Kommentar Führungswechsel ohne Perspektive

Angesichts des schnellen Abgangs des derzeitigen Geschäftsführer der Amperkliniken erscheint die Berliner Personalpolitik allzu kurzsichtig

Von Wolfgang Eitler

Die Spekulationen über den Weggang von Geschäftsführer Christoph Engelbrecht wegen wirtschaftlichen Misserfolgs sind müßig, weil die Helios Amperklinikum AG bald ihre aktuellen Zahlen vorlegen muss. Es wäre eine große Überraschung, wenn anderes herauskäme, als Landrat Stefan Löwl (CSU) optimistisch verkündet. Der leise Triumph zwischen den Zeilen des anonymen Briefs der selbst ernannten "Gruppe der Entkräfteten" über Engelbrechts Abschied ist zwar verständlich. Aber wer kann sich ernsthaft wünschen, dass die Kliniken in Dachau und Markt Indersdorf tatsächlich wirtschaftlich einbrechen? Denn mit einer schlechten Bilanz wäre nichts gewonnen, aber für die medizinische Versorgung viel verloren.

Dass Christoph Engelbrecht die neuesten Ergebnisse einer ständigen Umfrage zur Zufriedenheit der Patienten wie eine Monstranz vor sich her trägt, sei ihm zum Abschied gegönnt. Aber die Analyse sämtlicher Vorgänge im Dachauer Heliosklinikum haben bisher eher den Eindruck verstärkt, dass das Dachauer Unternehmen nicht wegen, sondern trotz der Anweisungen aus der Berliner Konzernleitung floriert. Gespräche mit Betriebsrat oder Ärzten haben stets den Eindruck vermittelt, als hätte Engelbrecht versucht, wenigstens ansatzweise eigene Ideen durchzusetzen. Aber es hieß in den Gesprächen besorgt, dass er langfristig scheitern müsse.

Auch wenn Engelbrecht diesem Eindruck öffentlich und offiziell widerspricht, verstärkt sich der Eindruck, dass Helios in Berlin mit einer rigorosen - manche Kreispolitiker sprechen von einer sektiererischen - Geschäftspolitik nicht in der Lage ist, die Aktiengesellschaft zu einem Arbeitsplatz für Führungskräfte mit langfristiger Perspektive zu entwickeln. Dazu die Fakten: Bernward Schröter schien der Mann des Ausgleichs zu sein. Er forderte den Konzern regelrecht heraus. Es folgte Martin Jonas, der die Doppelaufgabe als Regionalgeschäftsführer für die Helioskliniken in Süddeutschland und als Geschäftsführer in Dachau schultern wollte. Es folgte Christoph Engelbrecht als ausgewiesener Klinikexperte mit Erfahrungen beim Helios-Konkurrenten Asklepios.

Engelbrecht sieht die Themen für seinen Nachfolger als klar skizziert an. Helios will den Ausbau medizinischer Angebote angesichts eines massiven Pflegenotstands im Ballungsraum München. In der Landeshauptstadt wurden bereits fast die Hälfte aller Betten für Frühgeborene geschlossen, so dass Dachau fünf Babys bis nach Ausburg verlegen musste. Und zwei Kreiskliniken in Bad Aibling und Erding haben beschlossen, ihre Abteilung für Geburtshilfe zu schließen. Man darf also gespannt sein, wie Engelbrechts Nachfolger das Paradox der Gesundheitspolitik als lösbar bemäntelt.