Film Exemplarische Zerstörung

Die Gregor-Loisoder-Umweltstiftung zeigt mit einem Kurzfilm von Jan Haft am Beispiel des Isentals, wie ein Autobahnbau eine bis dato intakte Kulturlandschaft zerschneidet

Von Thomas Daller, Dorfen

Mit einem Kurzfilm über die Zerstörung des Isentals durch den Bau der A 94 will die Gregor-Loisoder-Umweltstiftung die Folgen solcher Projekte dokumentieren und überregionale Aufmerksamkeit erzielen. Umweltverbände und Bürgerinitiativen, aber auch Schulen können die DVD kostenlos verwenden. Die Umweltstiftung will damit exemplarisch zeigen, was von einer intakten Kulturlandschaft bleibt, wenn die Straßenbauer anrücken. "Ähnliche Verwüstungen drohen auch durch den Bau der B 15 neu", warnt Claus Obermeier, Vorstand der Stiftung.

Der neue Kurzfilm verwendet zum Teil bekanntes Material, das aus dem Film "Mein Isental" stammt, den der renommierte Naturfilmer Jan Haft 2008 veröffentlichte. Haft hat diese Bilder, die das noch unzerstörte Isental zeigen, mit aktuellen Luftbildern von der Baustelle der Lappachtalbrücke bei Dorfen kombiniert. Darüber hinaus werden Bilder aus der Widerstandsbewegung gezeigt. Im Abspann stellt Haft mit Zitaten von Ministerpräsident Horst Seehofer aus der Regierungserklärung vor dem bayerischen Landtag die Bekenntnisse zur Bewahrung der Schöpfung in Sonntagsreden der Realität in Bayern gegenüber.

Claus Obermeier, Vorstand der Gregor Louisoder Umweltstiftung bei der Vorstellung des neuen Films: "Der neue Kurzfilm Isentalautobahn A 94 - Natur, Kultur, Widerstand - zeigt in beeindruckender Weise, dass es die oft erwähnte Bewahrung der Schöpfung und eine nachhaltige Politik in der Realität wie der bayerischen Verkehrspolitik nicht gibt". Der Film soll auch bundesweit den zahlreichen Bürgerinitiativen und Widerstandsprojekten der Umweltbewegung als Beispiel für neue Formen der Mobilisierung dienen. Claus Obermeier: "In Zukunft müssen wir nach dem Vorbild amerikanischer Umweltverbände den Widerstand gegen die Naturzerstörung in viel breitere Bevölkerungsschichten tragen."

Die Brücke über das Lappachtal bei Dorfen zeigt, wie die Autobahn die Landschaft verändert. Bis 2019 soll die A 94 durchgehend befahrbar sein.

(Foto: Gregor-Loisoder-Umweltstiftung)

Die Gregor-Loisoder-Umweltstiftung habe sich erst in den vergangenen sechs bis sieben Jahren mit dem Widerstand gegen die A 94 beschäftigt und ihn unterstützt, erläuterte Obermeier. "Dabei haben wir festgestellt, dass die Mobilisierung am Ort sehr intensiv ist. Aber es ist ganz schwierig, Leute außerhalb der Region in den Städten und Ballungsräumen zu erreichen. " Deshalb sei auch nicht ausreichend öffentlicher Druck entstanden, dass man im Landtag oder auf Regierungsebene eine andere Entscheidung zur A 94 erreichen hätte können. Mit der DVD wolle man dieses Zielpublikum ansprechen. Der Kurzfilm solle die Schönheit der Natur zeigen und wie der Autobahnbau das Isental unwiederbringlich zerstöre. Bürgerinitiativen könnten ihn auf Internetseiten präsentieren, in sozialen Netzwerken zeigen und für Großveranstaltungen könne man auch eine DVD in Kinoqualität erhalten.

Vorbild für diese Aktion sind amerikanische Umweltverbände wie der Sierra Club.

Obermeier: "Diese älteste amerikanische Naturschutzorganisation geht beispielsweise gegen die Abholzung der Küstenregenwälder ganz gezielt in die Großstädte. Dort wo auch der Wahlkampf gemacht wird, bringen sie das Thema im großen Stil auf den Tisch. Die begleiten auch Wahlkampfreisen von Senatoren und informieren, wie diese Kandidaten zu den jeweiligen Projekten stehen."

Mit der DVD versuche die Gregor-Loisoder-Umweltstiftung ebenfalls mehr Interesse der Öffentlichkeit zu wecken. Im Isental sehe man exemplarisch, wie ein großes Straßenbauprojekt die Umwelt zerstöre. "Es gibt viele Leute, die können sich das gar nicht vorstellen, weil sie so etwas noch nie gesehen haben", sagte Obermeier. Zudem wolle man mit dem Film darauf hinweisen, dass die Bewahrung der Schöpfung zwar ein Thema für Sonntagsreden in der Politik sei, aber die Realität in Bayern anders aussehe. Deshalb habe man als "Steilvorlage" die Regierungserklärung von Ministerpräsident Horst Seehofer im Abspann ausgewählt, der sich dabei explizit zum Schutz dieser Schöpfung bekenne.

Bürgerinitiativen sollen diese DVD kostenlos erhalten, die der Naturfilmer Jan Haft gedreht hat.

(Foto: Umweltstiftung)

Neben Aufnahmen von Fledermäusen und Brachvögeln, von einem Anti-A94-Sommerfest am Lindumer Kircherl und vom Spatenstich für die Autobahn wird auch der Dorfener Naturfotograf Andreas Hartl im Film gezeigt. Er fordert, dass in die Pfeiler der Autobahnbrücke bei Lappach die Namen aller Richter und Politiker gemeißelt werden sollen, die dieses Projekt vorangetrieben haben. Hartl: "Damit unsere Kinder wissen, wem sie die Zerstörung der Heimat zu verdanken haben."

Der Film im Internet: http://www.glus.org/projekte/heimat-zerstoert.html