Bahnprojekt "ABS 38" Noch zwölf Jahre auf der Zeitschiene

Der Gesamtprojektleiter des Bahnausbaus München-Mühldorf-Freilassing sieht 2030 als machbaren Zieltermin. Geld sei kein Problem, sagt Klaus-Peter Zellmer, das 1,6-Milliarden-Euro-Projekt sei gesichert "durchfinanziert"

Von Florian Tempel, Dorfen

Klaus-Peter Zellmer hat noch zwölf Jahre. Dann geht er in Rente. Doch das ist nicht das eigentliche Ziel des Gesamtprojektleiters des Bahnausbaus München-Mühldorf-Freilassing. Zellmer will erleben, dass die Züge auf einer zweigleisigen und elektrifizierten Strecke an Dorfen, Walpertskirchen und Hörlkofen vorbeifahren, bevor er in Ruhestand geht. Bis 2030, so ist seine Hoffnung, sollte es so weit sein. Geld sei kein Problem, versichert Zellmer, das 1,6-Milliarden-Euro-Projekt sei mittlerweile gesichert "durchfinanziert" und er erwarte auch keine "signifikanten Kostensteigerungen". Im kommenden Jahr soll für die ersten Abschnitte das Planfeststellungsverfahren beginnen.

Zellmer berichtete das alles bei einem Pressetermin in der östlich von Dorfen etwas abseits gelegenen Einöde Niederhöning. Die Bahn hat auf dem Hof nahe der Bahnstrecke eine Halle angemietet, um dort viele Tausend Plastikeimerchen mit Bodenproben zu lagern. Zellmer sprach über die Ergebnisse der umfangreichen Baugrunduntersuchungen, die grundlegend waren, um mit den Planungen richtig weitermachen zu können. Er erklärte, wie aufwendig das alles war, entlang der 46 Kilometer zwischen Markt Schwaben und Ampfing alle 30 bis 50 Meter in den Boden zu bohren, ein Loch in die Erde zu graben oder Bodensonden möglichst tief in den Grund zu rammen. Wie danach in einem Labor die Proben auf ihre "bodenmechanischen Eigenschaften" untersucht wurden und ein Experte mehr als hundert Aktenordner voll Gutachten verfasst hat. Alles zur Erkundung, wie der Baugrund auf und neben der Bahnstrecke beschaffen ist. Im großen Ganzen habe man es schon gewusst, sagte Zellmer, doch nun wisse man es im Detail: "Der Boden, den wir vorfinden, macht uns zwar Kopfschmerzen, aber wir beherrschen ihn schon noch."

Gesamtprojektleiter Klaus-Peter Zellmer zeigte, wie unterschiedlich der Boden auf der Strecke ist: Kaum Kies, der am besten zum Bauen wäre, dafür viele schwierige Untergründe aus Sand und Schluff, Baaz und Letten, Lehm und Ton.

(Foto: Renate Schmidt)

Weil man nun all die Bodengutachten hat, kann es mit der Entwurfsplanung weitergehen. Der Ausbauabschnitt von Markt Schwaben bis Dorfen wird in sieben Teilstücke unterteilt, jedes sechs bis sieben Kilometer lang. Die Teilstücke werden in den kommenden Monaten in allen Einzelheiten mit den notwendigen Brücken und Unterführungen und allem Drum und Dran durchgeplant. Für jedes Teilstück wird es ein eigenes Planfeststellungsverfahren geben. In einem Jahr werde man so weit sein, diese Verfahren zu beginnen.

Zellmer hatte für diesen Mittwoch eigentlich noch einen weiteren Termin eingeplant. Er wollte bis zum Abend in Dorfen bleiben und dann dem Stadtrat erklären, was er und die Bahnplaner von Martin Viereggs Alternativplanung halten. Der Münchner Verkehrsplaner hat im Auftrag der Stadt Dorfen eine Idee entwickelt, wie die Bahngleise weiter südlich in tiefen Gleisgräben verschwinden könnten. So könnte man die Bahnstrecke im Stadtbereich von Dorfen mehr oder weniger optisch verschwinden lassen. Die Planung der Bahn sieht hingegen einen weitgehend ebenerdigen Ausbau auf der bestehenden Trasse vor. Auf vielen Kilometern würden dann wohl links und rechts der Gleise meterhohe Lärmschutzwände der Stadt einen traurigen Anblick verleihen. Ein weiteres, nicht nur optisches Problem wären die Straßenbrücken über die Gleise - nach der Vorplanung der Bahn würde man von der Bundesstraße B 15 in Dorfen nicht mehr in die Bahnhofstraße abbiegen können. Eine Tieferlegung in einem Gleistrog wäre nach Berechnungen der Bahn indes schier unglaublich teuer. Vieregg hält dem seine Ideen entgegen, die ohne viel Beton auskommen. Was auch noch günstiger sei.

Die Bahnstrecke wird noch viele Jahre lang eingleisig und ohne Strom sein, doch einige Brücken, wie hier bei Niederhöning, sind schon fertig.

(Foto: Renate Schmidt)

Zellmer sagte, man habe sich die Dorfener Hoffnungsvariante von Vieregg genau angeschaut und durchgerechnet. Er habe sich eine klare Meinung gebildet. Wie die aussieht, wollte Zellmer aber nicht sagen. Das soll der Stadtrat von ihm selbst erfahren. In einem Monat kommt er wieder nach Dorfen, aber nicht in die Einöde Niederhöning, sondern ins Rathaus.