Der H&M Neubau in Freising Ein Haus auf Pfählen

Die Baustelle an der Unteren Hauptstraße in Freising ist ziemlich spannend.

(Foto: Sebastian Widmann)

Die Baustelle für den H&M-Neubau in der Freisinger Altstadt stellt Architekt und Baufirma vor große Herausforderungen. Die Passanten finden das alles ziemlich spannend und geben dem Bautrupp auch schon mal Tipps.

Von Birgit Goormann-Prugger, Freising

Seit März arbeitet dort, wo früher das Freisinger Bavaria-Kino stand, ein Bautrupp der Pfaffenhofener Firma Hechinger mit ziemlich schwerem Gerät. Eine riesige Baulücke gibt den Blick noch frei auf den Domberg. Der wird später wieder verstellt, wenn dort der Neubau steht, den der Investor, die EEW GmbH, an den Bekleidungsriesen "H&M" vermieten wird.

Immer wieder bleiben Passanten am Bauzaun stehen und beobachten die Bauarbeiten, wollen sogar manchmal so nah an die Grube heran, dass Bauleiter Georg Bauer einschreiten muss. Das wäre wirklich zu gefährlich, sagt er. Architekt Herbert Kunz muss unterdessen immer viele Fragen beantworten. "Viele wollen wissen, was wir hier machen, manche geben mir sogar Ratschläge", sagt Kunz bei einer Baustellenbesichtigung am Dienstag. Eines sei auf jeden Fall klar: "Diese Baustelle ist wirklich eine Herausforderung", versichert der Architekt. Vor der Baustelle hat die Baufirma eine Fotostrecke vom Fortschritt der Arbeiten präsentiert und beschreibt die verschiedenen Stadien vom Abriss des Gebäudes bis zum aktuellen Stand als Information für die Passanten. Dass das Interesse so groß sei, sei bei einem Gebäude an einer so zentralen Stelle mitten in der Stadt natürlich verständlich, erklärt Geschäftsführer Andreas Kufer. "Die Leute rufen sogar bei uns an und fragen", sagt er.

Ein milder Winter wäre gut

Noch sei man im Zeitplan. "Wenn der Winter nicht zu streng wird, sind wir gegen Ende des dritten Quartals 2016 fertig", erklärt Architekt Herbert Kunz. Erstmals entsteht mit dem Neubau an dieser Stelle übrigens ein Haus mit Keller. Ein Projekt, das nicht einfach zu bewerkstelligen gewesen sei, so der Architekt, der zu der Baustelle eine ganz besondere persönliche Beziehung hat. Das Bavaria Kino hatte nämlich noch sein früherer Chef gebaut und das rechts angrenzende Gebäude hat er selbst geplant.

Das Problem sei, so Kunz, dass der Boden an dieser Stelle erst ab einer Tiefe von neun Metern tragfähig sei. Alles darüber sei zu weich, um die tonnenschweren Fundamente zu tragen, Schwemmland aus der Moosach. Also wurden rund um das Grundstück Pfähle bis in eine Tiefe von zwölf Metern getrieben, in der Mitte des Grundstücks weitere Pfähle bis zu einer Tiefe von 24 Metern. Damit diese Stützpfähle nach dem Aushub des weichen Bodens für das Kellergeschoss nicht seitlich wegknicken, wurden sie mit einem Stahlgerüst für die Dauer der Aushubarbeiten verbunden. Das Stahlgerüst werde später wieder entfernt und dann durch eine 50 Zentimeter dicke Bodenplatte ersetzt, erläutert Kunz. Geplant sind also drei Etagen und eine Verkaufsfläche von fast 1700 Quadratmetern. Über Aufzüge und Rolltreppen werden die einzelnen Verkaufsräume künftig erreichbar sein.

Der Platz ist mehr als beengt auf dieser Baustelle, die ringsum von Wohn- und Geschäftshäusern umgeben ist. Der Maschinenpark sei jedoch vergleichsweise groß "und das Ganze muss darum auch eine logistische Meisterleistung sein", versichert Andreas Kufer. "Wir haben wirklich Glück mit den Nachbarn, da kommen keine Klagen", ergänzt Architekt Kunz. Ein 200 Tonnen schwerer Kran steht auf einem Nebengrundstück genau dort, wo früher die Backstube der Konditorei Pfaller war. "Die sollte ohnehin weg, wir haben sie also gleich mit abgerissen und dürfen dafür das Grundstück für den Baukran nutzen", erläutert Kunz. 36 Meter hoch ist dieser Kran und er wird erst wieder verschwinden, wenn das komplette Gebäude bereits steht.

Dafür muss er allerdings mit einem zweiten Kran von der Straße aus über die Gebäudereihe gehoben werden. Das könnte durchaus spannend werden, "denn dafür müssen wir die komplette Hauptstraße an diesem Tag leider für einen ganzen Tag sperren", kündigt Architekt Herbert Kunz schon mal an.