Auf Wahl-Fang Drei Farben: Grün

Picknick mit den Wählern: die Bundestagsabgeordnete und -kandidatin Doris Wagner (Grüne).

(Foto: Robert Haas)

Wie die Bundestagskandidaten um Stimmen werben. Heute: das Picknick

Von Dominik Hutter

Auf den Buffettischen warten Bratkartoffeln, Gemüsekuchen und Melone, gekühlter Weißwein steht bereit. Die grün gedeckten Tische im Petuelpark sind bereits gut besetzt, als Doris Wagner ihre Begrüßungsrede hält. Sie spricht über "Dieselgate", die Klimapolitik und den Zusammenhang zwischen Nahostkonflikt und Flüchtlingszahlen. Allerdings nur kurz.

Denn es soll gemütlich zugehen beim "Green Dinner", einem Format, mit dem die Grünen im Bundestagswahlkampf Kontakt zu wahlwilligen Münchnern suchen. Prinzip: Jeder bringt Essen, Getränke sowie Geschirr selbst mit, die Partei stellt Biergartengarnituren und im Falle Wagners auch das Unterhaltungsprogramm bereit - die Band "Die Broccolis". Weil aber jeder weiß, dass das mit dem Selbstmitbringen nicht immer perfekt klappt, haben die Wahlkämpfer sicherheitshalber ein kleines Buffet bestückt. Wagner selbst hat grünen Obatzden, grüne Gurkenkaltschale und grünen Veltliner mitgebracht. Farbenlehre einer Bundestagsabgeordneten.

Gemütliche Treffen mit Politikern haben ein Problem: Sie mutieren gerne zu Stelldicheins der immer gleichen Clique von Parteifreunden. Nicht so bei Wagner, deren Team zwar vor Ort ist, die im Petuelpark aber durchaus auch das Interesse der Passanten erregt. Familien schauen bei dem kleinen "Biergarten" vorbei, Musikfans, ein Kollege von der politischen Konkurrenz und der bei Gratis-Verköstigungen wohl unvermeidliche Raffzahn am Buffet. "Es sind viele Leute da, die ich nicht kenne", sagt die Abgeordnete. Ein Mann mittleren Alters wartet derweil geduldig im grünen Klappstuhl auf das persönliche Gespräch mit Wagner. Die Stühle gehören zu einem anderen Wahlkampfformat: der mobilen Bürgersprechstunde, mit der Wagner durch die Stadtviertel tourt. Wunschpostkarten liegen bereit, auf denen politische Anliegen verzeichnet werden können. Sie werden auf Facebook beantwortet.

Wagner ist bereits seit 2013 Mitglied des Bundestages, muss sich aber gehörig strecken, um ihren Berliner Job zu behalten. Denn dass das Direktmandat im Münchner Norden an eine Grüne fällt, gilt als ähnlich wahrscheinlich wie ein Greenpeace-Beitritt von Donald Trump. Und die Parteibasis hat der 54-Jährigen auf der Landesliste lediglich Platz 13 gegönnt - da müssten die Grünen im Vergleich zu 2013 ordentlich zulegen. Die gelernte Übersetzerin setzt auf die Schwerpunkte Frauen- und Gleichstellungspolitik, Generationengerechtigkeit und - als Mitglied im Verteidigungsausschuss - Sicherheitspolitik.