Symbol für die europäische Gemeinschaft Eine Dachauer Linde in Oświęcim

Oberbürgermeister Hartmann pflanzt einen Baum in der "Allee der Erinnerung" und vertieft die 30 Jahre alte Freundschaft mit der polnischen Stadt

Von Helmut Zeller, Dachau/Oświęcim

Dachau ist nach dem spanischen Guernica die zweite Stadt, die in der "Allee der Bäume der Erinnerung" in Oświęcim einen Baum gepflanzt hat. Bäume aus 15 weiteren Städten werden noch folgen, wie Janusz Chwierut, Bürgermeister von Oświęcim, erklärte. Im Zasole Park, in direkter Nachbarschaft zur KZ-Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau, erinnert die Allee an die grausamen Verbrechen der Nationalsozialisten. Dachaus Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) sagte bei dem feierlichen Akt: Die Pflanzung der Linde aus Dachau sei ebenso wie die Freundschaft zwischen den Städten Oświęcim und Dachau ein "Symbol für die Völkerverständigung, für die europäische Gemeinschaft und die gemeinschaftliche Erinnerungsarbeit".

Oberbürgermeister Florian Hartmann pflanzte auch eine Linde vor dem Waisenhaus in Żmiąca, einem kleinen Dorf südöstlich von Krakau.

(Foto: OH)

Eine mehrköpfige Delegation war aus Dachau nach Polen gereist. Dazu gehörten neben dem Oberbürgermeister Hartmann Bürgermeister Kai Kühnel (Bündnis für Dachau) und Zeitgeschichtsreferent Günter Heinritz (SPD). Sie nahmen eine Klasse der Mittelschule an der Anton-Günther-Straße mit. Hartmann und seine Begleiter sehen in der Einladung von Bürgermeister Janusz Chwierut eine besondere Ehre. Bisher hat nur Guernica in der polnischen, ungefähr 40 000 Einwohner zählenden Stadt einen Baum gepflanzt. Guernica wurde 1937 von der deutschen Legion Condor bei Luftangriffen völlig zerstört - Pablo Picassos Monumentalgemälde Guernica erinnert an den Schrecken des Bombardements und gilt als eine der beeindruckendsten Anklagen gegen den Krieg. Die Linde aus Dachau, ähnlich der am Widerstandsplatz in der Altstadt, ist nun Teil des Projekts "Allee der Bäume der Erinnerung" geworden.

Ruckteschell-Stipendiatin Brigitte Briga Dajczer gab ein Konzert im Café Bergson im ehemaligen jüdischen Viertel von Oświęcim.

(Foto: Tanja Jørgensen)

Dachau war von 1933 bis zur Befreiung am 29. April 1945 Standort des Konzentrationslagers, das als Modell für alle weiteren Nazi-Lager in Europa diente. Mehr als 200 000 Menschen aus ganz Europa waren in dem KZ und seinen Außenlagern gefangen, mehr als 41 500 Häftlinge überlebten nicht.

In ihrer gemeinsamen Ansprache betonten die Schülerinnen und Schüler aus beiden Städten ihr "Nein zu Intoleranz, Diskriminierung und Einschränkung der Freiheit" und erteilten jeder Instrumentalisierung der Geschichte für politische Zwecke eine klare Absage. "Wir, die junge Generation der Polen und der Deutschen, wollen, dass die Geschichte ein Lehrer des Lebens sein wird - nur das und nicht mehr." In der Internationalen Jugendbegegnungsstätte nahmen die Dachauer Schüler und Kommunalpolitiker an Workshops teil, die sich dem interkommunalen Austausch und Fragen der Menschenrechte widmeten.

Janusz Chwierut (links) und sein Dachauer Bürgermeisterkollege Florian Hartmann in der "Allee der Bäume der Erinnerung" in Oświęcim.

(Foto: Tanja Jørgensen)

Die Dachauer Kommunalpolitiker nutzten den Besuch in Oświęcim auch dazu, die seit mehr als drei Jahrzehnten bestehenden Kontakte zwischen den beiden Städten zu vertiefen und zu würdigen. Die Freundschaft wird vor allem von Bürgern und Künstlern auf beiden Seiten getragen. Es waren auch Künstler aus Dachau und Oświęcim, die mit Unterstützung des damaligen Landrats Hansjörg Christmann (CSU) die freundschaftlichen Beziehungen begründeten. Zu einer offiziellen Partnerstadt, wiewohl von polnischer Seite gewünscht, kam es jedoch nie. Oświęcim hat eine Partnerschaft mit zwei deutschen Städten, Kerpen und Breisach. Im August 2015 hat der Landkreis Dachau eine formelle Partnerschaft mit dem Landkreis Oświęcim geschlossen.

Die Ruckteschell-Stipendiatin Brigitte Briga Dajczer, eine Musikerin aus Kanada, gab ein Konzert im Café Bergson im ehemaligen jüdischen Viertel von Oświęcim. Vor dem Zweiten Weltkrieg lebten etwa 12 000 Menschen in Oświęcim, darunter etwa 7000 Juden. Sie wurden in Auschwitz und anderen Lagern ermordet.

Die Dachauer Delegation reiste auch ins südlich von Krakau gelegene Dorf Żmiąca. Sie pflanzte am dortigen Waisenhaus ebenfalls eine Linde. Das Waisenhaus beherbergt 35 Kinder und wird seit 30 Jahren von dem Dachauer Johann Hechendorfer und seinem Arbeitskreis Umweltschutz und Entwicklungshilfe unterstützt, der unter anderem auf den Wertstoffhöfen des Landkreises Dachau aufgestellten Altkleider- und Schuhsammelcontainer betreibt. Die Erlöse aus der Vermarktung der Kleider- und Schuhspenden fließen in soziale Projekte wie das Waisenhaus in Żmiąca. Außerdem werden in Krakau ein Soforthilfezentrum für Kinder in Not sowie ein Wohnprojekt für Jugendliche unterstützt.