Mitten in Dachau Die Wahrheit im richtigen Moment

Betrunkene reden immer die Wahrheit. Das konnte nun auch die Dachauer Polizei feststellen. Sie traf auf einen besonders ehrlichen Mann

Kolumne von Viktoria Großmann

Dinge, die man nicht tun sollte: In einem Hotel einem Mitarbeiter die Brieftasche vom Tresen stehlen, wenn einen Kameras filmen - und auch sonst sollte man das dringend unterlassen. Sich so sehr betrinken, dass man nicht mehr weiß, was man tut. Was man tun sollte: Die Wahrheit sagen. Aber sich eventuell vorher genau überlegen, wann und zu wem.

Ein Hotelgast aus Halle an der Saale - das liegt in Sachsen-Anhalt - wurde Samstagnacht in Dachau auf die Straße gesetzt, nachdem ihn die Kameras im Foyer des Hotels dabei gefilmt hatten, wie er den Geldbeutel eines Angestellten an sich nahm, den dieser nur kurz auf dem Tresen liegen gelassen hatte. Die Polizei fand das Portemonnaie mit dem gesamten Inhalt im Hotelzimmer. Wenn nur jeder Dieb so wenig nachdenken würde. Der 42-jährige Hallenser bekommt eine Strafanzeige und musste sich mitten in der Nacht, es war schon nach 23 Uhr, eine andere Bleibe suchen. Dass er auf den Geldbeutel nur aufpassen wollte, hat er den Polizisten wohl nicht weismachen können.

Überaus ehrlich, aber nicht überaus klug, verhielt sich ein 35-jähriger Fahrradfahrer am Sonntagabend. Gegen 19 Uhr hielt er in Dachau einen Streifenwagen an, indem er, wie die Polizei mitteilt "mit beiden Armen deutlich winkte". Der Mann teilte sodann den Polizisten mit, dass er erheblich betrunken sei. Er bestand auf einem Atemalkoholtest. Das ist eigentlich der Part der Polizei. Doch sie kam dem Wunsch des Dachauers nach und stellte erstaunliche 2,62 Promille fest. Die Blutentnahme musste sich der Radfahrer dann nicht mehr wünschen, die wurde angeordnet. Für seine Ehrlichkeit erhält der Mann nun eine Strafanzeige wegen Verdacht auf Trunkenheit im Verkehr. Wobei ihm zugute gehalten werden sollte, dass sein Fahrrad bereits stand. Er hätte natürlich auch einfach nach Hause gehen - nicht fahren - können. Aber dazu war er offensichtlich zu betrunken.