App für Flüchtlinge Helfen mit dem Smartphone

Johannes Ismair aus Markt Schwaben hat mit Kommilitonen eine App programmiert. Mit ihr können Flüchtlinge spielerisch und kostenlos die deutsche Sprache erlernen

Von Johannes Hirschlach, Markt Schwaben/München

Mit dem Antippen einer orangenen Sprechblase, in der "hallo" steht, geht es los. Das Programm auf dem Smartphone öffnet sich und stellt den Nutzer vor die Wahl, entweder deutsche Vokabeln oder Grammatik zu pauken. Wählt man eine der Optionen, führen abwechslungsreiche Spiele durch die Lerneinheiten.

Die App "halloDeutsch", die seit einer Woche kostenlos verfügbar ist, soll Asylbewerbern und Migranten das Deutschlernen erleichtern. Entwickelt hat die Software der Informatikstudent Johannes Ismair aus Markt Schwaben - zusammen mit zwei Kommilitonen der TU München. Das Projekt, Ismairs Bachelorarbeit, gehe auf eine Idee seines Professors Rudolf Bayer zurück, sagt der 22-Jährige. Die Quintessenz der Anwendung liege eigentlich gar nicht in der Idee, Asylbewerbern eine digitale Lernstütze zu bieten. Stattdessen gehe es um eine ganz konkrete Problemstellung der Informatik: "Wie kann ich grammatikalisch und semantisch richtige deutsche Sätze automatisiert erzeugen?", beschreibt Ismair den Ansatz seiner Arbeit. Der Ideengeber des Projekts, Rudolf Bayer, erklärt den Sachverhalt anhand einer Kartoffel: Zwar könne ein Satz grammatikalisch richtig sein, wenn man Subjekt, Verb und Objekt richtig verknüpfe. Jedoch ergebe nur eine gewisser Wort-Pool Sinn im Zusammenhang mit einer Kartoffel. Sie könne gekauft, geschält und gegessen werden. Autofahren könne sie dagegen nicht. Zur Problemlösung hatte Bayer im vergangenen Jahr ein Konzept entwickelt und mit Ismair und zwei weiteren Studenten ein Team für das Projekt gefunden. Parallel zu Bayers ersten Ideen kam es im Spätsommer 2015 zur Flüchtlingskrise. Das habe ihm den Anstoß gegeben, "zu überlegen, was es braucht, um Leute zu integrieren", sagt Bayer. Dabei laufe vieles über die Sprache - der Grundstein für die Lernapp "halloDeutsch" war damit gesetzt.

Vokabeln und Grammatik für den Alltagsgebrauch lernen die Nutzer der "halloDeutsch"-App.

(Foto: privat)

In der Umsetzung überprüften die Entwickler um Ismair, der nach Bayers Skizzierung das Grundsystem programmierte, immer wieder die Tauglichkeit für Asylbewerber. So sei es eine wichtige Grundvoraussetzung gewesen, dass die App auch ohne Internetverbindung funktioniere, sagt Ismair - denn diese sei in Flüchtlingsunterkünften nicht immer gewährleistet. Als Basis-Sprachen stehen bislang Englisch, Französisch, Arabisch und Farsi zur Verfügung. Dabei kam Ismair dessen familiärer Hintergrund zugute. Mutter Bettina Ismair ist die Gründerin der vielfach ausgezeichneten "Initiative Offenes Haus - Offenes Herz", das sich der Integration von Migrantenkindern widmet. Über diese Kontakte konnte Johannes Ismair eine Arabisch-Übersetzerin für seine Arbeit gewinnen.

Johannes Ismair hat die App gemeinsam mit seinen Kommilitonen entwickelt.

(Foto: Simon Ismair; privat)

Die Bedienung der App selbst ist kinderleicht, soll aber auch Erwachsenen Spaß am Lernen bereiten. Mit eingeblendeten Bildern lassen sich Vokabeln leichter merken. In Spielen müssen Nutzer die richtigen Wörter in zufällig generierte, aber völlig korrekte Sätze einfügen. Das von Bayer erdachte System funktioniert demnach. Gut 700 Wörter seien aktuell eingespeichert, sagt Ismair, "damit kann die Software über 50 000 verschiedene Sätze generieren." Das verschaffe der App einen Vorteil gegenüber herkömmlichen Lernprogrammen, betont Bayer. Dort müsse ein Mitarbeiter alle Wortkonstruktionen händisch eingeben.

Ismairs Kommilitone, Robin Jespersen, hat das Programm für Android-Handys adaptiert, Kollege Yaroslav Dushko bastelt derzeit an einer Version für das iPhone. Über Werbung und Kontakte zu Flüchtlingshelferkreisen will das Entwicklerquartett bald mehrere tausend Downloads erreichen. "halloDeutsch" soll dabei kostenlos bleiben. Für die Vermarkung hat das Team ein Startup gegründet. Das erste Feedback ist immerhin bereits positiv: "Wir haben schon in die Zahlen reingeschnuppert", sagt Ismair. Demnach verbringe der Nutzer viel Zeit in der App. "Das muss ja was heißen", sagt er und lacht. Zudem habe der Student seinen Freunden eine Version von "halloDeutsch" zum Testen gegeben: "Und selbst die hatten als deutsche Muttersprachler Spaß beim Durchklicken!"