Inklusive Ferienbetreuung Mehr Abwechslung in den Ferien

In den Pfingsferien hat die Caritas in Erding die erste inklusive Betreuung für Schulkinder mit und ohne Behinderung angeboten. Im Sommer folgt die nächste.

Von Carolin Hermeling

Sechs Kinder zwischen fünf und 14 Jahren spielen ausgelassen am Lagerfeuer zwischen drei großen Tipi-Zelten. Es wird getobt, die Kleinen rennen freudig herum. Alle haben bunte Indianer-Streifen auf den Wangen und tragen selbst gebastelten Kopfschmuck. Oberteile aus Jutesäcken vermitteln ein Gefühl, als säße man mitten in einem kleinen Indianer-Stamm in Algasing. Auf den ersten Blick ein ganz normaler Ferienausflug. Doch der Normalität entspricht dieses Ferienabenteuer nicht: Die Caritas-Kontaktstelle für Menschen mit Behinderungen hat den Trip in das Tipi-Dorf der Barmherzigen Brüder in Algasing als Ferienbetreuung für Schulkindern mit und ohne Behinderung organisiert. Drei Tage lang unternimmt die Gruppe Ausflüge, bastelt, spielt und isst gemeinsam. Erstmals gibt es in diesen Ferien diese integrative Form der Tagesbetreuung.

Drei Betreuerinnen kümmern sich unter der Leitung der hauptamtlichen Sozialpädagogin Tanja Sachs um drei behinderte und drei nicht-behinderte Kinder. Es handelt sich um das erste Projekt dieser Art: Die sogenannte offene Behindertenbetreuung für Kinder gab es im Landkreis Erding bisher noch nicht in dieser Art. Auch die Kontaktstelle für Menschen mit Behinderung in Erding ist noch ganz neu: Im Oktober 2010 erst eröffnete sie in der Landshuter Straße 37 ihre Räume. Beratung über Pflegegeld, Mobilitätshilfen, allgemeine Anträge und familienentlastende Dienste organisiert die Kontaktstelle. "Viele Menschen mit Behinderung oder einem behinderten Kind stehen vor einer großen Herausforderung. Wir wollen helfen, ihnen Möglichkeiten aufzeigen und ihnen beratend zur Seite stehen", beschreibt Tanja Sachs ihre Aufgabe. Auch für Erwachsene werden regelmäßig Freizeitaktivitäten angeboten.

Vom 20. bis 22. Juni unternahm die Caritas Erding nun den ersten Versuch, auch eine Freizeitaktivität für die Kinder zu schaffen. "Sie sollen viel erleben und jeden Tag etwas Neues kennenlernen. Ursprüngliche Idee war außer dem Spaß für die Kinder auch die Entlastung der Eltern für ein paar Tage. "Das ist im Alltag - besonders mit behinderten Kindern - schwierig zu organisieren", sagt Sachs. 150 Euro mussten die Eltern für das Angebot bezahlen, Eltern von behinderten Kindern können sich jedoch einen Teil der Kosten erstatten lassen. "Dass wir die Tage so günstig anbieten konnten, haben wir auch zu großen Teilen der Hit-Stiftung zu verdanken." Sie habe die sozialpädagogische Betreuung der Kinder mit Spenden unterstützt, aber auch von anderen Seiten kam Hilfe.

"Im Tipi-Dorf bei den Barmherzigen Brüdern können wir uns gegen eine kleine Aufwandsentschädigung mit den Kindern aufhalten", freut sich Tanja Sachs. Auch die drei jungen Frauen zwischen 16 und 20 Jahren, die Sachs bei der Betreuung unterstützen, helfen gern mit und bekommen dafür ein kleines Entgelt.

Täglich geht es mit den Kindern an einen anderen Ort: Spielen im Wildpark Poing, Lagerfeuer mit Stockbrot im Tipi- Dorf und ein Ausflug in den Lollihop-Kinderspielpark in Erding bei schlechtem Wetter. Ausgeschmückt werden die Tagesausflüge mit Basteln, Spielen und der Vorbereitung: "So weit wie möglich können die Kinder mithelfen, das Essen vorzubereiten und die Aktivitäten mit zu planen", so Sachs. Die kleinen Teilnehmer finden es toll, "dass nur so wenig Personen in einer Gruppe sind". Viele würden gerne wieder an der Ferienbetreuung teilnehmen. Auch das Feedback der Eltern nach dem ersten Tag war sehr gut, sagt die Sozialpädagogin Sachs: "Die Kinder waren ziemlich müde, das ist ja immer ein gutes Zeichen. Und es zeigt, dass wir wirklich viel Spannendes mit ihnen unternommen haben."

Die nächste Ferienbetreuung findet bereits in den Sommerferien für eine Woche statt. Die Kosten für ein Kind betragen 200 Euro. Geschwisterkinder zahlen - wie auch in den Pfingstferien - nur die Hälfte.