Auch in Freising war er sehr präsent Trauer um Ewald Schurer

Für mehr Lärmschutz an der A 9 hat sich Ewald Schurer (2. von links) viele Jahre lang eingesetzt, das Bild zeigt ihn bei einem Ortstermin an der Autobahn.

(Foto: Marco Einfeldt)

Der SPD-Bundestagsabgeordnete stirbt am Sonntagvormittag völlig überraschend im Alter von 63 Jahren

Von W. Bögel/P. Schnirch, Ebersberg/Freising

Die Landkreise Ebersberg, Erding und Freising verlieren eine Stimme in Berlin. Der langjährige SPD-Bundestagsabgeordnete Ewald Schurer ist tot. Wie Familie und Partei bekannt gaben, verstarb Schurer völlig überraschend am Sonntagvormittag. Erst bei der Wahl im September war er erneut ins Parlament gewählt worden. Über die Todesursache gab es aus seinem Umfeld am Sonntag keine Auskünfte. Schurer wurde 63 Jahre alt.

Wohl kein Politiker im Landkreis Ebersberg war bekannter als Ewald Schurer, was sicher nicht nur an seinem langjährigen Engagement im Bundestag lag. 1998 wurde er das erste Mal ins Parlament gewählt, das damals noch in Bonn tagte, und gehörte dem Gremium seither mit einer Unterbrechung von 2002 bis 2005 an. Im Bundestag galt er auch über die Parteigrenzen hinaus als Finanz- und Gesundheitsexperte, der gelernte Kaufmann im Groß- und Außenhandel und Diplom-Betriebswirt, der unter anderem bei BMW gearbeitet hatte, war Mitglied des Haushaltsausschusses. Schurer war viele Jahre lang stellvertretender Vorsitzender der Bayern-SPD, ganze 14 Jahre lang hatte er den Vorsitz im SPD-Bezirksverband Oberbayern inne.

Seine Genossen in Ebersberg hatten ihm schon vor einiger Zeit den Spitznamen "Ewiger Ewald" verpasst - ein Scherz, in dem auch eine Portion Respekt mitschwingt, denn kaum einer war so lange politisch aktiv, kaum einer war in der Öffentlichkeit so präsent wie Schurer. Auch im Landkreis Freising war er oft präsent. Das Verhältnis sei "sehr kameradschaftlich, sehr vertrauensvoll" gewesen, sagt SPD-Kreisvorsitzender Peter Warlimont. Er nannte es "ganz außergewöhnlich", dass ein Betreuungsabgeordneter - die Sozialdemokraten im Wahlkreis haben schon lange keinen eigenen Vertreter mehr in Berlin - so präsent gewesen sei. Über Jahre hinweg habe er sich beispielsweise um einen besseren Lärmschutz für die Anwohner an der A 9 von Allershausen bis Schweitenkirchen bemüht, außerdem um eine Umfahrung von Au. Ganz früh sei er auch "einer der Ankerpunkte" der Startbahngegner in der SPD gewesen - noch bevor sich die Bayern-SPD insgesamt gegen das Vorhaben positionierte.

"Er wird uns auf alle Fälle sehr fehlen", sagt Warlimont. Dass es keine Lösung ist, den Mund zu halten, war gewissermaßen das Credo von Ewald Schurer. Er bewunderte die Sozialdemokraten, die im Dritten Reich Widerstand geleistet hatten, wegen deren Vorbild sei er in die SPD eingetreten, erzählte er oft. Einer der Widerständler - Willi Brandt - war da gerade Kanzler, dessen Charisma motivierte Schurer zusätzlich, sich für die SPD zu engagieren. Seit 1972 war er Mitglied, wenig später wurde er Juso-Kreisvorsitzender, und auch in der DGB-Jugend war Schurer seit den 1970er Jahren aktiv. Das erste Mandat gab es für Ewald Schurer dann 1984, da zog er für die SPD in den Ebersberger Kreistag ein.

Geschont hatte sich Schurer nie. Es sich zwischen den Wahlkämpfen auf seinem Parlamentssitz in Berlin gemütlich zu machen, war seine Sache nicht: "Man muss ständig Fleißarbeit leisten, um wahrgenommen zu werden", sagte er einmal - was für einen SPD-Abgeordneten in Bayern wohl doppelt gilt. Seine Arbeit in Berlin sei ein "Knochenjob", der viel Disziplin erfordere, so hat er es immer wieder beschrieben, eine Woche mit 60 Arbeitsstunden und mehr keine Seltenheit.

Die Politik, der Austausch mit Bürgern und Parteifreunden, das Reden über wichtige, interessante Themen war aus Ewald Schurers Leben nicht wegzudenken. Noch bis kurz vor seinem Tod hatte er zahlreiche Termine absolviert, sei es die Einweihung eines Mitfahrbankerls in Grafing oder die Nominierungsveranstaltung seiner Partei für Land- und Bezirkstag. Eine Arbeit, die Ewald Schurer nach eigenem Bekunden meist gerne machte: "Als Abgeordneter kann ich eben an Entscheidungen mitwirken, die alle Bürger unmittelbar betreffen. Diese große Verantwortung übt noch immer einen ungebrochenen Reiz auf mich aus."