Dorfener Bahnausbau Plan B

Gerald Forstmaier kennt sich mit Planung und Gestaltung aus, er ist von Beruf Landschaftsarchitekt.

(Foto: Renate Schmidt)

Der Stadtrat will Bund und Bahn mit Gerald Forstmaiers Kompromisslösung überzeugen: Man könnte die Bahngleise im Dorfener Stadtbereich in einem halbtiefen und weniger teuren Trog verschwinden lassen

Von Florian Tempel, Dorfen

Mit voller Einstimmigkeit hat der Stadtrat das weitere Vorgehen der Stadt beim Ausbau der Bahnlinie München - Mühldorf im Bereich von Dorfen beschlossen. Die Forderung nach einer weitgehenden Tieferlegung der Gleise bleibt bestehen. Die Stadt zeigt sich allerdings kompromissbereit und wäre wohl auch mit einem halbtiefen Gleistrog zufrieden. Umweltreferent Gerald Forstmaier (Grün-Alternative Liste) hat dazu konkrete Vorschläge gemacht. Dazu will die Stadt nun die Kosten für verschiedene Tieferlegungsvarianten von einem unabhängigen Ingenieurbüro berechnen lassen. Außerdem will man noch einmal intensiv bei politischen Mandatsträgern aller Ebenen um Unterstützung werben. Schließlich soll in einigen Monaten eine Delegation aus Dorfen nach Berlin reisen, um im Bundesverkehrsministerium die Verantwortlichen davon zu überzeugen, dass mehr als nur der billigste Ausbaustandard möglich sein muss.

Bei der Bürgerversammlung zum Bahnausbau Ende November im Jakobmayer hatten Vertreter der Bahn ihren Planungsstand vorgestellt. Abgesehen von einer relativ kurzen halbtiefen Unterquerung der B 15 - eine Straßenbrücke bleibt gleichwohl notwendig - ist keine Tieferlegung der Gleise vorgesehen. Chefplaner Klaus-Peter Zellmer sagte zwar, dass sein Team auch eine Troglösung planen würden, aber eigentlich nur zur "Verteidigung" der "Vorzugsvariante" des ebenerdigen Ausbaus. Zellmer forderte jedoch auch, die Stadt "muss sich mal outen, was sie konkret möchte" und zeigte sich interessiert an den damals bereits vorgestellten Ideen von Umweltreferent Forstmaier.

Im Stadtrat konkretisierte Forstmaier nun seine Pläne. Demnach könnte es drei jeweils etwa 900 Meter lange Trogabschnitte geben. Im Westen nach dem Bahnübergang Rutzmoos und im Osten auf Höhe von Kloster Moosen könnten die Gleise je zwei Meter tiefer gelegt werden. Um die Züge, die noch mehr als zur Hälfte aus dem niedrigen Trog herausragen, weiter abzuschirmen, werden links und rechts des Trogs zwei Meter hohe Böschungen aufgeschüttet, die mit Büschen und Sträucher bepflanzt werden. Ganz oben drauf auf die Böschungskante kommen relativ kleine Lärmschutzwände. Im mittleren, ebenfalls etwa 900 Meter langen Abschnitt sollte der Gleistrog aber 3,50 Meter runter gehen, schlägt Forstmaier vor, so wie es auch die Bahnplaner für eine Unterquerung der B 15 für notwendig halten. Da die halbtiefe Lösung in jedem Fall über dem Grundwasserspiegel liege, könne sie nicht so irrwitzig teuer sein, wie das für eine totale, etwa sieben Meter tiefe Tieferlegung von der Bahn errechnet wurde. Ein Ingenieurbüro soll dazu eine vergleichende Rechnung anstellen. Dazu sollen aber nur modellhaft je 100 Meter ebenerdiger Ausbau, halbtiefer Tieferlegung und eines echten Tunneltrogs berechnet werden, sagte Forstmaier. Auch so müsste man "belastbare Zahlen und Daten" erhalten, mit denen man weiter diskutieren kann. Forstmaier räumte ein, dass ein komplette Tieferlegung, so wie es die Bürgerinitiative fordert, "das Nonplusultra wäre, besser geht es nicht". Doch angesichts der sicher nicht einfachen Finanzierungsfrage sei es notwendig, "einen Plan B" zu haben.

Die Stadtverwaltung präsentierte strategische Überlegungen, wie man das gewünschten Ziel erreichen könnte. Neben eier offiziellen schriftlichen Stellungnahme der Stadt, die an die Bahn AG, Minister und Abgeordnete geschickt werden wird, fordert die Stadt "die Einbindung in die Erstellung der Entwurfsplanung". Bei regelmäßigen Arbeitstreffen sollen die Bahnplaner mit Vertretern aus der Stadt Dorfen über die Planungen diskutieren. Da der Chefplaner der Bahn Klaus-Peter Zellmer zuletzt klar gemacht hatte, alles sei möglich, wenn die Finanzierung stehe, soll eine Dorfener Delegation bei einer Reise nach Berlin versuchen, Extrageld vom Bund für Dorfen locker zu machen.