Aus 25 Büros ausgewählt Jeder für sich und doch gemeinsam

Michael Glück (links) und Martin Gessert freuen sich zusammen mit Stadtschulrätin Beatrix Zurek über den Siegerentwurf.

(Foto: Florian Peljak)

Stuttgarter Architekten und Landschaftarchitekten gewinnen den Wettbewerb um den Schulcampus in der Messestadt Riem. Der Entwurf ermögliche "auf natürliche Weise einen selbstverständlichen Kontakt zwischen den Schülern", lobt die Jury

Von Melanie Staudinger

Die Dimensionen sind beachtlich: Ein Gymnasium für 1400 Schüler, eine Realschule für noch einmal fast 1000 Mädchen und Jungen, eine zweigeschossige Mensa, ein eigener Bereich für die Volkshochschule, eine Schwimm- und Sporthalle, eine Streetball-Anlage und ein eigener Sportpark sollen hier entstehen, im nordwestlichen Teil der Messestadt Riem. Die Ansprüche sind hoch: Der Bildungscampus soll nicht nur die Messestadt baulich abschließen, sondern gleichzeitig auch den Eingang bilden zum Rest der Stadt. Die Vorgaben sind konkret: Der Stadtrat will keine Schulen mit langen, dunklen Gängen und hintereinander aufgereihten Klassenzimmern, sondern helle Lernhäuser, in denen die Klassenräume um eine zentrale Mitte angeordnet sind.

25 Architekturbüros haben sich diesen Herausforderungen im Realisierungswettbewerb gestellt. An diesem Dienstag nun verkündete die Stadt den Sieger: das Stuttgarter Büro H4A Gessert und Randecker, das auch eine Dependance in München hat, mit Glück Landschaftsarchitektur aus Stuttgart. Den zweiten Platz belegten Auer Weber Assoziierte GmbH München und Ver.de Landschaftsarchitektur Freising, den dritten Platz Lehmann Architekten GmbH aus Offenburg mit W+P Landschaften Freie Landschaftsarchitekten Berlin. Die Architekten von H4A, die nun die besten Chancen haben, dass ihre Pläne auch realisiert werden, sind keine Unbekannten in München. Sie haben das Bürohaus Arabeska an der Arabellastraße gebaut, das IT-Rathaus in Moosach, die Wilhelm-Röntgen-Realschule und das neue Gymnasium München-Nord, das im vergangenen Jahr eröffnete. Gerade planen die Schulbauexperten die Grundschule Karlsfeld und die Realschule an der Heidemannstraße.

Für den Campus hat sich das Büro etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Beide Schulen bestehen aus einzelnen Pavillons, die rechtwinklig angeordnet sind. Erschlossen werden sie über einen Platz, an dem sich die gemeinsame Mensa befindet. Dahinter erstreckt sich der ebenfalls gemeinsame Pausenhof, von dem die Eingänge zu Gymnasium, Realschule und Sportbereich abzweigen. Im Erdgeschoss liegen im Gymnasium der Mint-Bereich für die naturwissenschaftlichen Fächer und in der Realschule die Räume für kreative Fächer. Dies ermögliche "auf natürliche Weise einen selbstverständlichen Kontakt zwischen den Schülern", lobt die Jury. Doch die Preisrichter vermissen, dass sich die Fachklassen, die von Kunst- und Experimentierhöfen umgeben sind, nicht zu den Haupteingängen und dem Pausenhof hin öffnen.

Darüber befinden sich die Klassentrakte, vollständig umgesetzt im Münchner Lernhauskonzept mit kleinen Einheiten. Im ersten Obergeschoss verbindet ein schmaler Brückenbau die Schulen: Hier ist die Verwaltung und der Lehrerbereich untergebracht. "Der Siegerentwurf des Wettbewerbs ist eine gelungene Lösung", sagt Stadtschulrätin Beatrix Zurek. Besonders gefalle ihr, wie beide Schulen im Lernhauskonzept abgebildet seien. Auch der Sportpark und die außerschulische Nutzung der Sportflächen seien gut realisierbar.

Der Bildungscampus Messestadt Riem ist eines der größten, nicht aber das größte Schulbauprojekt. Den Trend, mehrere Schulen auf einem Campus zu bündeln, gibt es in München schon länger. Das spart Geld, weil die Schulen verschiedene Bereiche wie Fachlehrsäle, Sporthallen, Mensa oder die Aula gemeinsam nutzen können. Sie ist aber fast nur in neuen Baugebieten oder Randlagen realisierbar, wo es noch große zusammenhängende Flächen gibt. Die bislang teuersten Schulen entstehen gerade in Freiham. Dort lässt die Stadt eine Grund-, eine Realschule, ein Förderzentrum sowie ein Gymnasium bauen - für 240 Millionen Euro. Im September 2019 sollen die ersten Schüler einziehen. Und auf dem Gelände der Bayernkaserne in Freimann sind gleich zwei große Schulstandorte geplant: Im Süden soll es ein Gymnasium und eine Grundschule, im Norden eine Grundschule und ein sonderpädagogisches Förderzentrum geben. Hier stehen die Kosten noch nicht fest.

Der Campus in der Messestadt kostet nach derzeitigen Prognosen der Kämmerei zwischen 180 bis 210 Millionen Euro. Jedoch handelt es sich im frühen Planungsstadium nur um einen groben Kostenrahmen. Die von der Stadt beauftragte MRG Maßnahmeträger München-Riem GmbH wird Verhandlungen mit den Preisträgern führen, bevor sich endgültig entscheidet, wer den Planungsauftrag bekommt. Wer sich vorher schon informieren will: Die Wettbewerbsbeiträge sind noch bis zum 28. Mai im Kopfbau der alten Flughafentribüne, Werner-Eckert-Straße 1, zu sehen.