Zeitzeugengespräch Holocaust-Überlebende Ruth Melcer erzählt

Ruth Melcer kommt zu einem Zeitzeugengespräch nach Dachau.

(Foto: Stefan Rumpf)

Zum 73. Jahrestag ihrer Befreiung durch die Rote Armee im KZ Auschwitz kommt Ruth Melcer erstmals zu einem Zeitzeugengespräch nach Dachau. Am Donnerstag, 8. Februar, spricht sie im Karmelitinnenkloster auf dem früheren Gelände des Konzentrationslagers über ihre schwere Kindheit im Ghetto und im KZ, über ihre Rettung und ihr Leben nach der Befreiung. Beginn ist um 19.30 Uhr.

Ruth Melcer verbrachte ihre ersten Lebensjahre im polnischen Tomaszów Mazowiecki. Als die Deutschen 1939 ihre Heimatstadt besetzten, war sie vier Jahre alt, ihr Bruder Mirek zweieinhalb. 1942 musste die Familie ins Ghetto umziehen, nach dessen Auflösung kam sie ins Zwangsarbeitslager Bliżyn, wo der jüngere Bruder 1943 ermordet wurde. 1944 wurde die Familie nach Auschwitz deportiert und auseinandergerissen. Dass Ruth überlebt hat, gleicht einem Wunder. Eine Mitgefangene nahm das Kind in ihre Obhut, gab ihr zusätzliches Essen und versteckte sie vor Josef Mengele, der Kinder für seine menschenverachtenden Experimente suchte.

Die Befreiung am 27. Januar 1945 erlebte die neunjährige Ruth auf sich allein gestellt. Doch in Tomaszów Mazowiecki traf sie einige Monate später erst die Mutter und dann auch den Vater wieder. Nach dem Pogrom von Kielce am 4. Juli 1946 beschloss die Familie, Polen zu verlassen. Zunächst lebte die Familie in Berlin in einem Lager für Holocaust-Überlebende, von 1948 an in München. "Ich hatte eine wunderschöne Kindheit", sagt Ruth Melcer, "ab zehn." Pfarrer Björn Mensing moderiert das Zeitzeugengespräch. Musikalisch wird der Abend mit Werken von Josef Myslivecek, Astor Piazzolla, Robert Schumann und Mark Warschawskyj sowie mit traditioneller Klezmer-Musik gestaltet. Es spielt das Kammermusikensemble aus der 10. bis 12. Jahrgangsstufe des Dachauer Ignaz-Taschner-Gymnasiums unter Leitung von Jutta Wörther (Viola): Anna Helfer, Julia Neumann, Eva Reisky und Miriam Verweyen (Violine) sowie Rebecca Desaga (Querflöte) und Michael Burkner (Fagott).