Weniger Fixierungen Startschuss für Werdenfelser Weg

Auftaktveranstaltung zu neuem Ansatz in Pflege und Betreuung

Luisa Seeling

Um die Anwendung freiheitsentziehender Maßnahmen in Alten- und Pflegeheimen zu verringern, will der Landkreis künftig den "Werdenfelser Weg" einschlagen. Dahinter verbirgt sich ein alternativer betreuungsrechtlicher Ansatz, der in Garmisch-Partenkirchen entwickelt wurde und bereits in vielen Regionen der Bundesrepublik zu einem Rückgang von Fixierungsanträgen und -genehmigungen geführt hat. Am Donnerstag, 14. November, laden das Amtsgericht und die Betreuungsstelle Ebersberg zu einer Informationsveranstaltung im Festsaal des GSD Seniorenwohnparks Vaterstetten ein, um das Konzept der Öffentlichkeit vorzustellen. Beginn ist um 14 Uhr. Die Einladung richtet sich an alle, die von dem Thema in irgendeiner Weise betroffen sind oder sich ganz allgemein dafür interessieren. Der Eintritt ist frei. Referieren wird unter anderem der Garmisch-Partenkirchener Amtsrichter Sebastian Kirsch, einer der beiden "Väter" des Werdenfelser Weges. Er wird erklären, warum der Einsatz von Gurten, Rollstuhlbremsen und Bettgittern keineswegs so sicher ist wie häufig angenommen. Schließlich bestehe auch hier die Gefahr physischer und seelischer Verletzungen, erklärt Erwin Länger, Leiter der Betreuungsstelle Ebersberg. Zudem handele es sich dabei um einen massiven Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht.

Schon heute versuchen Alten- und Pflegeheime im Landkreis Ebersberg, auf freiheitsentziehende Maßnahmen weitgehend zu verzichten und Alternativen wie Niederflurbetten oder Sensormatten einzusetzen. Doch der Werdenfelser Weg bringt darüber hinaus auch verfahrensrechtliche Änderungen. So sollen Verfahrenspfleger in die gerichtlichen Genehmigungsverfahren eingebunden werden - keine Rechtsanwälte, sondern Personen, die einen Pflegeberuf erlernt haben und sowohl über rechtliches als auch pflegerisches Fachwissen verfügen. Über Ausbildung und Arbeit des Verfahrenspflegers wird bei der Veranstaltung am Donnerstag der Münchner Pflegesachverständige Mathias Schmittknecht informieren.