Designierter Gesundheitsreferent Sympathie für radikale Abtreibungsgegner

Der ÖDP-Politiker Markus Hollemann ist der Favorit der CSU.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Markus Hollemann ist der Favorit der CSU für das Amt des Gesundheitsreferenten in München.
  • Der ÖDP-Politiker sympathisiert mit radikalen Abtreibungsgegnern und ist Mitglied der "Aktion Lebensrecht für alle".
  • Im Rathaus sorgt dies für Irritationen, da Hollemann als Gesundheitsreferent auch für die Schwangerenberatung zuständig wäre.
Von Dominik Hutter und Josef Kelnberger

Wer abtreibt, begünstigt auch Euthanasie sowie die Forschung an widerstandsunfähigen Menschen; und als Familie darf nur anerkannt werden, was auf der Ehe zwischen Mann und Frau aufbaut: Es sind Sätze wie diese, die die radikalen Abtreibungsgegner von der "Aktion Lebensrecht für alle" in Misskredit gebracht haben. Beim "Marsch für das Leben", den der Dachverband der Organisation schon mehrmals in Berlin veranstaltet hat, haben im vergangenen Herbst etwa 1000 Gegendemonstranten gegen das reaktionäre Familienbild der selbsternannten Lebensschützer demonstriert. Nun ist das Thema auch im Münchner Rathaus angekommen: Markus Hollemann, den der Stadtrat an diesem Mittwoch zum neuen Umwelt- und Gesundheitsreferenten wählen soll, ist Mitglied der "Aktion Lebensrecht".

"Ganz wohl ist mir nicht dabei", das war am Dienstag im Rathaus zu hören, und Bürgermeister Josef Schmid (CSU) räumte auf Anfrage ein, von Hollemanns Sympathie für die radikalen Abtreibungsgegner bislang nichts gewusst zu haben. Grünen-Stadträtin Lydia Dietrich zeigt sich entsetzt: "Ich bin sehr beunruhigt, dass Hollemann diesen Verein unterstützt." Immerhin gehöre zum Gesundheitsreferat auch eine Schwangerenberatungsstelle. "Ich kann mir nicht vorstellen, wie das miteinander vereinbar ist." Auch Marcus Buschmüller von der Münchner Fachinformationsstelle Rechtsextremismus warnt vor der "Aktion Lebensrecht". Die Übergänge zu christlichem Fundamentalismus und rechtsgerichtetem Antifeminismus seien fließend, sagt er. So sei die stellvertretende Aktions-Vorsitzende Alexandra Linder im April 2010 in München zusammen mit der "ultrarechten homosexuellenfeindlichen Autorin" Christa Meves aufgetreten.

Hollemann gibt sich zugeknöpft

Der ÖDP-Politiker Markus Hollemann ist der Favorit der CSU.

(Foto: Stephan Rumpf)

Auf ihrer Internetseite bietet die "Aktion Lebensrecht" einen Link zu den Kollegen vom ebenfalls umstrittenen Verein "Lebenszentrum - Helfer für Gottes kostbare Kinder", die in München wegen einer rabiaten Demonstration vor einer Abtreibungspraxis bereits 1500 Euro Zwangsgeld zahlen mussten. Die Aktivisten hatten Patientinnen, die gerade in die Praxis gingen, das Plastikmodell eines Fötus vorgehalten, zusätzlich agierte ein Demonstrant als "stiller Beter" für das Ungeborene. Auf ihrer Internetseite bietet die Gruppierung einen Link zu weiterführenden Informationen über Abtreibung und Sterbehilfe an: Der führt wiederum zur "Aktion Lebensrecht".

Hollemann selbst gibt sich auf Nachfrage zugeknöpft und bestätigt lediglich seine Mitgliedschaft. "Meine Aufgabe ist Verwaltung", beteuert der 42-Jährige, den die CSU als ihren Kandidaten für das Amt des Umwelt- und Gesundheitsreferenten nominiert hat. Entscheidungen etwa über Zuschüsse fälle ohnehin der Stadtrat. Aus seiner sehr christlichen und wertkonservativen Grundhaltung macht er keinen Hehl. Auf seiner Homepage ist von der Rückkehr zu "christlich-abendländischen Werten" und von "echtem Lebensschutz" die Rede. Und davon, dass der ÖDP-Mann am liebsten im Gottesdienst beim Lobpreis singt.

Kritik an Nominierung

Hollemanns Auftritt bei der Bewerberrunde für das Spitzenamt vergangene Woche wird im Rathaus sehr unterschiedlich bewertet. Während Bürgermeister Schmid von der Kommunikationsfähigkeit des Kandidaten und seinen fundierten Aussagen zu den Themen Luftreinhaltung und Elektromobilität schwärmt, halten Teile der Opposition, aber auch der SPD, die Bewerbung für missglückt. Völlig inhaltsarm habe sich Hollemann präsentiert, erklärt eine Stadträtin, die in der nicht-öffentlichen Sitzung dabei war. Eine "Katastrophe" sei das gewesen. In der schwarz-roten Rathauskoalition steht der CSU das Vorschlagsrecht zu.

Sollte Hollemann gewählt werden und sein derzeitiges Amt als Bürgermeister der badischen Gemeinde Denzlingen aufgeben, wäre man dort wohl nicht allzu traurig. In dem Ort ist die Rede von verbrannter Erde, die Hollemann zurücklasse, von mangelndem Durchsetzungsvermögen und Schwierigkeiten mit den Gemeinderäten. "Das wäre eine Chance für einen Neuanfang" in Denzlingen, sagt etwa die Chefin der dortigen Grünen-Fraktion, Silke Höfflin.