Kommentar Paukenschlag für Nischenkunst

Die Macher des Jazz-Festivals haben alle Erwartungen übertroffen

Von Anja Blum

Verglichen mit Klassik, Pop oder Rock fristet der Jazz hierzulande ein Nischendasein. Weniger Bühnen, weniger Publikum, weniger Förderung. Die Initiatoren des Ebersberger Festivals jedoch lassen sich von dieser Tatsache kein bisschen beirren. Von der immensen Resonanz der Grafinger Jamsessions beflügelt, haben sie beschlossen, groß zu denken. Also nicht nur ein bisschen mit der Triangel zu klimpern, sondern so richtig auf die Pauke zu hauen. Sich nicht auf die Münchner Szene zu beschränken, nicht einmal auf die deutsche oder europäische, nein: Ihr Blick ist international, kein Star scheint ihnen zu weit weg, kein Aufwand zu groß, keine Idee zu verwegen. Diese Haltung ist an sich schon einmal großartig. Noch viel besser ist aber, dass sie tatsächlich Früchte trägt: Jacob Collier, Al Foster, Enrico Rava, Kenny Washington, Roberta Gambarini, Roy Hargrove, Ignasi Terraza - diese Namen von EBE-JAZZ 17 sprechen schlicht für sich.

Doch um ein derart hochkarätiges Festival auf die Beine zu stellen, schlägt sich die IG Jazz wohl nicht nur mit allerhand erklecklichen Gagenforderungen und komplizierten Tourneeplänen herum, sondern muss auch Hürden beseitigen, von denen wohl kaum ein Zuhörer etwas ahnt. Der eine Künstler braucht einen Spezialtransport für sein Equipment, der nächste sonntags eine Dialyse, für einen anderen muss ganz Ebersberg quasi erdnussfrei gemacht werden - so schlimm ist die Allergie. Doch es lohnt sich: Dank des Engagements vieler Menschen, größtenteils ehrenamtlicher Natur, hat EBE-JAZZ heuer wieder zahllose Gäste glücklich gemacht und für den Jazz begeistert. Auch wenn die Reihe, deren zweite Ausgabe am Sonntag fulminant zu Ende gegangen ist, erst noch zur Tradition werden muss: Sie braucht schon jetzt den Vergleich mit Veranstaltungen wie in Burghausen nicht zu scheuen.

Letztlich kann man die Macher nur loben: Sie haben nicht nur Wort gehalten, sondern erneut alle Erwartungen übertroffen. Haben ein Festival mit den unterschiedlichsten Spielarten des Jazz geboten, von der Bigband bis zum Soloprogramm, von minimalistisch bis bombastisch, traditionell bis experimentell, für Frühaufsteher und Nachteulen, für Kirchgänger, Kneipenbesucher, Kinder. Haben internationale Stars nach Ebersberg gelockt, aber auch dem heimischen Nachwuchs ein bestens bereitetes Podium geboten. "Bei EBE-JAZZ ist alles möglich", sagt einer der Organisatoren und scheint selbst überrascht von den vielen Glücksmomenten, die das Festival auch für seine Macher bereithält. Dieser Erfolg ist es, der beflügelt, der motiviert für das nächste Mal, wenn der Jazz in Ebersberg mit einem Paukenschlag wieder seine Nische verlässt.