Architekten-Entwurf Wie der neue Konzertsaal aussehen soll

Heute ist die Gegend um das Landwirtschaftsministerium für Fußgänger wenig attraktiv. Der Konzertsaal könnte Impulse für eine Verbesserung auslösen.

(Foto: Catherina Hess)
  • Die Konzertsaal-Freunde haben einen neuen Entwurf für den Musiksaal vorgestellt.
  • Das "Neue Odeon" bedeutet Eingriffe in das Finanzareal. Trotzdem halten die Konzertsaal-Freunde daran fest.
  • Die Pläne könnten aber auch die Gesamtsituation in dem Areal verbessern.
Von Alfred Dürr

Wenn für ein großes Bauprojekt Bäume gefällt werden müssen, sind Konflikte programmiert. Der Verein der Konzertsaal-Freunde hat nun seinen Vorschlag für einen Neubau auf der Fläche hinter dem Landwirtschaftsministerium an der Ludwigstraße vorgestellt. Ohne Eingriffe in das Grünareal des Finanzgartens ist der Konzertsaal nicht möglich. Auf der anderen Seite, betont der Verein, kann der vernachlässigte Stadtraum durch einen Konzertsaal-Bau und durch gestalterische Verbesserungen im Umfeld enorm aufgewertet werden.

"Auf unseren Vorschlag sollte man nicht emotional und vordergründig reagieren, sondern mit einer sachlichen Debatte", wünschte sich der Vereinsvorsitzende Manfred Wutzlhofer. Stadtheimatpfleger Gert Goergens unterstützt das Projekt nachdrücklich. Er sprach von einem "Gewinn für die Urbanität".

Grüne Flächen statt Parkplätze für Autos

Zahlreiche Standorte für einen neuen Konzertsaal sind schon diskutiert und danach verworfen worden. Mit diesem soll es jedoch ernst werden. Denn man könne nicht nur einen Konzertsaal errichten, der akustisch weltweite Bedeutung erlange, sagte Wutzlhofer. Der eher abgeschottete Finanzgarten werde zu einem ganz neuen Erlebnis für die Bürger. Möglich würden zum Beispiel attraktive Verbindungen vom Odeonsplatz zum Englischen Garten. Wo bisher in der Galeriestraße hauptsächlich Autos geparkt würden, entstünden begrünte Flächen für Passanten, ergänzte Stadtheimatpfleger Gert Goergens.

Der Verein präsentierte auch schon einen konkreten Entwurf für den Konzertsaalbau und das Umfeld. Die Idee stammt nicht von einem bekannten Baumeister, sonern von dem Architekturstudenten Markus Krempels. Seine Abschlussarbeit fand höchstes Lob bei Goergens. Sie zeichne sich durch eine ungewöhnlich intensive Auseinandersetzung mit dem Ort und der Stadtsilhouette aus. Krempels schwebt ein Gebäude mit großzügigen Räumen vor, die ineinander übergehen. Das soll an den Verlauf der Wege des Finanzgartens erinnern.

Die Höhe des Neubaus orientiert sich an den Gebäuden in der Umgebung. Die Fassaden zeigen sich in Richtung Finanzgarten "schwunghaft und auflockernd". Das Blätterdach der Bäume findet seine Entsprechung in der Gestaltung des Bauwerks. Das gesamte Erscheinungsbild soll transparent und offen wirken. Durch die offenen Fassaden zeichnet sich auch das Herzstück im Innern, der Konzertsaal mit seinen 1800 Sitzplätzen, ab. Ähnlich wie in der Berliner Philharmonie rückt das Orchester durch umliegende und rückwärtige Ränge mehr ins Zentrum des Saales.

Das heute Sichtbare und Markante des denkmalgeschützten Bereichs des Finanzgartens werde durch all das nicht angetastet, sagte der Landschaftsarchitekt Heiner Luz. Gleichwohl seien für die Eingriffe ökologische Kompensations- und Ausgleichsmaßnahmen im näheren und weiteren Umfeld erforderlich.

Man wolle die Eingriffe nicht kleinreden, sagte Manfred Wutzlhofer. Sie seien nur dann gerechtfertigt, wenn man einen Ausgleich schaffe und die gesamte stadträumliche Situation am Ende sehr viel besser als bisher sei. Dass dies grundsätzlich möglich sei, zeige der Entwurf von Markus Krempels überzeugend. Sein Vorschlag habe ein hohes Potenzial. Wie allerdings die bestmögliche Lösung für einen Konzertsaal-Bau aussieht, soll dann erst ein Architektenwettbewerb klären.

Heubisch steht mit Idee allein

Kunstminister Heubisch hat keine Lust mehr auf Debatten: Er will den neuen Münchner Konzertsaal auf der Museumsinsel planen. Doch damit stößt er auf heftige Kritik. Seine Gegner bevorzugen einen anderen Standort - und haben gute Argumente dafür. Von Alfred Dürr mehr ...

Der Verein schlägt vor, den Konzertsaal "Neues Odeon" zu nennen, in Anlehnung an das von Leo von Klenze errichtete Konzerthaus aus dem 19. Jahrhundert in der Nähe des Odeonsplatzes. Im Krieg wurde das Gebäude schwer zerstört. Heute befindet sich dort das bayerische Innenministerium. Auf dem nicht weit entfernten Areal zwischen der Galeriestraße, der Von-der-Tann-Straße (die verschmälert werden soll) und dem jetzigen Parkplatz des Landwirtschaftsministeriums könnte das Neue Odeon entstehen. Die bayerische Staatsregierung solle die erforderlichen Schritte zur Sicherung des Standortes vornehmen, sagte Wutzlhofer. Von der Stadt wünscht man sich, dass sie als Trägerin der Planungshoheit das Projekt durch die Bauleitplanverfahren unterstützt.

Der frühere bayerische Kunstminister und jetzige Stadtrat Wolfgang Heubisch (FDP) von der Fraktion für Freiheitsrechte, Transparenz und Bürgerbeteiligung hat Oberbürgermeister Dieter Reiter aufgefordert, zügig den Standort für den neuen Konzertsaal zu beschließen. Bedenken gegen das Projekt würden ernst genommen, sie seien aber lösbar. Alle noch offenen Fragen müssten geklärt werden, dann aber sollte sich der Ministerrat schnell für diesen Standort entscheiden, damit mit der Ausschreibung, der Planung und der Errichtung des Konzertsaals begonnen werden könne.