Endspurt beim EHC Klostersee "Wir wollen Meister werden"

Die bis dato letzte Niederlage der Grafinger datierte vom 8. März 2016 in den Oberliga-Playoffs beim Deggendorfer SC. Am Sonntag waren Marinus Kritzenberger (vorne rechts) und Co. mal wieder fällig.

(Foto: EHCK-TV)

Nach knapp zwei Jahren verliert der EHC Klostersee erstmals wieder ein Eishockey-Spiel. Verteidiger Marinus Kritzenberger über das 1:4 in Pegnitz - und warum die Pleite erst recht für das Saison-Finale motiviert.

Interview von Korbinian Eisenberger

Am Sonntag hat der EHC Klostersee nach knapp zwei Jahren erstmals wieder ein Eishockeyspiel verloren. Bei den Ice Dogs Pegnitz, dem Tabellenzweiten der Liga, setzte es für die Grafinger eine 1:4-Pleite. Im Kampf um den bayerischen Landesliga-Meistertitel wird es deshalb jetzt nochmal eng. Vor den beiden Spielen am Wochenende spricht EHC-Verteidiger Marinus Kritzenberger, 28, am Freitagmittag über das seltene Erlebnis in Pegnitz und was das für's Saisonfinale bedeutet.

SZ: Auf der Webseite der Pegnitzer Ice Dogs war noch am gleichen Abend dieser Satz zu lesen: "Angesichts der drohenden Niederlage attackierten die Grafinger nun auch die Schiedsrichter, wobei Markus Kritzenberger am Rande einer Matchstrafe wandelte." Was war da los, Herr Markus Kritzenberger?

Marinus Kritzenberger: Ich weiß auch nicht, wen die da gemeint haben. Wir haben über diesen Satz schon im Bus gelacht. Es war im letzten Drittel, wir waren 3:1 hinten, als ich die Scheibe vor unserem Tor weggehauen habe. Dann habe ich den rückwärts fahrenden Schiedsrichter am Schlittschuh berührt Er ist auf dem Hintern gelandet und war mir etwas beleidigt. Das als bewusstes Attackieren zu bezeichnen ist aber schon weit hergeholt.

Am Ende war nach zuletzt 54 glatten Siegen die erste Niederlage besiegelt. Warum haben Sie die Ice Dogs nicht zu Hot Dogs gemacht?

(lacht) Man hat gesehen, dass Pegnitz der mit Abstand stärkste Gegner in unserer Gruppe ist. Am Anfang waren wir ein bisschen zu verspielt, letztlich haben wir uns aber an den Pegnitzer Verteidigern die Zähne ausgebissen. An sich ist es keine Schande, wenn man jedes 55. Spiel verliert. Wir sind aber alle sehr enttäuscht, dass unsere Serie gerissen ist.

Der EHC Klostersee ist in jedem Spiel haushoher Favorit, eigentlich ist vorher schon klar, wer gewinnt. Wie motivieren Sie sich da noch?

Teilweise ist das gar nicht so einfach. Es ist vorteilhaft, wenn man vorher eine Kampfansage bekommt. Das gibt es immer wieder. Die Pegnitzer haben zum Beispiel rumgeprahlt, dass sie zu Helden werden können. Leider haben wir trotzdem einen schlechten Tag erwischt.

Sie sind vor knapp drei Jahren nach Grafing gewechselt, damals spielte der EHC noch in der dritthöchsten Liga. Mit den Fanskandalen kam nur Monate später der Absturz in die unterste Spielklasse. Warum sind Sie als erfahrener Zweitligaprofi trotzdem beim EHC geblieben?

Ich wollte ja ohnehin mehr Zeit für mein Studium an der TU in München haben, deswegen bin ich von den Star Bulls Rosenheim weggegangen. Klar, dass ich auf einmal in der Bezirksliga spiele, war sicher nicht der Plan. Aber diese Truppe hat zwei Besonderheiten: Jeder ist mit jedem befreundet, wie bei einem Gauditeam. Und trotzdem ist die Qualität extrem hoch.

Am Sonntag in Schongau (17 Uhr) könnte der EHC mit einem Sieg schon den Aufstieg in die Bayernliga perfekt machen, dafür reicht ja ein Top-drei-Platz. Mit welchem Ziel geht es in den Saisonendspurt?

Unser erstes Ziel, ungeschlagen zu bleiben, haben wir ja jetzt vermasselt. Jetzt, wo der Aufstieg so gut wie sicher ist, wollen wir auf alle Fälle Meister werden.

Bei nur einem Punkt Vorsprung auf Pegnitz müssen Sie die verbleibenden fünf Spiele wohl gewinnen, um das Finale gegen den Ersten der Landesliga Nord-Ost zu erreichen. Da spricht derzeit vieles für Bad Kissingen. Wären das reizvolle Endspiele?

Die Bad Kissinger mit ihren vielen Neuverpflichtungen tönen jetzt schon rum, dass sie den EHC wegputzen werden. Motivation ist da das geringste Problem.

Stichwort Motivation: Auf ihrem Whatsapp-Foto sind Sie mit einem weißen Hund zu sehen. Ihr persönlicher Ice Dog?

(lacht) Das ist mein Husky Nando, mit ihm gehe ich im Sommertraining zum Joggen. Unter dem Fell wird es recht warm, dann ist er eigentlich eher mein persönlicher Hot Dog.

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