Auszeichnung Den Überlebenden verpflichtet

Albert Knoll wurde die seltene Auszeichnung des CID verliehen.

(Foto: Toni Heigl)

Gedenkstättenarchivar Albert Knoll erhält den André-Delpech-Preis

Der André-Delpech-Preis zur Erinnerung an den langjährigen CID-Präsidenten und ehemaligen Widerstandskämpfer ist eine seltene Auszeichnung, die bisher nur der langjährigen Gedenkstättenleiterin Barbara Distel, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Jos Sinnema für seinen Einsatz zur Erinnerung an die niederländischen Naziopfer zuteil geworden ist. Am vergangenen Freitag wurde Albert Knoll auf der CID-Veranstaltung im Dachauer Rathaus der Preis verliehen.

Knoll, der seit 1997 an der Gedenkstätte ist, wurde im November 2015 in New York zum "Archivar des Jahres" gekürt. Vor einer Woche präsentierte er sein Buch "Der Rosa-Winkel-Gedenkstein. Die Erinnerung an die Homosexuellen im KZ Dachau". In seiner Rede erzählt Knoll die Geschichte eines zwölfjährigen Mädchens, Angehörige der deutschen Minderheit in der Batschka, das Anfang 1942 Zeugin der Ermordung der Juden ihres Heimatortes Novi Sad in Serbien wird: " . . . versteckte sie sich als zwölfjähriges Mädchen aus Angst hinter den Fensterläden und lugte gleichzeitig aus jugendlicher Neugier aus einem Spalt, zählte die Körper, die unmittelbar am Haus ihrer Eltern am Stadtrand vorbeigetrieben wurden und zählte die Schüsse, die gleich danach am Ufer der Donau zu hören waren. Es war dieselbe Zahl . . . Die Leichen der Frauen, Männer und Kinder wurden im Fluss versenkt. . ." Sie ist da, Helene Knoll, die Mutter des Archivars, zum ersten Mal ist sie nach Dachau gekommen. Die Geschichte vom Massenmord an den Juden der Vojvodina drang durch Helene Knoll in die Erzähltradition der Familie ein, fand Platz zwischen den Geschichten von Vertreibung, Flucht und schwierigem Neubeginn in Bayern. Als junger Mensch fragte sich Knoll, ob und wie das alles zusammenhänge, die Tötung der Juden und wenige Jahre später die Vertreibung der Deutschen aus Jugoslawien. Aus dieser Frage wurde eine Auseinandersetzung mit dem NS-Staat, mit Unrecht, mit dem Umgang mit Minderheiten, mit dem neuen Rechtsradikalismus. "Ich greife es noch mal auf: den Überlebenden haben wir gelobt, dass wir ihr Angedenken ehren und es weitertragen werden", sagt Knoll. Das macht auf die geladenen Konsuln einen tiefen Eindruck.