Poing Bühne für Gleichberechtigung

Die Hälfte der jungen Schauspieler ist erst seit kurzem in Deutschland, aber die Botschaft gegen Vorurteile kommt auch ohne Worte rüber.

(Foto: Christian Endt)

Poinger Schüler arbeiten an einem Integrationsprojekt mit Theaterstück und Aufklebern für Fairness gegenüber Flüchtlingen

Von Phil Klüh, Poing

Seit sechs Monaten begleitet das Landesjugendwerk Bayern Schulkinder aus Poing, um ein für mehrere Jahre geplantes Integrationsprojekt voranzutreiben. Dabei sollen einheimische Jugendliche und junge Flüchtlinge in interaktiven Workshops und Theateraufführungen Werte von Willkommenskultur entwickeln und gleichzeitig lernen, dass jeder Mensch, unabhängig von seiner Vergangenheit, eine faire Chance verdient hat.

"Wir behandeln Kinder mit- und ohne Fluchterfahrung komplett gleich. Jeder darf bei uns entscheiden und gestalten", erklärt Jean-Francois Drozak und nennt damit das höchste Gebot des Projekts, das der Theaterregisseur mit initiiert hat. Zudem würden die Faktoren Menschlichkeit und Freundschaft zwischen den Kindern eine wichtige Rolle spielen.

Ein erstes Ergebnis des bisherigen Zusammenseins wurde nun in der Aula der Dominik-Brunner-Realschule in Poing präsentiert. Von Regisseur Drozak geleitet führten zehn Jugendliche mehrere kurze Theaterszenen vor, welche die Gleichberechtigung von Einheimischen und Flüchtlingen thematisierten. Obwohl in einigen Szenen auch die nonverbale Kommunikation dominierte, die Botschaft war überwiegend die gleiche: Aufräumen mit Vorurteilen. Die Selbstverständlichkeit und der Spaß der Jugendlichen während der Aufführung sorgten für eine bemerkenswerte Atmosphäre in der Aula. Dass die Hälfte der Darsteller aus der Türkei, Somalia oder Eritrea stammen, die erst vor wenigen Monaten mit der deutschen Sprache in Berührung kamen, macht die auf der Bühne präsentierte Leistung umso imponierender.

"Das war nur der erste Schritt in unserem Projekt", sagt Regisseur Drozak. Im Sommer sei geplant, auch außerhalb von Poing in Geschäften, Schulen und anderen Einrichtungen weitere Theateraufführungen zu veranstalten. In den nächsten Monaten werden sich die Jugendlichen allerdings einem anderen Thema widmen. "Wir werden uns alle vier Wochen treffen, eigeninitiativ ein Wapperl entwickeln und mit Werten füllen", erklärt Drozak. Konkret soll dieses Wapperl ein Aufkleber sein, den man am Auto, am Haus, oder an sonstigem Eigentum anbringen kann, um in erster Linie Fairness gegenüber Flüchtlingen zu demonstrieren.

Langfristig soll Poing als Vorbild für andere Gemeinden dienen und einen Nachahmeeffekt verursachen. "Wir wollen als Leuchtturm fungieren, der aus Poing über die Gemeindegrenzen hinaus strahlt und neue Werte in der Willkommenskultur vermittelt", beschreibt Drozak. Um dieses Ziel zu erreichen, arbeiten das Landesjugendwerk Bayern und die Gemeinde Poing eng zusammen, was auch die Anwesenheit von Bürgermeister Albert Hingerl (SPD) bei der Theateraufführung offenbarte. Hingerl verlor nicht viele Worte, dafür waren diese jedoch umso prägnanter. "Herzlich Willkommen in Poing", sagte der Bürgermeister in die Zuschauerreihen, ehe er das Mikrofon wieder abgab.

Hingerls Auftritt kann als Sinnbild für das Projekt herangezogen werden. Es werden nicht viele Worte gesprochen oder Versprechen angekündigt. Vielmehr versteht die Gemeinde ihre Aufgabe darin, Geplantes in die Tat umzusetzen und dabei stets freundlich und fair mit den Menschen umzugehen. Dass das ein durchaus erfolgsversprechender Weg ist, hat die jüngste Aufführung der am Projekt teilnehmenden Jugendlichen gezeigt.