Abzug nach Poing Zwei Polizisten bleiben übrig

Die Vaterstettener Station wird zu einer Wache herabgestuft.

Von Wieland Bögel

- Wer in der Großgemeinde Vaterstetten Opfer eines Verbrechens wurde, hatte bisher nur kurze Wege, um sich polizeilichen Beistand zu holen. Seit 24 Jahren gibt es die Polizeistation hinter dem Rathaus, die den Bürgern 80 Stunden in der Woche offen steht. Doch mit dem ersten Januar kommenden Jahres werden die Sprechzeiten dort deutlich reduziert, genau wie die Belegschaft: Acht von zehn bisher in Vaterstetten stationierte Beamte werden dann in Poing Dienst tun.

Für Walter Kimmelzwinger, den Präsidenten des zuständigen Polizeipräsidiums Oberbayern Nord, ist die Herabstufung der Station zu einer Wache sogar von Vorteil für die Bürger. Zwar sind die Beamten ab Januar in Vaterstetten nur noch 34 Stunden pro Woche persönlich zu erreichen, trotzdem bedeute die geplante Umstrukturierung ein Mehr an Sicherheit für die Bewohner Vaterstettens, aber auch für die Zornedinger und Poinger. Denn dadurch, dass acht Polizisten aus Vaterstetten in Poing arbeiteten, habe die dortige Inspektion mit dann 55 Beamten endlich genügend Leute, um die Streifenfahrten durch den nördlichen und westlichen Landkreis auszuweiten, so Kimmelzwinger am Montag bei der Vorstellung der Pläne im Rathaus Vaterstetten. Bislang sei es nachts oft nicht möglich, dass mehr als eine Streife unterwegs sei. Durch die Verstärkung aus Vaterstetten und zehn weitere zusätzliche Stellen, die in Poing bis 2014 geschaffen werden sollen, könne man ständig zwei Streifenwagen auf Patrouille schicken.

Das diene nicht nur den Bürgern, pflichtete der Leiter der Poinger Inspektion, Helmut Hintereder seinem Präsidenten bei, sondern auch der Sicherheit der Beamten. Auch die Arbeitsbelastung könne durch die Fusion mit Poing zurückgehen, meinte Hintereder. Ein bisschen wehmütig zeigte sich Peter Wagner, der Leiter der Vaterstettener Station. Er habe sich in Vaterstetten immer sehr wohl gefühlt, seit er 2010 die Station übernommen hatte: "Ich dachte, das dauert länger." Besonders das Miteinander zwischen Polizei, Bürgern und Gemeinde habe stets gut funktioniert, "aber ich bin überzeugt, das geht auch von Poing". Ob er damit Recht behält, wird Wagner selbst nicht überprüfen können, er arbeitet künftig in der Inspektion Ebersberg.

Mehr als wehmütig war Vaterstettens Bürgermeister Robert Niedergesäß (CSU). Die Herabstufung der Station zur Wache sei "alles andere als erfreulich, seitens der Gemeinde kann das nicht positiv gesehen werden". Was den Bürgermeister besonders verstimmt, ist, dass er noch vor fünf Jahren eine Zusage des damaligen bayerischen Innenministers Günther Beckstein (CSU) erhalten habe, worin dieser versicherte, die Station Vaterstetten bliebe erhalten. "Wir gingen deshalb immer davon aus, dass wir eine neue Lösung finden werden." Um so erstaunter sei man darum gewesen, als es im Frühjahr diesen Jahres hieß, die Station werde ersatzlos geschlossen. "Das Ergebnis wäre eine Null-Präsenz gewesen", sagte Niedergesäß. Um dies zu verhindern, hatte die Gemeinde bei Innenminister Joachim Herrmann interveniert, auch die frühere stellvertretende Ministerpräsidentin Christa Stewens hatte sich dem Appell um einen Erhalt der Station angeschlossen. In Juni trafen sich der Bürgermeister, Innenminister Herrmann und Stewens zu einem Gespräch. Dieses war teilweise erfolgreich: "Wir konnten erreichen, dass der Standort zumindest als Wache erhalten bleibt", so Niedergesäß.

Diese wird bis auf weiteres in den bestehenden Containern der Station eingerichtet. Zwei Beamte sollen dort Dienst tun. Geöffnet ist die Wache montags und mittwochs von 7 bis 13 Uhr, dienstags und freitags von 13 bis 19 Uhr, am Donnerstag von 9 bis 19 Uhr. Bei den Öffnungszeiten orientiere man sich einerseits an den Zeiten für den Schichtdienst der Beamten, so Kimmelzwinger, aber auch an "den bisherigen polizeilichen Erfahrungen". Neue Diensträume wolle man nicht zur Verfügung stellen, erklärte Kimmelzwinger. Dies würde bis zu 1,5 Millionen Euro kosten. "Eine Investition, die man dem Steuerzahler nicht zumuten kann." In einigen Jahren, wenn das Ortszentrum gebaut wird, könnte die Wache ins neue Rathaus umziehen.