Grundqualifikation, um weiterhin in diesem Bereich zu arbeiten, kann dann nur noch durch Abschluss der staatlich anerkannten Ausbildung oder durch Ablegen einer theoretischen und praktischen Prüfung bei der IHK, die 1500 Euro kostet, erlangt werden.

Zusätzlich dazu müssen die Fahrer alle fünf Jahre eine Weiterbildung absolvieren. Nikolaus Bischof von der Verkehrsinspektion Freising befürchtet allerdings, dass trotz der Neuerungen immer noch Gesetze übertreten werden, da einige Speditionen ihre Fahrer dazu zwingen würden, um eine Gewinnsteigerung zu erreichen. Die Fahrer, die bereits mit den körperlichen Belastungen des Berufes zu kämpfen hätten, würden damit auch psychischem Druck ausgesetzt werden, so Bischof weiter.

Insgesamt aber hoffen die Speditionen, dass durch die neue Ausbildung die Anerkennung in der Gesellschaft wächst. Momentan sei er viel in Schulen unterwegs, erzählt Stang, halte Vorträge und biete Praktika an, um Jugendliche aufzuklären und mit Vorurteilen aufzuräumen. Das Lastwagenfahren sei ein schöner und abwechslungsreicher Beruf, so Christian Stang, der nach eigener Aussage mit Leib und Seele Spediteur ist. Auf der Straße könne man eigenverantwortlich entscheiden und man habe viel Kontakt mit Menschen, zum Beispiel im Kundengespräch.

Genauso wie er sind mittlerweile viele Speditionen mit der Anwerbung von Auszubildenden beschäftigt. Bislang noch mit mäßigem Erfolg, denn im Landkreis haben sich erst drei Jugendliche für die Berufsausbildung beworben.