Freising Flüchtlinge zu dritt auf 13,2 Quadratmetern

Es ist alles bereitet für den Einzug.

(Foto: Marco Einfeldt)

Wie Freising 400 Flüchtlinge in einem Containerdorf unterbringen will.

Von Kerstin Vogel

Ein Arbeiter zieht noch eine Walze über die Wege, andere kommen mit Putzzeug aus einem Gebäude. In den Fenstern des nahen Camerloher-Gymnasiums spiegelt sich das Blau der Container. Es ist ein schöner Herbsttag und so zeigt sich die neue Flüchtlingsunterkunft an der Wippenhauser Straße in Freising in bestem Licht. Am Donnerstag werden die ersten Menschen hier einziehen, nach nur 13 Wochen Bauzeit. Rasenflächen zwischen den Containerhäusern, nagelneue Fahrradständer und ganz rechts im Eck ein noch nicht ganz fertiger Spielplatz unterstreichen den freundlichen Eindruck, den die Besucher von der Anlage erhalten. Nur ein Alarmton nervt ein bisschen: Die Brandmeldeanlage wird gerade getestet.

Am Donnerstag sollen die ersten Asylbewerber einziehen.

(Foto: Marco Einfeldt)

339 Container sind hier für sechs zweigeschossige Wohngebäude und den flachen Verwaltungstrakt verbaut worden. Zwei der Häuser sind für Familien und Frauen gedacht, in den anderen werden ausschließlich Männer untergebracht. Errichtet und genehmigt wurde die Anlage für 396 Menschen, doch der Landkreis richtet sich für den Winter auf weiter steigende Flüchtlingszahlen ein. Landrat Josef Hauner kündigte dem Freisinger Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher am Dienstag schon einmal einen Änderungsantrag an, um das neue Containerdorf im Fall der Fälle mit der maximal möglichen Anzahl von Asylbewerbern belegen zu können. 562 wären das dann.

Das Gebäude ganz rechts auf dem Gelände trägt schon ein kleines rotes Schild mit der Adresse: Wippenhauser Straße 55a ist da zu lesen. Hier sollen Familien und allein reisende Frauen mit Kindern unterkommen. Es gibt Dreibett- und Fünfbett-Zimmer - die Räume sind bereits für die mögliche Höchstbelegung eingerichtet. 13,2 Quadratmeter misst ein Zimmer, das sich bis zu drei Menschen teilen müssen, das ist die Größe eines Containers. Ein Stockbett, ein Einzelbett, dazwischen drei spindartige Schränke, ein kleiner Tisch mit drei Stühlen - das muss fürs erste reichen. Im Fünfbett-Zimmer: alles mal fünf auf 26,75 Quadratmetern, weil hier zwei Einzelcontainer verbunden wurden.

Für Familien gibt es ein 5-Bett-Zimmer. Ein Bett und ein Spind müssen reichen.

(Foto: Marco Einfeldt)

Die Gebäude verfügen außerdem über Aufenthaltsräume, "Nasszellen" und Toiletten. In der Küche warten aneinandergereiht die Kühlschränke darauf, mit Lebensmitteln gefüllt zu werden. Gegenüber, im rückwärtigen Teil des Verwaltungstraktes, sollen Waschmaschinen und Trockner stehen - zuletzt allerdings gab es Lieferschwierigkeiten bei den Waschmaschinen.

1487 Flüchtlinge leben aktuell in 71 Unterkünften im Landkreis Freising. Bis zum Jahresende sollen es nach Informationen des Landratsamtes 2697 sein, wenn die Zahl nicht noch einmal nach oben korrigiert werden muss - Landrat Hauner rechnet insgeheim wohl damit. Statt bisher 46 sind das nun schon 64 Menschen, für die jede Woche eine Unterkunft gefunden werden muss: "Da kann man sich ausrechnen, wann das Containerdorf voll sein wird." Auf einem der Betten in den Containergebäuden haben die Verantwortlichen am Dienstag ausgebreitet, was die neu ankommenden Flüchtlinge an "persönlichen" Gegenständen erhalten: einen Satz Geschirr, ein Essbesteck, einen Topf, eine Pfanne, zwei Handtücher und Bettwäsche. Die Ersten, die sich hier einrichten werden, sind die 150 Menschen, die derzeit noch in der Wirtschaftsschul-Turnhalle untergebracht sind. Sie "werden umgesetzt", so heißt das in der Amtssprache.

Zur Erstausstattung gehören ein Satz Geschirr, Essbesteck, zwei Handtücher und Bettwäsche.

(Foto: Marco Einfeldt)

Um das Wohl der Asylbewerber kümmern sich insgesamt vier Hausmeister, außerdem Sozialpädagogen, die laut Hauner "immer da sein sollen" - aber das ist auch so ein Problem. Der Landkreis schreibe ständig Stellen aus, aber es werde immer schwieriger, Sozialpädagogen oder ausgebildetes Verwaltungspersonal zu finden, klagt der Landrat. Umso dankbarer ist er neben all den ehrenamtlichen Helfern den "Hauptamtlichen", die er hat und die "seit Monaten bis an die Grenze ihrer Belastbarkeit oder darüber hinaus arbeiten". Ein Drittel der Belegschaft im Landratsamt sei derzeit mit der Flüchtlingsproblematik beschäftigt, so Hauner: "Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, wie wir ein weiteres Jahr wie 2015 schaffen sollten". Doch trotz aller Schwierigkeiten solle in der neuen Unterkunft rund um die Uhr ein Ansprechpartner zu finden sein, versichert Hauner: "Wenn von uns niemand mehr da ist, übernimmt ein Sicherheitsdienst."

Das Gelände ist umzäunt, der Eingang mit einem Tor gesichert, doch dem Eindruck, die Flüchtlinge sollten hier eingesperrt werden, tritt Hauner entschieden entgegen. Der Zaun ziehe schlicht die Grenze zur Schule, das sei schon aus Haftungsgründen notwendig - und durch das Tor könnten sowohl Bewohner als auch Besucher ganz normal kommen und gehen, ergänzt Peter Loth vom Hochbauamt

Durch das Tor können Bewohner und Besucher ganz normal gehen.

(Foto: Marco Einfeldt)

Die Nutzung der Unterkunft ist zunächst auf drei Jahre befristet, auch weil der Landkreis an seinem Ziel, auf dem Grundstück eine neue Berufsschule zu bauen, selbstverständlich festhält, wie Hauner betont. An Kosten verschlingt das Containerdorf insgesamt 5,5 Millionen Euro, die am Ende aber vollständig von der Regierung von Oberbayern bezahlt sein werden. Und weil die Lage nun einmal so ist, wie sie ist, wird das nächste Projekt in Freising bereits geplant: eine Flüchtlingsunterkunft für 150 Menschen an der Katharina-Mair-Straße in Lerchenfeld, für die Hauner dem Freisinger Oberbürgermeister den Bauantrag "in allernächster Zeit" ankündigte.