Freising Aus dem Flaucher wird ein Isarschleiferl

Planungen für ein neues Naherholungsgebiet - keine "Partymeile" - in der Stadt sollen weitergehen

Von Kerstin Vogel

- Manchmal rutscht ja doch noch einem das Wort vom "Freisinger Flaucher" raus, dabei hatte man bei der Stadt doch schon vor einigen Wochen entschieden, dass das der falsche Name für das Projekt sei. Ja, man will den Fluss unterhalb der Isarbrücke aufzweigen, will an einem zusätzlichen Isararm vielleicht Liegeflächen anlegen, auf jeden Fall aber Raum für Naherholung schaffen.

Was man aber auf gar keinen Fall will, das ist eine neue "Partymeile" nach dem Vorbild des Flauchers in München - und deshalb hat das Kind nun einen anderen Namen: Es heißt "Freisinger Isarschleiferl" - und seit August liegt der Stadt nun auch der Bewilligungsbescheid dafür vor.

Offiziell wird das Vorhaben außerdem Leader-Projekt "Erlebniszone Isarauen, Modul 3" genannt- und Planer Christoph Stein sprach am Mittwoch im Planungsausschuss von einem "sehr, interessanten, schönen Projekt, das zur Lebensqualität in der Stadt Freising beitragen wird". Wie genau der neue Flussarm verlaufen soll, steht laut Stein bis jetzt aber ebenso wenig fest wie die Frage, wo die Aufenthaltszonen gestaltet und welche Flächen "Blumenwiese" werden.

Auf jeden Fall aber wolle man ein Wasserbett, "in das man reingehen kann und das auch für Kinder geeignet ist", erklärte der Planer. Weitere bereits definierte Ziele: Durch die Abzweigung soll ganzjährig das Wasser fließen, es sollte möglichst kein Kies hineingeschwemmt werden - und der angrenzende Auwald sollte einmal im Jahr mindestens vollständig geflutet werden.

Unter anderem wegen dieser Flutung ist auch das Wasserwirtschaftsamt bei dem geplanten Projekt "Isarschleiferl" inzwischen mit im Boot. "Das wäre großartig", schwärmte Winfried Adam am Mittwoch im Ausschuss, "ein schönes ökologisches Zuckerl, denn der Auwald ist einfach viel zu trocken".

Auch das Wasserwirtschaftsamt stelle sich natürlich nicht vor, dass das eine "Feiermeile" wie in München werde, versichert Adam - und offenbarte gleich noch sehr persönliche Kenntnisse der Flaucher-Historie. Dass dort gefeiert werde, sei nun wirklich nichts neues, sagte er: "Ich hab da damals meine Latein-Bücher verbrannt."

Schwierig gestaltet sich offenbar das Verhältnis von Grünen-Stadtrat Manfred Drobny zu dem Projekt. Die Grünen seien gar nicht dagegen, erklärte er am Mittwoch etwas überraschend. Mit einem naturnahen Umbau, der den Isarcharakter erhalte, könne er sich sogar anfreunden. Auch zugänglich dürfe das Gebiet schon sein, ja, aber eben ohne ausgewiesene Liegewiesen, Parkplätze und andere Einrichtungen der Naherholung.

Irritiert erkundigte sich daraufhin Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher, wie denn das genau gemeint sei: Ob man zwar hingehen dürfe, sich aber nicht dort aufhalten? Norbert Gmeiner (SPD) erinnerte daraufhin an das ursprüngliche Ziel der Maßnahme: eine Aufwertung der Isar als Naherholungsgebiet sei der Schwerpunkt gewesen, deshalb habe man das Projekt doch angestoßen. Ähnlich sah es Planungsreferent Anton Frankl (FSM). Man wolle die Natur für den Bürger erlebbar machen, sagte er - und auch das sei eine Verpflichtung.

Am Ende sah es der Ausschuss mit Ausnahme von Drobny genauso wie Planer Stein: Man schaffe hier eine Win-Win-Situation für die Natur und den Bürger, die Planung solle deshalb fortgesetzt werden.