Besuchsdienst Therapeut auf vier Pfoten

Christiane Vidacovich leitet die "Streichelbande".

(Foto: Robert Haas)

Die ehrenamtlichen Mitlgieder der "Streichelbande" gehen mit ihren Tieren zu kranken und behinderten Menschen - die Nachfrage nach solchen Treffen ist groß

Interview von Günther Knoll

"Die Streichelbande" - hinter diesem Namen verbirgt sich ein Münchner Verein, der inzwischen fast 200 Mitglieder hat mit mindestens ebenso vielen Hunden. Ziel ist es, alten Menschen, Behinderten und schwerkranken Kindern durch die Besuche mit den Tieren Freude zu bereiten. Diese Art von Besuchsdienst sei inzwischen sehr gefragt, sagt die Vereinsvorsitzende Christiane Vidacovich.

SZ: Es heißt ja, dass man fremde Hunde nicht streicheln soll?

Christiane Vidacovich: Das ist richtig. Streicheln sollte man einen Hund nur, wenn man vorher mit dem Besitzer darüber gesprochen hat. Das vermitteln wir auch Kindern bei unseren Besuchen in Schulen und Kindergärten.

Wie sind Sie darauf gekommen, dass Sie mit Ihrem Hund auch anderen eine Freude bereiten können?

Vor gut zwölf Jahren habe ich den Initiator von "Hunde helfen Menschen" in Würzburg kennengelernt, und die Idee ist mir nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Dazu kommt sicher auch, dass man in einem bestimmten Alter sozialer denkt. Zu Beginn, vor zehn Jahren, als unser Verein entstand, hatten wir vor allem ältere Mitglieder. Inzwischen kommen aber auch viele Jüngere, hauptsächlich Frauen. Die stellen auch klar die Mehrheit im Verein. Ich glaube, dass Frauen insgesamt fürsorglicher denken als Männer und dass sie sich deshalb für unseren Vereinszweck begeistern können.

Brauchen denn Mensch und Hund dafür eine besondere Qualifikation beziehungsweise eine spezielle Ausbildung?

Ja, absolut. Wenn sich ein Hundebesitzer bei uns meldet, treffe ich mich zuerst mit ihm. Wir checken immer vorher ab, ob alles passt. Vor dem ersten Besuch ist dann auch ein Eignungstest zu absolvieren. Wichtig beim Hund ist, dass ein Grundgehorsam da ist, dass er nicht aggressiv ist und dass er gerne unter Menschen ist und sich auch streicheln lässt. Wenn ein Tier dann auch noch Kunststückchen beherrscht, ist das schön, aber nicht wichtig.

Gibt es für diesen Besuchsdienst besonders begabte Hunde?

Labrador und Golden Retriever sind vom Wesen her besonders freundlich und ruhig. Ich selbst habe einen Wolfsspitz. Der ist auch sehr freundlich, aber er kann auch ein bisschen nervig sein. Vor allem für schwerbehinderte Menschen kann er zu temperamentvoll sein. Grundsätzlich ist jeder Hund geeignet, wir hatten sogar schon Kampfhunde.

Bekommen die Hunde bei den Besuchen eine besondere Belohnung?

Natürlich arbeiten wir mit Leckerlis. Die sind wichtig, um Berührungsängste abzubauen, speziell wenn man zu älteren Menschen geht. Gibt man ihnen ein solches Leckerli zum Füttern, dann entsteht sehr schnell die richtige Beziehung zum Hund.

Und wie ist es mit der Belohnung für Ihre Mitglieder?

Wir machen das alles ehrenamtlich. Zuerst ist da einmal die Freude, die wir den Besuchten bereiten. Und der Verein veranstaltet Feste und auch Ausflüge. Außerdem werden unsere Mitglieder zum Beispiel auch von der Aktion "München dankt" eingeladen.

Die Terminliste des Vereins ist lang, ständig kommen neue Anfragen dazu. Ist das zu bewältigen?

Grundsätzlich bejahen wir jede Anfrage, aber immer mit dem Zusatz, dass es dauern kann. Unter den Mitgliedern gibt es welche, die gehen ein paar Mal in der Woche zu solchen Besuchen. Minimum ist ein Besuch in vier Wochen. Inzwischen absolvieren wir rund 300 Besuche im Monat. Wir freuen uns natürlich über jedes neue Mitglied, noch ist diese Arbeit zu schaffen.

Zum Schluss muss die Frage erlaubt sein: Hat denn schon einmal ein Hund zugebissen?

Nein, in den zehn Jahren, seit der Verein besteht, ist das noch nie passiert. Für den Fall des Falles sind wir aber versichert. Wir arbeiten mit gehandicapten Menschen, da könnte schon einmal ein Sturz passieren. Doch es ist noch nie vorgekommen, dass ein Hund auch nur gezwickt hätte.