Kastensee Sorge vor der Privatisierung

Das Kastensee-Freibad soll modernisiert werden und braucht dafür mehr Grundstücke - umstritten ist, ob der Landkreis seine Flächen verkauft.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Die Kreis-SPD will den vor Jahren beschlossenen Verkauf von Grundstücken am Kastensee verhindern

Von Wieland Bögel, Ebersberg/Glonn

Auch wenn die Eisheiligen gerade ein wenig die Badefreuden trüben, spätestens mit höheren Temperaturen am Wochenende wird das Interesse an den Badeseen wieder steigen. An einem davon ist auch die Kreis-SPD derzeit sehr interessiert - allerdings nicht, weil die Genossen einen Badeausflug planen. Vielmehr geht es um ein seit mehr als vier Jahren beschlossenes Grundstücksgeschäft am Kastensee, das man nach Meinung der SPD besser wieder absagen sollte.

Das Thema kam das erste Mal kurz vor der Kreistagswahl im Frühjahr 2014 an die Öffentlichkeit. Damals wurde bekannt, dass der Landkreis mit dem Eigentümer des Kastensee-Bades über einen Verkauf von Grundstücken am See verhandelt. Der Badbetreiber argumentierte, er benötige die Flächen für eine Modernisierung des Bades. Zwar kann er die Grundstücke durch einen Pachtvertrag und Dienstbarkeiten mit dem Landkreis nutzen, größere Investitionen wie den Bau eines neuen Gebäudes für das Strandcafé wolle er aber nur auf eigenem Grund umsetzen.

Kritiker sorgen sich, dass das Bad eines Tages geschlossen wird

Bereits damals gab es Kritik aus dem Kreistag an der geplanten Veräußerung. Besonders SPD und Grüne betonten, dass nur durch einen Verbleib der Grundstücke im Besitz des Landkreises das in der bayerischen Verfassung garantierte Zugangsrecht zur Natur, in diesem Fall eben dem See, gewährleistet sei. Auch die Beteuerungen des Bad-Eigentümers, dieses weiterbetreiben zu wollen, beruhigte die Kritiker nicht, sie befürchteten langfristig schädliche Folgen. Etwa, dass das Bad irgendwann geschlossen und verkauft würde und die Grundstücke am See dann zu Bauland würden.

Offenbar ist es dem potenziellen Käufer der Landkreisgrundstücke in den vergangenen vier Jahren nicht gelungen, diese Befürchtungen auszuräumen. Wie SPD-Fraktionssprecher Albert Hingerl nun in einer Anfrage an den Landrat schreibt, sehe er immer noch massive Probleme bei einem Verkauf der Flächen.

Diesem hatte der zuständige Ausschuss des Kreistages - gegen die Stimmen von SPD und Grünen - im April 2014 zwar grundsätzlich zugestimmt, allerdings nur, wenn gewisse Bedingungen erfüllt sind. Eine Sperrung des Seezugangs soll demnach ebenso unterbleiben wie Bauland-Spekulation mit den Landkreisgrundstücken. Außerdem soll der Badebetrieb aufrechterhalten werden.

Laut Hingerl sei der Badbesitzer aber weder bereit, diese Garantien abzugeben, noch als Ausweichlösung die Grundstücke vom Landkreis zu pachten. Er sei "bis dato nicht einmal auf unsere Forderung zur Vermeidung von Grundstücksspekulationen eingegangen", so Hingerl weiter, weshalb es "nicht auszuschließen" sei, dass der Badebetrieb "über kurz oder lang aufgegeben wird und eine Nutzungsänderung mit dem Ziel Wohnen" geplant sei.

Darum fordert die SPD nun, den Verkauf der Seegrundstücke grundsätzlich abzusagen. Stattdessen solle dem Freibadbesitzer "ausschließlich eine Dienstbarkeit für die Nutzung der landkreiseigenen Grundstücke für den Badebetrieb" angeboten werden, aber auch nur unter der Voraussetzung, das "der Landkreis einen freien Zugang zum See" erhalte. Die Entscheidung darüber solle außerdem - anders als alle vorangegangenen zu dem Thema - öffentlich erfolgen.