Die Vertragsverhandlungen sind gescheitert: Generalmusikdirektor Christian Thielemann wird München verlassen. Er beherrschte den unkünstlerischen Job des Musikermöglichers nicht ausreichend.
Die Verhandlungen über die Vertragsverlängerung zwischen Dirigent Christian Thielemann und der Stadt München sind gescheitert. Denn Thielemann hatte einen nach zähen Verhandlungen ausgefertigten Vertragsentwurf nicht unterzeichnet, sondern erneut Nachforderungen gestellt, die für die Stadt offenbar nicht hinnehmbar sind. Wie groß der Unmut über den Dirigenten in der Stadt ist, kann man daran erkennen, dass dieser sensationelle Plenarbeschluss mit nur einer Gegenstimme gefallen ist.
Kompromisslos bis zuletzt: Christian Thielemann. (© Foto: Münchner Philharmoniker)
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In der Pressemitteilung des Kulturreferats heißt es ganz lapidar: "Die Vollversammlung des Stadtrates der Landeshauptstadt München hat in ihrer heutigen nichtöffentlichen Sitzung beschlossen, den Vertrag mit dem Generalmusikdirektor Christian Thielemann über die Saison 2010/2011 hinaus nicht zu verlängern.
Christian Thielemann hat den ihm angebotenen Vertragsentwurf nicht akzeptiert, der den Münchner Philharmonikern mehr Handlungsspielraum ermöglicht in Bezug auf Gastspiele, Solisten und Programme, die nicht die des GMD betreffen."
Und dann wird Kulturreferent Hans-Georg Küppers zitiert: "Ich bedaure, dass die Notwendigkeit dieses sowohl zukunfts- als auch handlungsfähigen Vertragsmodells von Herrn Thielemann nicht akzeptiert wurde. Ich hoffe jedoch, dass wir bis zum Jahr 2011 auf gute und professionelle Weise weiter zusammen arbeiten können."
Thielemann, der derzeit in Bayreuth probt, war zu keiner Stellungsnahme bereit. Im Interview mit dieser Zeitung brachte er aber seine zentrale Forderung auf den Punkt. Er möchte, wie bisher, die alleinige Entscheidungsgewalt über Programmatik, Gastdirigenten, Solisten. Das ist das gute Recht eines Generalmusikdirektors. Dass ihn die Stadt ausgerechnet in diesem zentralen Punkt beschneiden will, dass sie ihm bloß mehr die Hoheit über seine eigenen Konzerte zugestehen möchte, den Rest aber in die Hoheit des Intendanten gibt, das ist ein überdeutliches Misstrauensvotum gegen Thielemann.
Damit signalisiert die Stadt, dass Thielemann die Erwartungen, die an ihn als Generalmusikdirektor (ein im preußischen Berlin erfundener Titel) gestellt werden, nur unzureichend erfüllt hat.
Wobei zwischen dem Dirigenten und dem Generalmusikdirektor unterschieden werden muss. Als Dirigent ist Thielemann unbestritten Weltklasse. Vor allem sein Wagner ist konkurrenzlos, gesegnet auch seine Aufführungen vor allem der deutschen Romantik. Aber ein überragender Dirigent macht noch keinen guten Generalmusikdirektor. Der muss seine Defizite in Repertoire und Auffassungen durch satisfaktionsfähige Kollegen ausgleichen, jenseits der Musik Übervater sein, ständig präsente Identifikationsfigur. In dieser Hinsicht scheint die Stadt mit ihrem Musikchef unzufrieden.
Wer Thielemann sagt, müsste München meinen. So weit aber ist es nie gekommen. Wer heute Thielemann sagt, denkt erst an Bayreuth, dann an des Dirigenten Engagement bei den Wiener Philharmonikern (sämtliche Beethoven-Symphonien!) und zuletzt an München. Andere Musiker sind mit ihren Städten enger zusammengewachsen: Simon Rattle und Berlin, Kent Nagano und München, sogar Riccardo Chailly und Leipzig.
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Liebe Stadt München, lieber Herr Intendant Paul Müller,
bitte macht aus der Philharmonie und den hervorragenden Münchner Philharmonikern keinen "Brandhorst-Tempel" der Moderne. Ich habe schon fürchterliches "Gekrächze" in der Philharmonie gehört.
Wenn es unbedingt sein muss, dann führt das bitte künftig im Museum Brandhorst auf und lasst die Philharmonie am Gasteig den alten Meistern.
Die meisten Zuhörer werden es ihnen danken, das bestätigt mir zumindest der von mir seit Jahren beobachtete geringe Besuchergrad bei Konzerten der Moderne. Selbst Abonnenten bleiben dabei häufig zuhause.
Ich bin seit Jahren Abonnent in der Münchner Philharmonie und bedauere den Weggang von Christian Thielemann sehr. Seine Dirigate der Klassiker wie Beethoven, Brahms, Wagner, Tschaikowsky, Schumann, etc. waren für mich stets die Höhepunkte der Konzertsaison.
Wogegen mir überwiegend die Fremddirigate meist auch mit - für meinen Geschmack - sehr schrägen Werken von z. B. Pärt, Schönberg, Messiaen, Ligeti, Dean, Tan Dun, Berg, Bartók, etc. weniger gefielen.
Nun liegt es wohl nicht nur bei mir sondern sicherlich bei den meisten Liebhabern der klassischen Musik in erster Linie an der Vorliebe einer bestimmten Stilrichtung des Konzertangebots (Klassiker oder Moderne), ob ein Konzert gefällt oder nicht.
Das Orchester, der Dirigent und die Solisten können z. B. bei sehr modernen Werken noch so gut sein sie werden nicht das Herz des Musikliebhabers erreichen, wenn er wie ich, eher auf die Klassiker steht.
Man muss ja nicht hingehen, könnte man richtigerweise einwenden. Als Abonnent gilt dies natürlich nur in eingeschränktem Maße.
Wenn nun Christian Thielemann, der sicherlich als überwiegender Vertreter der Klassiker steht, München verlässt, so befürchte ich eine noch größere Verlagerung des Programmangebots in Richtung Moderne. Das wäre für mich sicherlich das Ende meines Abonnements.
Eine offene Frage bleibt bei mir trotzdem: Weshalb dirigierte Christian Thielemann als Chef nur ca. ein Drittel aller Konzerte der Münchner Philharmoniker? Wollte er selbst nicht mehr? Durfte er nicht mehr?
Ich hoffe, dass egal welcher Nachfolger für Christian Thielemann verpflichtet wird, die klassischen Werke wieder mehr Raum im Programm finden als bisher. Diese Entscheidung schein mir wichtiger zu sein als die Cheffrage. Wenn beides zusammenpasst - mehr Klassiker mit renommiertem Generalmusikdirektor, dann wäre das für mich das Optimum.