Hohenlinden Hohenlindener Shootingstar

Schuss und Tor: 21 Mal konnte sich Marina Frick, hier während des Trainings, in der vergangenen Saison über einen Treffen freuen.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Marina Frick ist zum zweiten Mal Torschützenkönigin in ihrer Liga geworden. Pläne, professionell Fußball zu spielen, hat die 21-Jährige aber nicht

Von Johanna Feckl, Hohenlinden

Nach und nach trudeln sie alle ein, mit Sporttaschen, die Haare sorgfältig zum Dutt oder Pferdeschwanz zurückgebunden und in langen Trainingsanzügen. Es ist erstaunlich kühl für einen Abend im Hochsommer. Während Co-Trainer Georg Frick den Hohenlindener Sportplatz mit allerlei Slalomstangen, Verkehrshütchen, Ringen und Stöcken drapiert, tauschen die Mädls des SV Hohenlinden ihre Trainingsanzüge und Turnschuhe gegen kurze Sporthosen, T-Shirts, Stutzenstrümpfe und Fußballschuhe.

Nur sieben junge Frauen sind an diesem Abend ins Fußballtraining gekommen. Neben dem ohnehin schon recht kleinen Kader sind im August viele Spielerinnen im Urlaub, manche krank, verletzt oder anderweitig verhindert. "Wir wären um jede Verstärkung froh", erzählt Marina Frick aus der Mannschaft. Man merkt ihr an, dass ihr die Frauen-Fußballmannschaft in Hohenlinden wichtig ist. Vor einigen Wochen ist sie Torschützenkönigin der Saison 2014/2015 in ihrer Liga, der A-Klasse 1, geworden. Das gelang ihr bereits in der Saison zuvor. Dieses Mal hat sie mit 21 Treffern sogar noch ein Tor mehr geschossen. Damit erreichte die Mannschaft in der vergangenen Saison den sechsten Rang in ihrer Klasse.

Ihre Begeisterung für den Fußballsport wurde Marina Frick, so könnte man meinen, in die Wiege gelegt. "Ich habe ausschließlich Cousins und einen Bruder. Auf Familienfesten wurde bei uns früher immer Fußball gespielt", erzählt die 21-Jährige. Ihr Bruder ist ebenfalls aktives Mitglied im Hohenlindener Fußballverein und ihr Vater ist seit dieser Saison Co-Trainer der Frauenmannschaft. Über die Gründe für den kleinen Kader aus nur 14 jungen Damen kann Marina Frick lediglich mutmaßen: "Wir haben hier zum einen viele sehr gute Frauenmannschaften in den umliegenden Ortschaften. Und Hohenlinden ist zum anderen natürlich doch recht klein." Einige Male konnte das Team bei Spielen nur zu zehnt oder sogar zu neunt antreten. Zuwachs sei daher jederzeit herzlich willkommen, betont sie. Darin sind sich sie, Trainer Anton Erl, der von allen "Done" genannt wird, Co-Trainer Frick und die übrige Mannschaft einig. "Wenn wir 15 oder 16 Frauen im Kader hätten, das wäre schon super", schätzt Georg Frick.

Mittlerweile stehen alle junge Frauen umgezogen am Rand des Sportplatzes. Ihre Wasserflaschen haben sie verteilt auf zwei breite Holzbänke abgelegt. Es werden Pläne für den kommenden Freitagabend ausgetauscht. Immer wieder hört man lautes Lachen. "Wir sind alle befreundet und unternehmen auch außerhalb des Trainings oft etwas miteinander", verrät Marina Frick. Das enge Verhältnis innerhalb der Mannschaft verstärkt die Vorfreude auf die zwei Trainingstermine pro Woche während der laufenden Saison.

Mit je einem Fußball vor sich her kickend spazieren die Mädchen mit ihrem Co-Trainer quer über den Sportplatz hin zu einem mit vier Verkehrshütchen abgesteckten quadratischen Feld. Dort angekommen beginnen sie mit verschiedenen Aufwärmübungen: lockeres Joggen einmal mit und einmal ohne Fußball, kurze Sprintläufe, Dehnübungen für die Muskeln. Nach zirka 15 Minuten setzt der anstrengende Teil des Trainings ein: Dreimal laufen die jungen Frauen in raschem Tempo durch eine Art Parcours, den Co-Trainer Frick zuvor auf der Hälfte des Sportplatzes aufgebaut hat. Zunächst geht es durch sechs orangefarbene Slalomstangen, mal vorwärts und mal rückwärts. Dann weiter im Slalomlauf erst um gelbe Stöcke herum, die quer auf dem Platz liegend aufgereiht sind, und dann um rot-weiße Verkehrshütchen. Als Letztes liegen kleine Ringe auf dem Boden, die die Mannschaft der Reihe nach mit unterschiedlichen Hüpfvarianten durchqueren muss. Nach diesen konditionellen Strapazen geht das Training über zu paarweisen Passübungen mit dem Fußball. Co-Trainer Frick macht selbstverständlich mit. "Immer auf den Ball schauen", weist er seine Mädls zurecht.

Für Marina Frick ist der Fußball ein passender Ausgleich zum Büroalltag in der Debitorenbuchhaltung. Früher, da habe sie durchaus Möglichkeiten gehabt, ihr Hobby auszubauen und zu professionalisieren. Aber das wollte sie nicht. "Mir geht es rein um die Freude am Fußball", betont die 21-Jährige.