Flüchtlinge in München Bayern erwägt Zelte für Asylbewerber

"Die Prognosen haben ganz anders ausgesehen": Weil die Bayernkaserne hoffnungslos überfüllt ist, sollen in München womöglich Zelte für neu ankommende Flüchtlinge aufgestellt werden. Bayerns Sozialministerin Emilia Müller gibt sich überrascht und will sich nun ein Bild von der Situation machen.

In der Bayernkaserne werden womöglich Zelte für neu ankommende Flüchtlinge aufgestellt, eventuell bereits an diesem Wochenende. Die Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber ist hoffnungslos überfüllt, sodass bereits eine ehemalige Fahrzeughalle als Schlafstätte genutzt wird.

Wann genau auf Zelte zurückgegriffen werden muss, konnte ein Sprecher der Regierung von Oberbayern am Freitagabend noch nicht sagen. "Das Krisenmanagement läuft auf Hochtouren", sagte er.

Mit etwaigen Fehlern in der Vergangenheit habe die Entwicklung nichts zu tun, sagte Sozialministerin Emilia Müller am Rande der CSU-Vorstandsklausur in der Münchner Parteizentrale. "Man konnte diesen Zustrom, der überproportional ist, gar nicht so erwarten - die Prognosen haben ganz anders ausgesehen." Bis zum Oktober würden die hohen Zuwachszahlen andauern. "Und darauf müssen wir uns jetzt einstellen." Derzeit tage der Krisenstab, gegen Mittag will sie sich selbst ein Bild der Lage machen. "Ich will mir anschauen, welche Bedingungen die Leute dort haben, ob die sanitären Einrichtungen in Ordnung sind", sagte sie. "Ich will auf jeden Fall mal vorher schauen, wie die Unterkunft ist, weil ich die Leute nicht in einem Zelt übernachten lasse, wenn das nicht vorher ordentlich geregelt ist."

Während im vergangenen Jahr im Schnitt knapp 50 Asylbewerber pro Tag in ganz Bayern ankamen, waren es allein in München am Donnerstag 200, vor allem Afrikaner und Syrer. Dies sei "eine neue Dimension", die nicht vorhersehbar gewesen sei.

Bereits am Montag war die Bayernkaserne, die mit ihren Dependancen derzeit mehr als 2200 Asylsuchende beherbergt, für nicht mehr aufnahmefähig erklärt worden. Flüchtlinge aus dem Bundesgebiet werden daher nicht mehr nach München verlegt. Wer aber direkt in München Asyl begehrt, wird aber weiterhin untergebracht.

Viele Kommunen in Deutschland haben wegen steigender Zahlen von Asylbewerbern inzwischen Probleme mit der Unterbringung und suchen nach unkonventionellen Lösungen. So sind zum Beispiel in Hamburg neben Wohnschiffen auch ausrangierte Kreuzfahrtschiffe als Unterkünfte im Gespräch. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) erwartet in diesem Jahr rund 200 000 Asylanträge. Von Januar bis Mai ist die Zahl der Asylbewerber im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bereits um mehr als 60 Prozent gestiegen.