Fall Hegemann Blogger entlarvt Fräuleinwunder

Schönes Buch mit Makel: Der Blogger Deef Pirmasens deckt auf, wie Jungstar Helene Hegemann für ihren Bestseller Axolotl Roadkill kopiert hat.

Interview: Lisa Sonnabend

Die 17-jährige Buchautorin Helene Hegemann gilt als neuer Star der Literaturszene. Doch nun hat der Münchner Blogger Deef Pirmasens, 35, aufgedeckt, dass Hegemann für ihren Bestseller Passagen kopiert hat. Am Freitagabend veröffentlichte Pirmasens auf www.gefuehlskonserve.de den Beitrag "Axolotl Roadkill: Alles nur geklaut?" Im Interview mit sueddeutsche.de erklärt er, wie es dazu kam.

sueddeutsche.de: Sie haben aufgedeckt, dass Helene Hegemann in ihrem vielgelobten Buch Axolotl Roadkill Passagen geklaut hat. Wie sind Sie ihr auf die Schliche gekommen?

Deef Pirmasens: Ich habe mir das Buch gekauft und wegen der guten Kritiken mit großer Erwartung angefangen zu lesen. Das Buch ist ja sehr explizit hinsichtlich Sex, Drogen und der Berliner Clubszene. Das erste Mal bin ich stutzig geworden, als sie über den Berliner Club Berghain schreibt, der bekannt für seine harte Türpolitik ist. Leute, die aussehen, als wären sie jünger als 21 Jahre, werden in der Regel abgewiesen - das habe ich selber schon erlebt. Deswegen habe ich mich gefragt: War sie als damals 16-Jährige wirklich dort drin? Oder wo hat sie die Informationen her? Da das Buch ja Fiktion ist, wäre es völlig legitim, sich von anderen Quellen inspirieren zu lassen.

sueddeutsche.de: Und dann?

Pirmasens: Dann ist mir aufgefallen, dass sie sehr herausstechende Wörter wie "Vaselintitten" oder "Technoplastizität" verwendet und diese kamen mir bekannt vor. Plötzlich ist mir dann auch eingefallen, woher ich die Wörter kenne: aus dem Buch Strobo des Berliner Bloggers Airen. Aber es sind nicht nur Wörter, sondern auch leicht verfremdete Sätze oder Szenen, wie ich bemerkt habe, als ich dann verglichen habe.

sueddeutsche.de: Welche Dinge zum Beispiel?

Pirmasens: Einmal lehnt eine Person im Berghain an der Wand und eine andere Person versucht, Fotos von den Pupillen zu machen. Das kommt genauso auch in dem Buch von Airen vor.

sueddeutsche.de: Haben Sie Airen dann gleich informiert?

Pirmasens: Ich kenne den Autor gut, weil ich im vergangenen Jahr eine Lesung mit Geschichten von ihm organisiert habe. Ich habe ihn und seinen Verlag natürlich sofort informiert, damit sie entsprechend handeln können.

sueddeutsche.de: Wie hat Airen reagiert?

Pirmasens: Airen ist schockiert. Er hat gesagt, die Autorin habe nie versucht, mit ihm Kontakt aufzunehmen. Ich hoffe, dass Airen nun durch die Geschichte mehr Aufmerksamkeit bekommt; denn sein Buch ist nicht überall in den Feuilletons besprochen worden wie das von Hegemann. Ein Buch von einem 28-jährigen Blogger aus einem Untergrundverlag ist offensichtlich nicht so interessant wie eine Veröffentlichung in einem Großverlag von einer Jugendlichen, deren Vater in der Kulturszene bekannt ist. Hegemann wird ja gelobt als das Wunderkind der Literaturszene, das den großen Generationenroman geschrieben hat.

sueddeutsche.de: Aber Helene Hegemann hat nicht nur von Airen abgekupfert ...

Pirmasens: Genau. Das Buch endet mit einem Brief der toten Mutter an die Protagonisten. Dafür hat Helene Hegemann offensichtlich den Songtext des Titels Fuck You der Band Archive übersetzt, vielleicht ein oder zwei Wörter geändert und dann verwendent, ohne das Zitat kenntlich zu machen. Ausgerechnet dieser Brief wurde von der Literaturkritik oft zitiert und gelobt.

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