Drogenmissbrauch auf den Uni-Toiletten LMU wehrt sich gegen Junkies

An der LMU fühlen sich Mitarbeiter und Studenten von Drogensüchtigen bedroht. Auf den Toiletten wurden benutzte Spritzen und Blutspuren entdeckt. Nun hat die Verwaltung "Nutzungshinweise" in ihren Toiletten ausgehängt, um Junkies zu vertreiben.

Von Sebastian Krass

Der Tonfall des Schreibens ist deutlich. Und er führte an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) zu einigen Irritationen. An Türen von Toiletten hängt seit Kurzem ein "Nutzungshinweis", dort platziert vom LMU-Referat IV.2, der Hausverwaltung Stammgelände. "Der Aufenthalt in den Toilettenanlagen ist nur zum Zwecke der Verrichtung der Notdurft gestattet", heißt es da. Und weiter: "Bei darüber hinaus gehendem unbefugten Verweilen wird ab sofort, ohne Ausnahme, Strafantrag wegen Hausfriedensbruch gestellt!" Schnell meldeten sich im Internet Stimmen zu Wort, die der LMU "Zynismus" im Umgang mit Obdachlosen unterstellten, auch von der "Sittenpolizei LMU" war die Rede.

Mit in den Toiletten ausgehängten "Nutzungshinweisen" will die LMU Drogensüchtige abschrecken.

(Foto: dapd)

Doch diesen Vorwürfen widerspricht Uni-Sprecherin Luise Dirscherl vehement. Das Schreiben habe einen ernsten Hintergrund. "Bei der Verwaltung sind Beschwerden von Mitarbeitern und Studenten eingegangen, die sich bedroht fühlten, weil es auf den Toiletten Drogenmissbrauch gab." Benutzte Spritzen und Blutspuren seien entdeckt worden. Daraufhin habe die Verwaltung die Polizei um Rat gebeten, und die habe zu solchen Aushängen geraten. Schließlich sind Uni-Gebäude öffentlich zugänglich und Einlasskontrollen weder finanziell machbar noch gewollt. "Der Text sollte scharf formuliert sein, weil er sonst nicht abschreckend wirkt", erklärt die Sprecherin. Die Probleme seien insbesondere in den Sanitäranlagen aufgetreten, die nahe an den Ausgängen der U-Bahn-Stationen Universität und Giselastraße liegen.

Auch in allen öffentlichen Toiletten, die von der Stadt oder den Stadtwerken betrieben werden, hängen vergleichbar formulierte Warnungen. "Wer die Hintergründe nicht kennt, mag den Text befremdlich finden", erklärt eine Sprecherin des Kommunalreferats. "Aber wir möchten damit deutlich machen, dass die Stadt notfalls auch von ihrem Hausrecht Gebrauch macht, wenn Personen die Toiletten anderweitig nutzen."

Dieses Hausrecht lässt sich aber nur geltend machen, wenn die Personen in flagranti erwischt werden - was allenfalls in Ausnahmefällen gelingt, weil die Polizei nicht ständig vor den Toiletten patrouillieren kann und die Kosten für eine vergleichbare Überwachung durch private Sicherheitsdienste zu hoch wären. Es gibt noch einen anderen Weg, Drogenkonsum auf Toiletten zu verhindern, zumindest den Konsum mit Spritzen: UV-A-Strahlung, im Volksmund Schwarzlicht, obwohl es ein kühles Blau ist. Wenn Räume damit erhellt werden, sind die Venen nicht zu erkennen und somit ist die Injektion nicht möglich. Betreiber von Diskotheken, Schnellrestaurants und Autobahntoiletten greifen darauf zurück.

So schlimm, dass das nötig wäre, geht es aber im Münchner Uni-Viertel bei Weitem nicht zu. Es habe dort in jüngerer Vergangenheit keine Anzeigen wegen Hausfriedensbruchs durch Drogenkonsumenten gegeben, erklärt die Polizei. Und in der LMU-Verwaltung hat man den Eindruck, dass die Situation sich schon gebessert habe, dass die Abschreckung per Aushang funktioniere.