Bundesstraße 15 Längst nicht nur Erleichterung

In Emmering und Umgebung reagieren Anwohner und Aktivisten erfreut darauf, dass die neue B 15 nun doch nicht durchs Atteltal führen soll. Dennoch will man den Verantwortlichen weiter kritisch auf die Finger schauen.

Von Georg Reinthaler

Das idyllische Atteltal bei Emmering bleibt nun wohl vom Straßenbau verschont. Doch nicht alle Einwohner trauen den neuen Versprechungen. Foto: Christian Endt

Die neue Trasse der Bundesstraße 15 soll das Atteltal nach massiven Bürgerprotesten nun vollständig verschonen und stattdessen im Landkreis Rosenheim verlaufen. In Emmering wird diese Entscheidung jedoch mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Während die Politiker das seit Jahrzehnten umstrittene Projekt damit endgültig vom Tisch sehen, wollen die Anwohner und Aktivisten auch die neuen Planungen weiterhin kritisch begleiten. Grünen-Kreisrat Max Maier spricht gar von einem Schildbürgerstreich und fordert die Verantwortlichen auf, statt einer neuen Trasse lieber die bestehende B 15 zu ertüchtigen.

"Wenn man die Gesamtzusammenhänge der am Montag vorgestellten neuen Pläne berücksichtigt, dann können wir nicht zufrieden sein", erklärt Kreisrat Max Maier. Zwar solle nun das ökologisch sensible Atteltal auf Emmeringer und Frauenneuhartinger Gebiet verschont werden. Gleichzeitig drohe durch die überarbeitete Trassenführung nun eine Zerstörung von FFH-Schutzgebieten in der Gemeinde Rott im Nachbarlandkreis Rosenheim. Laut Aussage des Präsidenten der Autobahndirektion Südbayern sei die alte Bundesstraße dann künftig mautfrei. Die neue vierspurige Trasse soll nach den Planungen der Bayerischen Staatsregierung jetzt weitgehend entlang der bestehenden B 15 jenseits der Ebersberger Landkreisgrenze verlaufen und nicht unter die Mautbefreiung fallen. "Das bedeutet natürlich, dass die Mautflüchtlinge dann in Zukunft einfach auf die gebührenfreie Nebenfahrbahn ausweichen. Für mich ist das ein Schildbürgerstreich", betont Maier.

Namensvetter und parteiloser Emmeringer Bürgermeister Max Maier sieht die Angelegenheit weit weniger kritisch: "Die aktuelle Planung verschont Emmering. Damit hätten wir ja genau das erreicht, was wir immer wollten." Wenn die "B 15 neu" nun voraussichtlich im Februar ohne die Trassenführung durch das Atteltal zwischen Bruckhof und Schalldorf als Infrastrukturprojekt mit erhöhtem Bedarf für den Bundesverkehrswegeplan 2015 von München nach Berlin weitergeleitet werde, stelle dies eine positive Entwicklung dar. "Was mich besonders freut, ist die Tatsache, dass unser Landrat und unsere Abgeordneten ihre Wahlversprechen offensichtlich auch einhalten." Dennoch werde man seitens der Gemeinde nicht locker lassen und auch weiterhin auf den zugesagten öffentlichen Ortstermin für die Bürger mit einem Vertreter des Bayerischen Innenministeriums beharren.

Aus allen Wolken gefallen ist am Montag die Familie Zacherl aus dem Weiler Saum im Atteltal. Bei einer Realisierung der ursprünglich geplanten Trasse der "B 15 neu" wäre die autobahnähnliche Strecke unmittelbar über die Felder und neben dem Anwesen der Zacherls verlaufen. Für den 16-jährigen Johannes eine Katastrophe. Strebt er doch in den kommenden Jahren nach Ende seiner Ausbildung eine kleine Viehzucht auf genau diesen Flächen in idyllischer Lage fernab jeglicher Hauptstraßen an. Sein Vater Josef begrüßt daher die Entscheidung, das Atteltal und somit auch die Existenz der gesamten Familie zu schützen. "Ich danke den Abgeordneten für ihren Einsatz und hoffe sehr, dass sie in Sachen B 15 neu jetzt auch in den nächsten Monaten standhaft bleiben, sollte von oben herab möglicherweise doch noch einmal Druck ausgeübt werden."

Dass die Abgeordneten Huber und Lenz sowie Landrat Robert Niedergesäß (alle CSU) nun eine B 15-Trasse außerhalb des Atteltals bekannt geben konnten, sei in erster Linie ein Erfolg jener Menschen, die zuletzt so beharrlich Widerstand geleistet hätten, zeigt sich Grünen-Kreisrat Max Maier überzeugt. "Wir sollten uns noch einmal in Erinnerung rufen, dass die Staatsregierung die Aufnahme der B 15 neu mit Trasse durch das Atteltal ja zunächst ohne Wissen der betroffenen Landkreise und Gemeinden beantragt hat." Maier fordert die Politiker auf, die Wünsche von fast 12 000 Unterzeichnern einer Petition ernst zu nehmen und umzusetzen. Diese sieht vor, die bestehende Bundesstraße 15 anstelle des deutlich teureren Baus einer neuen Trasse direkt neben der alten durch die Schaffung von wenigen noch fehlenden Ortsumfahrungen sowie Überholstellen in regelmäßigen Abständen von Landshut bis Rosenheim durchgängig befahrbar zu machen. Um das weitere Vorgehen und die kritische Begleitung der weiteren Entwicklungen zu beraten, will Maier in den kommenden Wochen alle Sprecher der Protestgruppen entlang der Strecke an einen Tisch bringen.

Für Bürgermeister Max Maier spielt das mögliche Ende der nun seit mehr als drei Jahrzehnten schwelenden Diskussion auch eine wichtige Rolle im Kommunalwahlkampf. "Die Bürger wissen genau, wer sich zuletzt aktiv gegen die Trasse durch das Atteltal eingesetzt hat und ich hoffe, dass sie das auch entsprechend honorieren, wenn es beispielsweise um den neuen Gemeinderat geht."