Bar S 17 Manila ist überall

Bekannt wurde Gerd "Manila" Waldhauser durch seine Kneipe Schwabinger 7. Mittlerweile ist er der Boazn-König von Schwabing und hat gerade seine fünfte Bar, das S 17, eröffnet. Dort treffen Skater auf Rocker und Ökos auf Highheelmädchen.

Von Beate Wild

Von außen sieht alles ganz harmlos aus. Ein kleines weißes Haus in Altschwabing. Das obere Stockwerk macht mit drei Parabolantennen und altmodischen Vorhängen auf sich aufmerksam. Unten im Erdgeschoss sind die Fenster zubetoniert. Fast denkt man, es handele sich hier um ein Abrisshaus, in dem keiner mehr wohnt, doch dann hört man die Musik: "American Woman" von Lenny Kravitz.

Die neue Bar von Gerd "Manila" Waldhauser heißt S 17.

(Foto: Jakob Berr)

Während man noch so da steht und sich wundert, wird man überholt, ja fast zur Seite geschubst, von einer Gruppe junger Skater, die eilig in das Lokal drängeln. Dicht gefolgt von einem nicht mehr ganz so jungen Metaler mit Achtziger-Jahre-Frisur, der ein miniberocktes Highheelmädchen im Arm hält. Also lässt man sich mit hineinspülen ins S 17 und steht mitten in der neuesten Kneipe von Gerd Waldhauser, den Münchnern besser bekannt als "Manila" und Wirt der Schwabinger 7. Unweit dieser legendären Bar befindet sich auch sein jüngstes Baby: S 17 heißt es schlicht, weil es in der Siegesstraße 17 beheimatet ist.

"Die Kneipe stand leer, da konnte ich einfach nicht widerstehen", sagt Manila und grinst. Mittlerweile hat er in Altschwabing schon fünf Kneipen. Ist er da nicht schon fast eine Art Kneipen-Mogul? Der Bar-König von Schwabing? Manila lacht und winkt ab. Das Wichtigste sei doch, dass die Leute ihren Bierdurst stillen können. Das sei der einzig wahre Grund, eine Bar zu betreiben. Sozusagen völlig selbstlos.

Schlicht ist es gehalten, das S 17. Man fühlt sich fast in seine Zeiten im Jugendheim zurückversetzt - und das ist durchwegs positiv gemeint. An den Wänden entlang und im seitlichen Flügel der Bar gibt es Sitzgelegenheiten. Bunte Hartschalensitze in Holz eingelassen, die ziemlich cool aussehen. Sie sind aus ausrangierten U-Bahn-Sitzen gefertigt. An den Wänden hängen trashige Bilder, etwa ein Pettycoat-Girl im Graffiti-Stil oder eine Hundedame im feinen Trachtenoutfit.

Alles natürlich ganz ironisch gemeint. Mit Volkstümelei hat das S17 garantiert nichts am Hut. Es riecht zudem noch ein wenig nach neuer Farbe. Ein Indiz, dass noch nicht so viel gefeiert wurde in dieser Kneipe. Noch ist das S17 ein echter Geheimtipp. Nur wenige Leute wissen von seiner Existenz. Selbst an den Wochenenden bekommt man ohne Gedränge sein Bier, was für ein Lokal von Manila etwas sehr Außergewöhnliches ist.

Das Publikum scheint jedenfalls Spaß zu haben. Alle möglichen Leute sind da: ein paar lässig um sich blickende Hiphopper, ein schüchternes Ökopärchen, zwei ältere Dandys, einige junge Styler, eine südamerikanische Mädchen-Clique und ein paar Nachbarn, die aussehen, als würden sie sonst eher im P1 verkehren. Als einer dieser Stehkragen-Träger Manila ganz verwundert fragt: "Und du bist hier der Wirt?", ist auch dieses Eis gebrochen.

Von Pop über Rock bis hin zu Rap ist alles dabei, doch eines haben alle diese Songs gemeinsam: Sie reißen jeden noch so müden Biertrinker mit und machen einfach gute Laune.

(Foto: Jakob Berr)

Dazu hämmert unterschiedlichste Musik aus den Boxen. Von Pop über Rock bis hin zu Rap ist alles dabei, doch eines haben alle diese Songs gemeinsam: Sie reißen jeden noch so müden Biertrinker mit und machen einfach gute Laune. Ein böses Wort für diese Art Sound wäre: Party-Musik. Doch ganz so schlimm ist es dann freilich nicht.

Und dann muss Manila doch noch selber Hand anlegen. Wie in früheren Zeiten steht er plötzlich hinterm Tresen und zapft Bier. Dabei gibt er einem jungen Barkeeper gleich noch ein paar Tipps und Tricks mit auf dem Weg. Beide lachen herzlich. Sehr sympathisch, das S 17. Und das Zeug, der Schwabinger 7 Konkurrenz zu machen, hat es auf jeden Fall.