Von Dagmar Bartosch

Asis Nasseri ist Frontmann des Klassik-Metal-Ensembles Haggard. In Lateinamerika singt er vor 120.000 Menschen - zu Hause in Eching wird er nur skeptisch beäugt.

Bogotá in Kolumbien, am 27. Juni dieses Jahres: Im Parque Central Simón Bolívar findet das größte Rockfestival Lateinamerikas statt. Vor der großen Bühne haben sich 120.000 Menschen versammelt. Eine föhliche Violinenmelodie erklingt, die Menge klatscht im Rhythmus und beginnt euphorisch zu schreien, als harte Gitarrenklänge dazu einsetzen.

Bild vergrößern

In Lateinamerika ein Star, in Deutschland mit Argwohn beäugter Nachbar: Asis Nasseri, Sänger der Band Haggard. (© Foto: Bartosch)

Anzeige

Das lateinamerikanische Publikum jubelt für Haggard, die Ko-Headliner des Festivals sind - und die einzige deutsche Band, die dort auftritt. Asis Nasseri, der Sänger der Band, grölt ins Mikrofon. Seine schwarzen Locken hängen ihm ins Gesicht.

"Das war gigantisch", sagt er einen Monat später und erinnert sich daran, als er während der Abenddämmerung auf der riesigen Bühne stand. Jetzt sitzt er in seinem Wohnzimmer, auf der Couch mit weißem Überwurf, in seiner freundlich und hell eingerichteten Wohnung in Eching. Draußen herrscht an diesem Sommertag Vorstadtidyll in Reinform: Viele Familien wohnen in den blau gestrichenen Reihenhäusern, in deren Vorgärten Kinderräder und Gartenzwerge stehen.

Größer könnte der Gegensatz kaum sein. Mit seiner Band Haggard ist Asis Nasseri in Lateinamerika ein Star. Als Frontmann des 16-köpfigen Ensembles bekommt er einen Großteil der Fanaufmerksamkeit ab. Im Jahr 2000 fing alles damit an, dass er immer mehr Fanbriefe aus Mexiko bekam. Von da an war der Erfolg ein "Selbstläufer". Schon bei ihrer ersten Tour durch Mexiko spielten sie Konzerte vor 2000 Leuten: "Der Supergau - im positiven Sinn", sagt Nasseri, denn bis dahin waren sie in Deutschland vor höchstens 500 Menschen aufgetreten.

Auf den Touren durch Lateinamerika erkennen ihn die Leute auf der Straße, fragen nach Autogrammen, wollen Fotos an seiner Seite und ihm selbstgemachte Fangeschenke überreichen. Kaum einer kann sich wohl vorstellen, was für ein normales Leben Asis Nasseri im beschaulichen Eching führt. Hier wird er von seinen Nachbarn höchstens mit Argwohn betrachtet. "Wenn der Tourbus bei mir vorfährt und 20 dunkle Gestalten aussteigen, sehe ich, dass ihnen die Fragen auf der Seele brennen, aber gefragt hat bisher nur eine Nachbarin", erzählt Nasseri.

"Die Fans sind Maniacs"

Die Musik von Haggard beschreibt er als eine Mischung aus klassischer und mittelalterlicher Musik und Metal. Dazu kommt der Gesang von zwei Sopranistinnen und das metaltypische Growling. In Deutschland ist die Band in der Szene bekannt, spielte schon auf dem Wacken Open Air, dem größten Metal-Festival der Welt. Trotzdem ist der Erfolg in Übersee mit dem in der Heimat nicht zu vergleichen.

Warum die Lateinamerikaner derart auf den Haggard-Sound abfahren, kann sich Nasseri auch nicht richtig erklären. "Das ist einfach ihr Stil" sagt er und erzählt, dass es bei den Konzerten wie bei denen einer Boyband zugehe - mit Gekreische und extatischem Weinen: "Die Fans sind Maniacs." Das "Rock al Parque"-Festival in Bogotá war der Höhepunkt des Ganzen. Aber Nasseri mag auch die Clubkonzerte, bei denen Haggard vor 200 Menschen auftreten: "Wenn ich einfach nur meine Hand ausstrecken muss und mitten im Geschehen bin."

Lesen Sie auf der nächsten Seite, in welcher außergewöhnlichen Münchner Location Asis Nasseri gerne ein Konzert spielen würde und wieso er im Inneren nicht dem typischen Rocker entspricht.

Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite

  1. Sie lesen jetzt Der Superstar von nebenan
  2. Der Blick über den Tellerrand
Leser empfehlen