Bäckereien-Test Landesbrotstadt München

Mit 374 Brotsorten haben sich Münchens Bäcker bei einem bundesweiten Lebensmitteltest beworben, und 158 Mal erreichten sie dabei die Note "Sehr gut".

(Foto: Alessandra Schellnegger)

158 Mal ein "sehr gut": Bei einem bundesweiten Test schneiden die Bäckereien in München ziemlich gut ab. Aber ein Experte warnt: "Wir verramschen unsere Lebensmittelkultur."

Schon am Eingang zum Innungssaal in der Maistraße riecht es appetitlich nach frischem Brot. Auf einem Gestell sind verschiedene Sorten fotogen drapiert. Und es ist ein Ritual, das sich jedes Jahr wiederholt - heuer bereits zum 42. Mal. 1973 veranstaltete die Münchner Bäckerinnung erstmals ihre Brotprüfung. Seit Beginn dieses Jahres ist nach dem Zusammenschluss mit den Münchnern auch die Bäckerinnung Landsberg mit dabei.

374 Brote aus 19 Betrieben der neuen Innung München und Landsberg hat der Berliner Bäckermeister Manfred Stiefel bereits im Juli untersucht. Stiefel ist unabhängiger Sachverständiger des Instituts für die Qualitätssicherung von Backwaren in Weinheim, das im Auftrag des Deutschen Bäckerhandwerks bundesweit Backwaren testet und die Verbraucher im Internet auf der Website brot-test.de über die Ergebnisse informiert.

Knusper, Knusper, Kruste

Richtig gutes Brot selbst backen, ohne stündliche Pflege und minutenlanges Kneten - geht nicht? Geht sehr wohl, sagt ein New Yorker Bäcker. Sein Rezept ist Standard bei vielen Foodbloggern. Ein Test zum Welttag des Brotes. Von Christina Metallinos mehr ... Foodblog

Und das Abschneiden der hiesigen Bäcker kann sich sehen lassen: 158 Mal erreichten die Test-Brote ein "Sehr gut". Diese Note wird nur vergeben, wenn ein Produkt die maximale Punktzahl 100 erreicht. Prozentual gesehen sind das 42 Prozent der gesamten Testware. 188 Brote (50,3 Prozent) bekamen die Note "gut", 26 Backwaren wurden mit "zufriedenstellend" bewertet, nur zwei als "verbesserungsbedürftig" eingestuft. Das Spektrum der geprüften Brote reichte vom normalen Mischbrot über verschiedene Bauernlaibe, Vollkorn- und Olivenbrote bis hin zu ausgefalleneren Kreationen wie Walnuss-Dinkelbrot.

Brot und Semmeln zählen laut Heinrich Traublinger in Deutschland zu den wichtigsten Lebensmitteln. "Mit 3200 Sorten Brot und 1200 Sorten Kleingebäck hat sich im Verlauf von zirka 7000 Jahren in Deutschland eine einzigartige Backwarenvielfalt und Backkultur entwickelt", sagt der stellvertretende Obermeister der Innung. "Nicht umsonst nennt man Deutschland das Land des Brotes." Für Traublinger zählt das Bäckerhandwerk zu den wichtigsten Wirtschaftsfaktoren des Landes. Schwierig sei es allerdings, sich gegen die wachsende Zahl von Backshops mit Fertigprodukten zu behaupten. Es ist eine Herausforderung für das Handwerk." Gerade die Deutschen wollten unbedingt immer billigere Lebensmittel. "Die Leute sparen an dem, was sie brauchen, damit sie sich Sachen leisten können, die sie nicht brauchen", sagt Traublinger. "Wir verramschen unsere Lebensmittelkultur." Deshalb seien Qualität und persönlicher Service in den traditionellen Bäckereien umso wichtiger. "Da bekommst du ein Lächeln kostenlos dazu, das gibt's im Backshop nicht."