"Beschäftigungsmaßnahmen" statt Fußfesseln für die Elefanten: Das Kreisverwaltungsreferat beanstandet die Tierhaltung im Circus Krone.
Sein Münchner Winterquartier hat der Circus Krone schon im April verlassen, um mit 400 Menschen und 250 Tieren zu seiner Jubiläums-Reise "100 Jahre Circus Krone" aufzubrechen. Auf seiner Sommertournee durch 30 Städte macht er gerade Station in Coburg. In Kassel wäre er vom nächsten Jahr an zumindest auf städtischem Grund nicht mehr willkommen - die Stadt würde ihm wegen der umstrittenen Wildtierhaltung kein Grundstück mehr vermieten.
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Gestresste Manegenstars: Das Kreisverwaltungsreferat hat Auflagen zur Tierhaltung gegen den Circus Krone verhängt. (© Foto: Andreas Heddergott)
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Auch in München hält die Kritik an, doch sieht Kreisverwaltungsreferent Wilfried Blume-Beyerle keine rechtlichen Möglichkeiten, die Haltung bestimmter wild lebender Tierarten im Zirkus zu verbieten. Dafür gebe es keine rechtliche Grundlage, für den Tierschutz ist der Bundesgesetzgeber zuständig. Ein Regelung nach Kasseler Vorbild würde Krone an seinem Stammsitz ohnehin nicht treffen, da er hier in seinem Winterquartier spielen kann.
Seit der massiven Kritik von Tierschutzorganisationen, aber auch von Veterinären, hat das Münchner Kreisverwaltungsreferat den Zirkus mehrfach kontrolliert und inzwischen einen umfassenden tierschutzrechtlichen Genehmigungsbescheid mit weit mehr als 100 Auflagen erlassen. Allen Anzeigen von Tierschutzorganisationen sei nachgegangen worden. "In einigen Punkten gab es Beanstandungen und Kritikpunkte an der Tierhaltung", so der Kreisverwaltungsreferent.
Größere Auslaufflächen und gepolsterte Ketten
Krone habe "in vielen problematischen Punkten vorab und freiwillig eingelenkt und bereits Abhilfe geschaffen". Als Beispiel dafür führt Blume-Beyerle die Pferdehaltung an: "Die Auslaufflächen in München wurden ausgeweitet, für die Tournee wurden neue Stallungen angeschafft." Für die Haltung der Elefanten seien Auflagen erforderlich gewesen: "Eine Ankettung der Elefanten darf nur noch zu bestimmten Zeiten, zum Beispiel bei der Tierpflege und in der Nacht erfolgen", die Ketten müssen gepolstert sein. Außerdem sind nun "Beschäftigungsmaßnahmen" vorgeschrieben.
Für Löwen sind Spielmöglichkeiten vorzusehen, selbst die Wassertemperatur beim Nashorn ist festgesetzt. Die Einhaltung der Auflagen durch den Zirkus sei bereits überprüft und "für in Ordnung befunden worden". Auch die Kontrollen bei der Pferdehaltung seien durchaus positiv ausgefallen. Ein Weben der Pferde, eine Verhaltensstörung, bei der es mit dem Kopf hin und her pendelt, sei nicht zu beobachten gewesen. Allerdings stießen die KVR-Kontrolleure bei zwei "Vertragspartnern" des Unternehmens, die eine Pferdeshow und eine Hundenummer zeigen, auf einzelne Verstöße.
Bislang hat der Bundesgesetzgeber die Wildtierhaltung nicht eingeschränkt, auch wenn die Diskussion darum, ob Wildtiere wie Elefanten, Bären und Affen überhaupt artgerecht im Zirkus gehalten werden können, immer wieder aufflammte. Die Gegner der Wildtierhaltung wollen nun nicht locker lassen. "Der Stress auf Tourneen ist viel zu groß, sie können gar nicht artgerecht gehalten werden", kritisiert CSU-Stadträtin Evelyne Menges, Vizepräsidentin der "Aktion Tier - Tierrettung München". "Es geht nicht gegen den Zirkus, sondern um eine Modernisierung." Florian Vogel (Grüne) macht sich dafür stark, wenigstens dem Kasseler Vorbild zu folgen. Ein entsprechendes Signal soll am heutigen Dienstag der Kreisverwaltungsausschuss des Stadtrats geben, hofft Vogel.
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(SZ vom 23.06.2009/sus)
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Tiere gehören nicht in den Zirkus, sondern in die freie Wildbahn. Der Lebensraum "Zirkus" ist für die Tiere viel zu klein. Großkatzen z.B. stoßen nach einigen Schritten an Gitterstäbe, zwischen denen sie stundenlang verzweifelt hin und her streichen. Bären wiederum, eine von Natur aus sehr neugierige Art, leiden vor allem unter der Monotonie des Zirkusalltags. Und an Perversion grenzt die Haltung von Seelöwen: Tiere, die in freier Wildbahn bis zu 100m tief tauchen, müssen ihr Leben in umgebauten LKW's fristen. Hinzu kommt bei allen Tieren der krank machende Streß durch die ständigen Transporte und Auftritte vor klatschendem und johlendem Publikum. Deswegen sollte man in Zirkusse gehen, in denen nur Menschen auftreten, wie den Chinesischen Zirkus, Cirque du Soleil oder Flic Flac.