Baumschutz mit der Kettensäge Gefährliche Käfer in München

Ein Exemplar des Asiatischen Laubholzbockkäfers, gut verpackt in Kunstharz.

(Foto: Viola Bernlocher)

Er ist klein, gefräßig und richtet großen Schaden an: der Asiatische Laubholzbockkäfer. Nun hat er sich auch in Haar bei München ausgebreitet. Die Gefahr? Wenn der Käfer sich einmal auf Bäumen einnistet, hilft nur ein Mittel: fällen.

Von Bernhard Lohr

Mancher sieht die Bäume schon reihenweise fallen und malt sich aus, wie es ist, wenn erst einmal Arbeiter im Englischen Garten ihre Kettensägen an dicke Stämme anlegen. Das Szenario ist keineswegs realistisch, aber ganz unbegründet ist die Angst vor dem Baumschädling auch nicht, der sich an der östlichen Stadtgrenze festgesetzt hat. Dort sind die Schäden durch den Asiatischen Laubholzbockkäfer nicht mehr zu übersehen.

In der Gemeinde Feldkirchen, wo er im Herbst 2012 entdeckt wurde, haben viele Bäume weichen müssen. Ganze Wäldchen wurden gefällt. Vor kurzem entdeckten Baumkletterer im benachbarten Haar kleine, kreisrunde Löcher in Stämmen, die untrüglich auf dessen Existenz hinweisen. 50 Bäume müssen weg. Ein anderes Gegenmittel gibt es nicht.

Auch wenn Schreckensszenarien fehl am Platz sind. Die Gefahr durch den aus China und Korea importierten Schädling ist real. Er profitiert von der Globalisierung und reist im Verpackungsholz um die halbe Welt. Und weil befallene Bäume nicht zu retten sind, wird über den Käfer auch in Brüssel diskutiert. Die EU-Kommission forderte die chinesischen Behörden schon auf, mit besseren Kontrollen sicherzustellen, dass die Käfer nicht mehr als blinde Passagiere in Frachtcontainer gelangen.

Quarantänezonen in Feldkirchen, Haar und Riem

Wo der Schädling auftaucht, ist der EU zu melden. Die Behörden weisen um befallene Bäume Quarantänezonen aus, in denen Bäume regelmäßig inspiziert werden müssen und aus denen gefällte Bäume nicht ohne weiteres rausgebracht werden dürfen. Feldkirchen, Haar und ein Teil der Messestadt Riem liegen seit Ende 2012 in solch einer Quarantänezone, deren Fläche durch mehrere Kreise mit 2,5 oder zwei Kilometer Radius um die jeweiligen Fundorte bestimmt ist. Die Zone wurde soeben, wegen der Funde Anfang Februar in den Haarer Ortsteilen Salmdorf und Ottendichl deutlich ausgeweitet und reicht jetzt von Feldkirchen bis an die S-Bahn in Haar.

Der Riemer Park befindet sich als drittgrößte Parkanlage Münchens mittlerweile zum Großteil in der Quarantänezone. Das für die öffentlichen Grünflächen zuständige Baureferat der Stadt München schickt seit längerem Inspektoren mit Ferngläsern los, um gefährdete Laubbäume nach Käferspuren abzusuchen. Sprecherin Dagmar Rümenapf sagt, wegen der dort noch relativ jungen Bäume sei das in Riem oft noch vom Boden aus möglich. Es würden aber auch extra geschulte Baumkletterer eingesetzt. Bis dato, sagt Rümenapf, gebe es "keinen einzigen Hinweis" auf den Käfer. Auch die Messe München, deren Gelände teilweise ebenfalls in der Quarantänezone liegt, kontrolliert laut Sprecherin Silvia Hendricks regelmäßig die auf ihren Flächen befindlichen Bäume. Gefunden habe man noch nichts.

Wenn der Käfer sich breitgemacht hat, sieht es nicht selten so aus: eine gerodete Fläche bei Feldkirchen.

(Foto: Christian Endt/2013/Archiv)

Dass solche Aussagen nicht recht zur Beruhigung beitragen, hat damit zu tun, dass die Käfer oder auch nur Spuren, die seine Existenz belegen, nur schwer zu entdecken sind. Selbst die Baumkletterer kriegen keine Exemplare von dem immerhin bis zu vier Zentimeter großen Käfer zu Gesicht. Wenn sie etwas finden, dann in der Regel Eiablagestellen, Einbohr- oder Ausbohrlöcher in Ästen und Stämmen. Die Gefahr für die Bäume geht auch von den Larven aus, die in einem zweijährigen Zyklus in den Bäumen heranwachsen und diese durch immer größere Gänge, die sie dort hineinfressen, schädigen. Der Käfer selbst schlüpft in der Zeit von Juni bis August, und lebt dann nur etwa sechs bis acht Wochen. Die Hoffnung, ihm mit Quarantänezonen beizukommen, gründet darauf, dass der Käfer erfahrungsgemäß maximal ein paar Hundert Meter vom Wirtsbaum entfernt seine Eier legt.

Grundsätzlich sind auch für den flugfaulen Käfer die paar Hundert Meter von Salmdorf und Ottendichl hinüber in den Riemer Park kein Problem. Besonders beunruhigt die Fachleute, dass der Laubholzbockkäfer sich offensichtlich über Jahre unentdeckt im Osten von München ausgebreitet hat. Dazu passt, dass die jüngst entdeckten Ausbohrlöcher schon am Zuwachsen sind. Das heißt, die dort geschlüpften Käfer, sind längst weg. Weitere Funde sind zu erwarten. Carolin Bögel, die an der Landesanstalt für Landwirtschaft in Freising die Käferbekämpfung koordiniert, ist alles andere als entspannt. "Wir hoffen, dass wir das aufhalten können."

Die Stadt München stellt sich derweil darauf ein, dass sie mit dem Käferproblem die nächsten Jahre leben muss. Die Zusammenarbeit von Bau- und Kommunalreferat, bei denen jeweils Zuständigkeiten bei der Käferbekämpfung liegen, soll verbessert werden, sagt Sprecherin Daniela Schlegel vom Kreisverwaltungsreferat. Das Direktorium befasse sich gerade damit. Die Quarantänezone gilt, wenn nichts mehr dazukommt, erst einmal bis Ende 2018.