Große Typisierungsaktion Überwältigende Hilfsbereitschaft

Den Eltern von Noah und Niclas (von links) Clemens Rock und Hiltrud Herrmann und Sonja und Olaf Kiepe gibt die große Hilfsbereitschaft viel Kraft.

(Foto: Marco Einfeldt)

Für die Typisierungsaktion für Noah und Niclas sind bereits 25 000 Euro gespendet worden. Den Familien gibt das viel Kraft.

Niclas (16) und Noah (20) sind an Leukämie erkrankt. Doch die große Hilfsbereitschaft, die Anteilnahme und die vielen Spenden würden ihnen und ihren Familien Halt und Zuversicht geben, sagte Olaf Kiepe, Niclas Vater, am Donnerstag bei einer Pressekonferenz. 25 000 Euro seien bisher auf dem Spendenkonto für die Typisierungsaktion eingegangen, mit der ein lebensrettender Spender für die beiden Jugendlichen gesucht werde, erklärte Cordula Kellermann von der Stiftung Aktion Knochenmarksspende Bayern (AKB). Am Samstag, 18. Februar, sind nun alle Bürger im Alter von 18 bis 45 Jahren dazu aufgerufen, ein wenig Blut abzugeben.

Mit der Aktion solle Noah und Niclas geholfen werden, es gehe aber auch darum, den internationalen Spenderpool, in dem 25 Millionen Menschen registriert seien, zu erweitern, sagte Mediziner Hans Knabe, Vorstand der AKB. Schnupfen, Husten oder eine leichte Grippe seien keine Hinderungsgründe für die Typisierung. Wer aus Altersgründen nicht als Spender in Frage komme, könne die Aktion finanziell unterstützen, denn die Typisierung werde vollständig aus Spenden finanziert, von den Krankenkassen gebe es dafür nichts.

Damit möglichst viele Menschen auf das Thema aufmerksam gemacht werden, sind Noah und Niclas an die Öffentlichkeit gegangen. Mut dazu machte ihnen Vincent Kammerloher aus Wolfersdorf, der durch eine Stammzellenspende geheilt wurde. Ergreifend berichtete er bei der Pressekonferenz über die emotionale Berg- und Talfahrt, über den dunklen Tunnel, in dem er sich nach der erschütternden Diagnose befunden habe. Als schließlich ein passender Spender gefunden worden sei, habe er wieder "unglaublich viel Kraft" für die vor der Transplantation anstehende Chemotherapie geschöpft, sagte Kammerloher.

Wie sich ein Spender fühlt, davon erzählten Claus Schmöcker und Martin Prankl. Es sei ein unbeschreibliches Gefühl, Leben zu retten, "es macht mich auch stolz", sagte Schmöcker. Als der Anruf gekommen sei, dass er gebraucht werde, habe er sich schon etwas mulmig gefühlt. Aber der Eingriff sei minimal, drei Stunden lang habe man ihm Stammzellen aus dem peripheren Blut entnommen und er sei perfekt medizinisch betreut worden.

Martin Prantl hat sich einst in einer Mittagspause typisieren lassen, dann kam vergangenen Sommer der Anruf, dass seine Zellen benötigt würden, um einem Menschen das Leben zu retten. Prantl wurden aus dem Gewebe über dem Beckenkamm unter Vollnarkose Zellen entnommen. "Danach fühlte ich ein kleines Ziepen im Hintern", erinnerte er sich.

Um Spender zu werden, brauche man eine innere Bereitschaft, schilderte der Mediziner Knabe. Das sei eine Herzenssache und unabhängig davon, wer der Erkrankte sei. Erst nach zwei Jahren würden persönliche Daten herausgegeben, wenn die Betroffenen dies wünschten. Heutzutage könne man aufgrund der vielen Spender - in Deutschland aktuell 300 000 - nahezu jeden Patienten heilen, betonte Knabe.

Die Eltern von Noah und Niclas erzählten bei der Pressekonferenz, wie die Diagnose die Familien wie ein Schlag getroffen habe. Aber "wir kämpfen gemeinsam dafür, dass unsere Jungs eine Zukunft haben," so Niclas Vater. Bevor eine Transplantation stattfinden könne, werde das gesamte Blut bildende System und damit die Immunabwehr des Empfängers zerstört, erläuterte Knabe das medizinische Vorgehen. Danach kämen die neuen Stammzellen in die Blutbahn, die im Knochenmark des Patienten langsam ein neues Immunsystem aufbauen würden. Dafür müssten sie etwa drei Wochen auf der Isolierstation bleiben und vor Keimen geschützt werden.