Anwohnerausweise in München Kein Parken ohne Wapperl

Anwohner-Parkplätze: Die rot-grüne Mehrheit will auch außerhalb des Mittleren Rings Parklizenzen einführen.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Mehr Parklizenzgebiete für München: Künftig soll man auch in Stadtvierteln außerhalb des Mittleren Rings nur noch mit Anwohnerausweis parken dürfen. Das ist gut für die Anwohner, aber reicht das Parkplatzangebot dann noch für die Besucher aus?

Von Alfred Dürr

Anwohner-Parkplätze: Die rot-grüne Mehrheit will auch außerhalb des Mittleren Rings Parklizenzen einführen.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Die rot-grüne Mehrheit im Stadtrat will die Gebiete, in denen man in München nur mit einer Parklizenz seinen Wagen abstellen darf, deutlich ausweiten. Künftig sollen auch Stadtviertel außerhalb des Mittleren Rings bewirtschaftet werden. SPD und Grüne beschlossen am Mittwoch im Stadtrat, die Projektgruppe zu unterstützen, die mögliche Parkgebiete unter die Lupe nehmen und prüfen soll. Diese Projektgruppe arbeitet unter Federführung des Planungsreferats, ihr gehören auch Vertreter des Bau- und dem Kreisverwaltungsreferats an.

Zu den Stadtvierteln, in denen künftig möglicherweise ein Wapperl Pflicht wird, zählen zum Beispiel Gebiete um den Rotkreuzplatz, in Milbertshofen oder in der Parkstadt Bogenhausen. In der Diskussion sind unter anderem auch Lizenzzonen am Tierpark in Talkirchen und in Pasing, wo durch die Neubauten im Bahnhofsbereich ein besonderer "Parkdruck" entstanden ist. Auch beim Olympia-Einkaufszentrum konkurrieren die Besucher mit den Anwohnern um einen Stellplatz. Schwierig ist die Situation zudem oft auch für die Anwohner des Stadions in Fröttmaning.

Die rot-grünen Pläne sorgten am Mittwoch für heftigen Streit im Rathaus. Die CSU-Stadtratsfraktion befürchtet, dass die Parkplätze in München bald flächendeckend über die Grenzen des Mittleren Rings hinaus "bewirtschaftet" werden sollen und es künftig kaum noch freie Parkplätze gibt. Damit öffne man Tür und Tor für ein Abkassieren der Autofahrer und für eine Verschiebung der Parkplatzprobleme in Gebiete, die noch keine entsprechenden Regelungen hätten. Eine Ausweitung der Wapperlzonen über den Mittleren Ring hinaus bringe wichtige Verkehrseffekte, heißt es dagegen bei der rot-grünen Stadtratsmehrheit. Es veranlasse mehr Pendler, auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen.

Viele Experten sehen in der Parkraumbewirtschaftung eines der wirksamsten Mittel, die Autoflut in der Stadt einzudämmen. Wer Gebühren für einen Platz am Straßenrand bezahlt, überlegt sich zweimal, ob das Auto das beste Fortbewegungsmittel ist. Mit den Parkplatzlizenzen in der Innenstadt hat sich die Situation für die Anwohner deutlich gebessert.

Mehr Tiefgaragen für Anwohner

In Einzelfällen könnten die neuen Bereiche durchaus sinnvoll sein, sagt der Planungsexperte der CSU, Walter Zöller. Aber dafür müsste jedes einzelne Gebiet auf seine Eignung geprüft werden. Es dürfe kein "Weiterschieben der Parkwelle" in andere Stadtteile geben. Untersucht werden müsse jeweils auch, ob zum Beispiel nicht auch die Benutzung von Parkscheiben reiche, um das Belegen der Plätze zu steuern. Auch der Fraktionsvorsitzende der FDP, Michael Mattar, hält es für falsch, die Parkplätze in weiten Gebieten der Stadt zu verwalten. Notwendig seien zum Beispiel eher mehr Tiefgaragen für die Autos der Anwohner. So könne man "Verdrängungseffekte" beim Suchen von Parkplätzen mildern.

Paul Bickelbacher (Grüne) verweist dagegen auf die positiven Erfahrungen, die man mit den bisherigen 62 Parklizenz-Zonen in der Innenstadt gemacht habe. Die Verwaltung oder die rot-grüne Mehrheit drückte niemandem einfach eine Ausweitung der Wapperl-Gebiete auf: "Die Forderungen kommen von den Bürgern in den Vierteln selbst und auch von den jeweiligen Bezirksausschüssen."

Die CSU male mit ihren Warnungen vor einer flächendeckenden Einführung des Parkraummanagements den Teufel an die Wand, sagt SPD-Stadtrat Ingo Mittermeier. Die Verwaltung sei jetzt beauftragt, bis Ende nächsten Jahres einen Untersuchungsbericht über mögliche neue Gebiete außerhalb des Mittleren Rings vorzulegen.