Mitten in der Region Skypen mit dem Medium

Wer offen für Übersinnliches ist, kann die erstaunlichsten Dinge erfahren

Von Michael Morosow

Sagt ein Hellseher zum anderen: "Dir geht's gut, wie geht's mir?" Zugegeben, der Witz ist so alt, dass sich bereits die ersten Außerirdischen darüber köstlich amüsiert haben, als er ihnen von Steinzeitmenschen erzählt wurde. Glaubt natürlich wieder kein Mensch außer Erich von Däniken und seine Geistesverwandten. Die haben aber noch alle sieben Chakren im Schrank - im Gegensatz zu den bedauernswerten Realisten, die nur von Übernatürlichem oder Außerirdischen oder Galaktischen sprechen, wenn der FC Bayern spielt. Wenn die Roten ihre Antennen ausfahren würden, wüssten sie aber, dass negative Energien bald an der Allianz-Arena rütteln werden, während der TSV 1860 München in der Saison 2020/21 die Champions League gewinnt. Es kommt ganz sicher so, weil erstens die Kugel einer Wahrsagerin nicht irrt, zweitens die Sternen-Konstellation diesen Schluss zulässt und drittens eine Lichtgestalt dazu befragt wurde - Erzengel Metatron, der mit den höchsten Schwingungen aller Erzengel.

Jetzt werden vielleicht die mehr als nur esoterisch angehauchten Bayern-Fans ganz aufgeregt mit dem Pendel herumfuchteln, weil ihr Stirn-Chakra ganz anderes verheißt. Vielleicht sollten sie sich für lumpige paar hundert Euro einen Sternenlicht-Therapiestab zulegen, dieser reinigt und klärt neben allen Chakras gleich noch die Aura mit. Verspricht wenigstens ein seriöses Engel-Medium aus Freising, das die Stäbe verkauft und glaubhaft berichtet: "Ich saß in der Badewanne und hörte die Engel in meinem Kopf laut und deutlich sprechen. Sie wollten, dass ich eine Art Heilstab in die stoffliche Welt bringe."

Wahrscheinlich hat die Frau zu heiß gebadet, werden zweifelnde Realisten jetzt sagen. Sie wären deplatziert beim Kongress "Die Übersinnlichen", bei dem am kommenden Wochenende in Taufkirchen Experten zum Thema Intuition und Sensitivität sprechen und mit dem "weltweit bekanntesten Medium" James van Praagh skypen. Aber wer die gemäßigte Esoterik für sinnreich erachtet, sollte sich "Die Orchesterprobe" von Karl Valentin vornehmen. In dem Moment, da er an einen Radfahrer gedacht habe, sei einer an ihm vorübergefahren, berichtet darin das Münchner Original. Das kann kein Zufall gewesen sein.