Dachauer Straße Neuer Standort für Islam-Zentrum

Mit dem reservierten Grundstück dürfte die Sponsorensuche für ihn einfacher werden: Imam Idriz.

(Foto: Manfred Neubauer)

Die Stadt München bietet Imam Idriz zwei Grundstücke im künftigen Kreativquartier an der Dachauer Straße an. Der muss nun einen Geldgeber für das Islam-Zentrum finden. Zu Diskussionen dürfte die Frage des Hauptsponsors führen.

Von Bernd Kastner

Die Pläne für eine repräsentative Moschee in München werden deutlich konkreter. Die Stadt hat Imam Benjamin Idriz und dessen Münchner Forum für Islam (MFI) zwei mögliche Grundstücke im künftigen Kreativquartier an der Dachauer Straße angeboten. Noch in diesem Jahr soll Idriz nach dem Willen der Stadt eine Finanzierung nachweisen, um das vorläufig reservierte Grundstück auch tatsächlich zu bekommen. In wenigen Wochen will Idriz deshalb eine groß angelegte Spendenaktion starten und sich zugleich um Geldgeber im arabischen Raum bemühen. Allein das Grundstück dürfte rund zehn Millionen Euro kosten.

Kurz vor Ostern, in den letzten Amtstagen von Oberbürgermeister Christian Ude, kam es zu einer Art Gipfeltreffen vor Ort: Idriz schaute sich mit einer von Ude angeführten städtischen Delegation - dabei waren unter anderem Kulturreferent Hans-Georg Küppers und Kommunalreferent Axel Markwardt - mögliche Flächen für eine Moschee an. Idriz zeigt große Sympathie für die Adresse Dachauer Straße 110, wo derzeit noch Gebäude der Stadtentwässerung stehen.

Alternativ wurde auch eine Fläche einige Meter weiter an der Ecke zur Schwere-Reiter-Straße angeboten. Beide Grundstücke sind etwa 3000 Quadratmeter groß. Das MFI soll neben einer repräsentativen Moschee diverse andere muslimische Einrichtungen umfassen, darunter ein Gemeindezentrum, ein Museum und eine Akademie zur Imamausbildung; auch Platz für Läden soll entstehen, um mit Mieteinnahmen den Unterhalt zu finanzieren.

Der endgültige Durchbruch für das seit Jahren diskutierte Projekt ist die Abmachung zwischen Stadt und Idriz zwar noch nicht, aber ein wichtiger und auch symbolträchtiger Schritt dorthin. Dies auch vor dem Hintergrund, dass sich Ude und Idriz kurz vor der Kommunalwahl in die Haare geraten waren: Der Imam hatte Ude in einem SZ-Interview mangelndes Engagement für die Moschee vorgehalten, was Ude verärgert zurückwies. Nun arbeiten MFI und Stadt offenbar zusammen, und Idriz lobt Ude: "Er hat Wort gehalten. Er hat sich stark eingesetzt." Über Jahre waren die Moschee-Planungen kaum vorangekommen, weil die Stadt vor der definitiven Grundstücksvergabe eine sichere Finanzierung verlangt.

Idriz wiederum argumentiert, dass er erst mit einer konkreten Fläche eine Chance habe, am Persischen Golf einen Sponsor zu finden. Das Emirat von Katar hat laut Idriz signalisiert, den Bau zu unterstützen, es gilt als wahrscheinlichster unter den möglichen Geldgebern. Idriz will aber auch in anderen Emiraten für sein Projekt werben. Dabei betont er immer wieder, dass kein Sponsor Einfluss auf die Arbeit des MFI nehmen dürfe.

Beide Flächen sind etwa 3000 Quadratmeter groß

Mit dem reservierten Grundstück dürfte die Sponsorensuche nun einfacher werden. Parallel will Idriz in München und bundesweit eine große Spendenkampagne starten, ansprechen will er Bürger und Firmen, aber auch finanzkräftige arabische Touristen, die im Sommer in großer Zahl an die Isar reisen. Mit 2500 Euro könne jeder einen Quadratmeter Moschee-Grund spendieren. Mitte Mai will der MFI-Vorstand intern diskutieren und sich dann auf eines der möglichen Grundstücke festlegen. Idriz wäre die Dachauer Straße 110 lieb, da daneben ein kleiner Park in dem Neubaugebiet entstehen soll. In Gesprächen mit der Stadt wolle er erreichen, etwas mehr als die jetzt rund 3000 angebotenen Quadratmeter zu bekommen.

Wenn der Stadtverwaltung ein Finanzierungsplan vorliegt, wolle das Kommunalreferat laut einem Sprecher dem Stadtrat einen sogenannten Optionsvertrag mit dem MFI vorschlagen, der beide Seiten stark binden würde. Der bisherige Stadtrat hat sich 2010 für das Projekt ausgesprochen. Diese Haltung dürfte sich grundsätzlich kaum ändern, zumal das lange diskutierte, aber umstrittene Grundstück in der Nähe des Stachus vom Tisch ist.

Zu Diskussionen dürfte aber die Frage des Hauptsponsors führen: Die grüne OB-Kandidatin Sabine Nallinger etwa sprach sich vor kurzem zwar klar für das Projekt aus, äußerte aber große Bedenken gegen Katar, das wegen Menschenrechtsverletzungen international in der Kritik steht.