Poing "Es war ganz besonders"

Anna Reischl aus Poing reiste mit 4000 Ministranten aus dem Erzbistum München/Freising nach Rom. Dem Papst durfte die 20-Jährige ein T-Shirt und ein Pilgertuch überreichen.

Von Saskia Meyer-Eller

Eigentlich sei sie nur die Ersatzfrau gewesen, erzählt die 20-Jährige Anna Reischl aus Poing. Zu der diesjährige Ministrantenwallfahrt mit dem Motto "Frei! Darum ist es erlaubt, Gutes zu tun" reisten 4000 Ministranten aus dem Erzbistum München und Freising vorige Woche nach Rom. Höhepunkt der einwöchigen Pilgerfahrt war eine Audienz mit Papst Franziskus bei der Marienvesper auf dem Petersplatz. Anna Reischl sollte für eine Ministranten-Kollegin einspringen, um vor insgesamt 5000 Ministranten aus ganz Deutschland ein paar Zeilen aus dem Pilgerbuch vorzutragen. Diese erledigte ihren Job dann aber doch selbst, und Anna wurde eine andere Ehre zuteil: Vor 50 000 Menschen überreichte sie dem Papst ein weißes Pilgertuch und ein Wallfahrts-Shirt. Jeder der Messediener hatte zu Beginn der Reise ein Pilgerpaket bekommen, unter anderem mit dem Pilgertuch von jeder Diözese in einer anderen Farbe. Für den Papst war ein weißes Tuch reserviert.

Vor 50 000 Menschen überreichte Anna Reischl aus Poing Papst Franziskus ein Pilgertuch und ein Wallfahrts-Shirt.

(Foto: EJA München und Freising)

"Das kann man nicht wirklich beschreiben", erinnert sich Anna nach ihrer Rückkehr an den Moment, an dem sie dem Papst gegenüber stand. Lampenfieber habe sie schon gehabt, als sie auf ihren Einsatz wartete. Doch als sie dann dran war, habe sie einfach ihre Aufgabe erledigt. Das mag auch an dem strengen Protokoll gelegen haben. Sie wusste genau, wann sie aufstehen musste, wann sie sich auf den Weg machen sollte zum Papst. Den Weg habe sie im Vorfeld sogar abgehen müssen. Der Papst habe sich bei ihr bedankt, sogar auf deutsch. "Es war schon besonders", sagt Anna Reischl.

Zusammen mit 4000 Ministranten aus dem Erzbistum München und Freising reiste die 20-jährige Poingerin Anna Reischl (2. v. rechts) nach Rom.

(Foto: EJA München und Freising)

Neben der Audienz mit dem Papst standen allerdings noch einige andere Punkte auf dem Programm. So gab es beispielsweise diözesane Eröffnungs- und Abschlussgottesdienste in der Lateranbasilika mit Weihbischof Wolfgang Bischof und in St. Paul vor den Mauern mit Erzbischof Reinhard Kardinal Marx.

Daneben hatten die Jugendlichen jeden Tag Zeit, die ewige Stadt eingehend zu besichtigen. Außerdem wurden einige Sondertouren verlost, zum Beispiel eine Besichtigung von Radio Vatikan und der Katakomben oder etwa ein Nachtgebet mit Blick über Rom. Ministranten aus Glonn gewannen eine Tour mit Kardinal Reinhard Marx durch den Vatikan. Um den Kontakt zwischen jungen Pilgern zu fördern, fand das sogenannte "Blind Date" statt. An 300 verschiedenen Plätzen in Rom trafen sich jeweils Pilgergruppen aus drei verschiedenen Bistümern Deutschlands und leiteten gleichzeitig einen Kennenlern-Abend ein. Danach wurden Hände geschüttelt, dies gab Gelegenheit, sich durch gegenseitige Interviews kennenzulernen, seine Pilgertücher zu tauschen und möglichst viele Unterschriften in seinem Pilgerheft zu sammeln. Oder man spielte Mini-Bingo, bei dem es galt, den Ministranten zu finden, der schon einmal Sternensinger war oder Asterix lateinisch zu zitieren wusste.

"Bei dieser Wallfahrt spürten die Ministranten deutlich Gemeinschaft und Verbundenheit über die Pfarrei- und Diözesangrenzen hinweg und wurden für ihren Dienst in den Pfarreien gestärkt", so der Diözesanjugendpfarrer Daniel Lerch. Das kann Anna Reischl bestätigen: "Man hat viel gesehen in der Woche und viele Kontakte geknüpft." Besonderer Anreiz dafür sei der mit dem Tausch der Pilgertücher verknüpfte Wettbewerb gewesen. Je mehr verschiedene Tücher die Gruppe am Ende der Woche zusammengetauscht hatte, desto höher war die Chance, eine Übernachtung bei der Jugendkorbinianswallfahrt im November zu gewinnen. Dann werden sich 4000 Ministranten erneut auf die Reise machen, um auf dem Freisinger Domberg zusammen zu kommen. Dabei sein werden auch Ebersberger Ministranten, obwohl sie nicht gewonnen haben.