Zugverkehr Dorfen: Der Bahnausbau wird konkret

Schon in vier Jahren soll in Hörlkofen der Verkehr auf der Staatsstraße in einer Unterführungen unter der Bahnlinie hindurchfahren.

(Foto: Renate Schmidt)
  • Wegen Untersuchungen an der Bahnstrecke zwischen Markt Schwaben und Dorfen fällt der Zugverkehr streckenweise an acht Wochenenden aus.
  • Beim Ausbau werden etliche Kilometer Lärmschutzwände die Orten an der Bahnlinie durchschneiden.
  • Das große Ziel: Irgendwann einmal soll es eine S-Bahn von München bis Dorfen geben.
Von Florian Tempel

Für die Planungen des Bahnausbaus der Strecke München-Mühldorf beginnt an diesem Wochenende eine ganz entscheidende Phase. Bis April 2017 werden laut Mitteilung der Deutschen Bahn zwischen Markt Schwaben und Dorfen "geotechnische Untersuchungen ausgeführt". Der Zugverkehr fällt deshalb auf Teilen dieses Streckenabschnitts an den kommen acht Wochenenden aus. Bahnnutzer werden in Busse - sogenannten Schienenersatzverkehr - umsteigen müssen. Die Fahrplaneinzelheiten werden in den Bahnhöfen ausgehängt und finden sich unter anderem auf der Internetseite www.suedostbayernbahn.de. Die Baugrunduntersuchungen werden für "eine valide Kostenschätzung für den zweigleisigen Ausbau der Strecke" benötigt, schreibt die Bahn. Das heißt auch: Es entscheidet sich, zu welchen Kosten die in Dorfen oder nun auch in Hörlkofen gewünschten Gleistieferlegungen machbar wären.

Als im Oktober 2013 in Schwindegg der Auftakt zu den aktuellen Ausbauplanungen bekannt gegeben wurde, glaubte manch einer noch, dass wäre nur wieder so eine hohle Ankündigung. Der Ausbau der Bahnstrecke ist ja gewissermaßen seit mehr als hundert Jahren geplant, doch wirklich getan hatte sich nie etwas. Mittlerweile scheint aber klar, dass diesmal wirklich gebaut wird. Ausbau heißt jedoch nicht nur ein zweites Gleis und die Elektrifizierung, sondern auch viele neue und größere Straßenbrücken und Unterführungen. Der Bahnübergang in Hörlkofen, wo die Staatsstraße zwischen Erding und Hohenlinden die Gleise kreuzt, soll zum Beispiel sogar als "Vorwegmaßnahmen" gebaut werden. Das zeigt sehr deutlich, dass es wirklich konkret wird.

Mit dem Bau von Brücken kann begonnen werden

Der Chef des Planungsteam der Bahn, Klaus-Peter Zellmer, sagte im Gespräch mit der SZ, bereits 2021 soll an dieser Stelle der Verkehr in einer Unterführung unter der Bahn durchfahren. Man spreche darüber derzeit mit dem Straßenbauamt und der Gemeinde Wörth. Auf der gesamten Strecke gibt es noch weitere Stellen, an denen Bahnübergänge in Vorwegmaßnahmen zu Brücken oder Unterführungen werden. Im Stadtgebiet von Dorfen ist es schon soweit, dass der Bau von Brücken über die Bahnlinie beginnen kann. Die Brücken bei Lappach und Moosschuster sollen Ende 2018 fertig sein.

Beim eigentlichen Ausbau werden auch etliche Kilometer Lärmschutzwände die Orten an der Bahnlinie durchschneiden. Weil das alles andere als gut aussieht, fordert schon seit Jahren in Dorfen eine Bürgerinitiative eine Tieferlegung in einen Trog. Umweltreferent Gerald Forstmaier (Grün-Alternative Liste) hat unlängst eine kostengünstigere halbtiefe Troglösung vorgeschlagen, mit bepflanzten Böschungen und nur noch wenig hohen Lärmschutzwänden. Zellmer sagte dazu, man habe Forstmaier angeschrieben und ihn eingeladen, seine Ideen vorzustellen: "Wir werden das nicht einfach vom Tisch fegen. Wir schauen und das an, dann werden wir uns zu dem Konzept auch äußern und das diskutieren."

Bis zu 140 Planer sind mit der Strecke befasst

Zellmer stellte aber noch einmal klar, dass die Bahn vorerst mit einem weitgehend ebenerdigen Ausbau weiter plane. Die Ausarbeitung der sogenannten Entwurfs- und Genehmigungsplanung werde dabei "so schnell wie möglich" vorangetrieben. Bis zu 140 Planer seien damit befasst. Ein ganz entscheidender Punkt seien zwar stets die Finanzierungsvereinbarungen, auch schon für die Planung eines Projekts, sagte Zellmer, das diese bereits ein Fünftel der Gesamtkosten ausmache. Da der Ausbau der Bahnstrecke als vordringliches Projekt in den Bundesverkehrswegplan aufgenommen worden ist, gibt es jedoch wenig Zweifel, dass der Bund weiteres Geld für die nächsten Planungsschritte bewilligt.

Für den Bahnausbau gibt es mehrere Gründe. Über die Walpertskirchener Spange und den Erdinger Ringschluss soll der Flughafen München über von Osten ans Bahnnetz angeschlossen werden. Die Unternehmen im südostbayerischen Chemiedreieck wollen expandieren und mehr Güter auf die Schiene bringen. Generell erspare jeder Güterzug 70 Lastwagen, sagte Zellmer. Auch der Personennahverkehr soll durch den Ausbau besser werden - irgendwann einmal soll es eine S-Bahn von München bis Dorfen geben.

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